Kleine Zeitung als bevorzugte Google-Quelle hinzufügen.

Mit Marie-Helene Jöllinger (100) aus Leoben verstarb eine echte Kämpferin

Marie-Helene Jöllinger, mit Wurzeln in Tieschen und aufgewachsen in der französischen Schweiz, verstarb nun in ihrer Heimatstadt Leoben im Alter von 100 Jahren.

Marie-Helene Jöllinger verstarb in Leoben im Alter von 100 Jahren
© KK
Marie-Helene Jöllinger verstarb in Leoben im Alter von 100 Jahren

Marie-Helene Jöllinger aus Leoben hat dieser Welt mit 100 Jahren adieu gesagt. Sie war ergänzender Teil in ihrer Ehe mit Friedrich Jöllinger, Rechtsanwalt in Leoben. Sie war die pragmatische, realitätsbezogene Hälfte neben der fantasiebetonten und gefühlgelenkten Seite ihres Mannes.

Mit Ruhe und Verständnis

Sie hatte die Gabe des Zuhören-Könnens. Ihre drei Kinder brachte sie mit Ruhe und Verständnis durch Schule und Studium. Wer sie kannte, freute sich stets über ihren französischen „Accent“, denn sie war – wenn auch in der ehemaligen Untersteiermark geboren, so doch in der französischen Schweiz aufgewachsen.

Ihre Tochter Evelyne zeichnet in kurzen Worten das Schicksal dieser österreichischen Auswandererfamilie folgendenmaßen nach: Nach dem Ersten Weltkrieg wanderte ihre Großmutter als gelernte Näherin zuerst nach Vorarlberg und dann in die Schweiz aus. Der Familienerzählung nach nähte sie dort in einer katholischen Institution am Taufkleid für eines der Kinder von Kaiserin Zita mit.

Uniformen für Gardisten

Sie ging nach Rom, wurde Kindermädchen im Haushalt von Jules Repond, damals Kommandant der Schweizer Garde des Papstes. Der Oberst entwarf die neuen Uniformen für die Gardisten in den berühmten Traditionsfarben Blau-Rot-Gelb des Hauses Medici und in Anlehnung an Landsknechtuniformen aus der Zeit der Bauernkriege und aus der Zeit, als Schweizer Bauernsöhne und Knechte sich als Söldner verdingten.

Die Entwürfe zu den Uniformen wiederum nähte Marie-Helenes Mutter. In Rom lernte sie ihren späteren Mann, einen Schweizer Gardisten, kennen und ging mit ihm, nachdem er den Dienst quittierte, in die Schweiz zurück. Sie bekam zehn Kinder, Marie-Helene ist das zweite.

Als ihr Mann mit 52 Jahren starb, blieb sie mit der Schar der Kinder und mit Hypotheken auf das Haus zurück. Sie kämpfte sich durch; die Notzeit prägte das Motto, nach dem die Familie lebt: niemals aufgeben.