KI-Experte Kipker: „Wir kommen einem KI-GAU immer näher“
„Bauen immer höher, immer schneller das KI-Kartenhaus“, warnt KI-Experte Dennis-Kenji Kipker. China kritisiert indes Warnung von Techbossen vor KI-Entwicklung.

Der KI-Experte Dennis-Kenji Kipker hält Warnungen führender KI-Unternehmen vor einer außer Kontrolle geratenden künstlichen Intelligenz indessen für grundsätzlich berechtigt. Zwar seien konkrete Zeitangaben empirisch nicht belegbar, sagte der Professor vom Cyber Intelligence Institute (CII) im ZDF-„Morgenmagazin“. „Was man aber definitiv sagen kann, ist, dass wir einem KI-GAU immer näher kommen.“
Die Entwicklung bei KI vergleicht Kipker mit einem Kartenhaus: „Wir bauen immer höher, immer schneller das KI-Kartenhaus.“ Je mehr KI-Bestandteile in Systeme eingebaut würden, desto größer werde das Risiko – etwa in der Energieversorgung, in Logistik und Lieferketten, bei Finanzmarktinfrastrukturen und militärischen Waffensystemen. Fielen KI-gesteuerte Systeme in kritischen Infrastrukturen aus, könne das „sofort Kaskadeneffekte für die Versorgungssicherheit der Bevölkerung nach sich ziehen“. Zudem nutzten Cyberkriminelle die Fähigkeiten künstlicher Intelligenz zunehmend für Angriffe auf Staat und Verwaltung.
Wir bauen immer höher, immer schneller das KI-Kartenhaus.
— Dennis-Kenji Kipker , KI-Experte
Kipker sagte auch, die EU sei lange für ihr KI-Gesetz belächelt worden, inzwischen könne sie in diesem Bereich „sogar Vorreiter geworden“ sein. Als größter Binnenmarkt und großer Kunde von KI-Systemen könne die EU künftige Sicherheitsstandards prägen.
Alle Seiten sollen sich für offene Entwicklung einsetzen
China hat die Warnungen mehrerer US-Techbosse vor einer gefährlichen Entwicklung von Künstlicher Intelligenz und vor einer möglichen Gefahr durch einen chinesischen Vorsprung für die USA kritisiert. Bedrohungserzählungen zu verbreiten, Konfrontation und böswilliger Wettbewerb störten den Prozess der globalen Steuerung von KI und lägen nicht im Interesse einer der Seiten, sagte Außenamtssprecher Guo Jiakun in Peking.
Regierung erarbeitet neue KI-Strategie
Österreich hat sich aufgrund der rasant fortschreitenden und mit Warnungen verbundenen Entwicklungen bei der Künstlichen Intelligenz (KI) eine neue Strategie verordnet. Damit beauftragt hat Bundeskanzler Christian Stocker seinen Staatssekretär Alexander Pröll (beide ÖVP). Die neue KI-Strategie soll die bisherige, bekannt unter „Artificial Intelligence Mission Austria 2030“ (AIM AT 2030) aus dem Jahr 2021 ablösen.
Alle Seiten sollten sich gemeinsam für eine offene Entwicklung von KI einsetzen, so der Außenamtssprecher weiter. Am Wochenende hatten erneute Aufrufe von KI-Techbossen in den USA, die Entwicklung von Künstlicher Intelligenz zu verlangsamen, für Aufregung gesorgt. Dario Amodei, Chef des KI-Unternehmens Anthropic, machte einen solchen Vorstoß. Zuspruch kam von Rivalen wie dem Chef des ChatGPT-Entwicklers OpenAI, Sam Altman, sowie Tech-Milliardär Elon Musk.
Gefahr für die nationale Sicherheit
Nach den Hacking-Angriffen sei er besorgt, dass in sechs bis zwölf Monaten ein KI-Schwarm in der Lage sein könnte, das gesamte Internet zu übernehmen und potenziell Hunderte Milliarden Dollar Schaden zu verursachen, hatte Amodei am Samstag geschrieben. Er warnte außerdem vor einer Gefahr für die nationale Sicherheit, sollten Projekte mit Verbindungen zur Kommunistischen Partei Chinas die Oberhand gewinnen.
Experten gegen KI-Abhängigkeit Europas
Eine Gruppe prominenter europäischer Wirtschaftswissenschaftler, Politiker und KI-Experten hat eine Strategie vorgelegt, wie sich Europa im internationalen KI-Wettbewerb durchsetzen könnte. Die EU laufe aktuell Gefahr, „unwiderruflich von einer Handvoll ausländischer Regierungen und Einzelpersonen abhängig zu werden“, warnte die Expertengruppe am Montag. Noch in diesem Jahr müsse daher „entschlossen gehandelt werden“
Die Expertengruppe listet in ihrer Strategie mehr als 40 Empfehlungen auf, die von den EU-Mitgliedstaaten und der Europäischen Kommission aufgegriffen werden können, „damit Europa und seine Bürgerinnen und Bürger in einer Welt transformativer KI erfolgreich bestehen können“.
Mehr dazu lesen Sie hier.
China treibt einen ambitionierten KI-Entwicklungsplan voran. Staats- und Parteichef Xi Jinping hatte erst am Wochenende beim Gipfel der als Gegengewicht zum Westen geltenden BRICS-Staaten im indischen Neu-Delhi vorschlagen, gemeinsam auf Ebene der Staatengemeinschaft sich rasch auf gemeinsame KI-Regulierungen zu einigen.
Chinas KI-Unternehmen holen auf
Bisher gelten US-Firmen als Technologieführer in KI. Doch Beobachter sehen, dass chinesische KI-Unternehmen schnell aufholen. Zwischen den beiden größten Volkswirtschaften der Welt herrscht schon länger ein Wettrennen um die Vormacht bei KI.
Chinas staatliche Zeitung „Global Times“ sah in Amodeis Vorschlag vom Wochenende den Versuch, China einzuschränken. „Der Artikel ist gespickt mit Maßnahmen zur Eindämmung Chinas und stellt im Grunde genommen ein „Strategiehandbuch aus dem Kalten Krieg“ für den KI-Sektor dar.“