„Schatten Rosen Schatten“: Kurzer Abend mit langem Nachhall
Gelungene literarische Abendandacht: Das „Theater Wolkenflug“ folgt mit Gedichten dem Lebensweg von Ingeborg Bachmann.

Im „Du sollst”-Duktus der Zehn Gebote schrieb Paul Celan zum 22. Geburtstag von Ingeborg Bachmann das Gedicht „In Ägypten”. Sie antwortete mit dem Gedicht „Schatten Rosen Schatten”, das Ute Liepold nun als Titel für ihren Bachmann-Abend gewählt hat.
Die Produktion des „Theater Wolkenflug“ im Haus der Architektur in Klagenfurt ist bestechend in ihrer Schlichtheit. Eine knappe Stunde lang lösen Magda Kropiunig (ganz in Schwarz) und Katarina Hartmann (in Weiß) die Gedanken der Dichterin aus ihren Satzzellen und schaffen mit Cellistin Alenka Piotrowicz innige Momente – insbesondere mit dem Antikriegsgedicht „Alle Tage”. Wie Piotrowicz ihr Cello wie eine Sirene klingen lässt, macht Frösteln. Kropiunig und Hartmann stehen immer als sie selbst auf der Bühne, nutzen die Schreibmaschinen als Rhythmusinstrumente, singen großartig und folgen mit den Gedichten Ingeborg Bachmanns Lebensweg.
Viel Sachlichkeit
Da ist wenig Schwärmen, vielmehr Sachlichkeit („Eine Art Verlust” nach der Trennung von Max Frisch), Kompromisslosigkeit („Keine Delikatessen“) und Subtiles („Das erstgeborene Land”). Überraschend schnell klingt es hoffnungsvoll „Böhmen liegt am Meer” und der Donauwalzer hebt ab. Eine gelungene literarische Abendandacht.
Zum Abend
Schatten Rosen Schatten. Termine: 15.-19., 23.-26. 9., 20 Uhr. Haus der Architektur Kärnten (Napoleonstadl), Klagenfurt. Tickets: Tel. 0681 819 26 317
www.wolkenflug.at