Zweimal Lebensretter: Osttiroler macht sein Versprechen wahr
Mario Kollreider spendete einem Krebspatienten seine Stammzellen und sagte: „Ich würde es immer wieder tun“. Nur ein Jahr später wurde er tatsächlich wieder gebraucht.

„Ich würde es immer wieder tun“, sagte Mario Kollreider aus Osttirol vor einem Jahr. Damals wurde er nach einer weltweiten Suche als passender Stammzellenspender für einen leukämiekranken Mann ausfindig gemacht. Nach speziellen Voruntersuchungen und mehreren selbst verabreichten Spritzen setzte er sich in der Nacht zum 17. Juni 2025 um 3.15 Uhr ins Auto und fuhr von der kleinen Osttiroler Gemeinde Anras rund vier Stunden lang ins LKH Graz. Dort wurden ihm die Stammzellen abgenommen und mit einem Kurier zu dem schwerkranken Mann gebracht, der in einem anderen Land in Europa lebt. „Jederzeit wieder“, versicherte Kollreider damals. Nun hat er sein Versprechen wahr gemacht. Denn nur knapp ein Jahr nach der ersten Stammzellenspende, brauchte der Krebspatient wieder Hilfe.
„Das ging ja schneller als gedacht“, meint der 31-jährige Osttiroler. Und war sofort wieder zur Stelle. Vor Kurzem fuhr er erneut nach Graz und legte sich stundenlang ins Krankenhaus. Dort wurde er an Maschinen angeschlossen und ließ sich sein Blut abnehmen, das für den Krebspatienten überlebenswichtig ist. „Das ist ja wohl klar, dass ich helfe. Mir tut es nicht weh und dem anderen Mann kann ich damit das Leben retten. Das ist gut für ihn und bestimmt gut für mein Karma“, meint Kollreider lächelnd.
„Dass eine zweite Spende gebraucht wird, kommt nur sehr selten vor“, sagt Julia Neugebauer, die Sprecherin des Vereins „Geben für Leben“, die mit ihrem Team immer wieder Stammzellenspenden organisiert. „Wenn ein Krebspatient beispielsweise einen schweren Infekt bekommt, wird versucht, mit einer zweiten Spende sein Immunsystem wieder aufzubauen“, erklärt Ärztin Barbara Pelzmann.
Papa ist ein Held
Der doppelte Spender Mario Kollreider sagt: „Ich hoffe, ich konnte dem Patienten mit meinem Blut helfen. Für mich war es eine schöne Erfahrung für den unbekannten Menschen dazusein.“ Der zweifache Vater arbeitet als Produktionsmitarbeiter – für seine Hilfseinsätze in der Steiermark hat er extra frei bekommen. Seine beiden Töchter Kathlyn (13) und Kayley (8) waren nicht nur stolz auf ihren Papa, sondern haben auch ganz viele Fragen gestellt. „Mein zweiter Einsatz war wesentlich unkomplizierter als der erste. Bei der Stammzellenspende vor einem Jahr musste ich mir vorher jeden Tag selbst Spritzen in den Bauch geben, damit sich die Stammzellen vermehren, das fiel diesmal weg. Ich wurde nur untersucht und dann fuhr ich schon ins Krankenhaus. Es war alles recht unkompliziert“, schildert der 31-Jährige.
Jetzt hoffen alle, dass der unbekannte Krebspatient wieder ganz gesund wird. Und vielleicht lernt er seinen potenziellen Lebensretter – Mario Kollreider aus Anras in Osttirol - ja einmal kennen. „Wenn beide das wollen, haben sie nach zwei Jahren die Möglichkeit sich zu treffen“, erklärt Neugebauer.
Die letzte Hoffnung
Kollreider sagt auch nach seiner zweiten Spende: „Ich würde es jederzeit wieder tun.“ Und allen anderen rät: „Lasst Eure Stammzellen typisieren, es ist so einfach und kann für einen anderen Menschen lebenswichtig sein.“ Stammzellenspenden sind für Betroffene oft das letzte Mittel im Kampf gegen Leukämie, seltene Blutkrankheiten und Gendefekte. Wenn Chemotherapien und Bestrahlungen nicht anschlagen, kann eine Transplantation gesunder Stammzellen helfen.
Nächste Chance
Am Johannesplatz in Lienz gibt es am 7. Oktober zwischen 10 und 15 Uhr die nächste Chance seine Stammzellen typisieren zu lassen.
Gesunde Menschen zwischen 16 und 45 Jahren können sich auch auf der Homepage des Vereins „Geben für Leben“ ein Typisierungsset nach Hause bestellen oder an einer der vielen Typisierungsaktionen teilnehmen. Die Typisierung findet mittels Wangenabstrich statt. Sollte jemand als Spender in Frage kommen, wird er kontaktiert.
Eine Stammzellenspende funktioniert so: Gesunde Stammzellen werden aus der Blutbahn der Spender entnommen. Dazu spritzen sich die Spender über fünf Tage einen Wachstumsstoff. Dadurch wird die Anzahl der Stammzellen im peripheren Blut - also den Blutzellen in den Blutgefäßen - erhöht. Die Überproduktion der Stammzellen wird ähnlich einer Blutwäsche direkt aus dem Blut gewonnen. Die Spender haben nach der Spende gleich viele Stammzellen wie vor der Stimulierung. Viele Spender sagen, das Prozedere sei so ähnlich wie eine Blutspende nur länger.