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Trump: Angriffe auf russische Raffinerien stoppen

US-Präsident Donald Trump hat Ukraines Präsidenten Wolodymyr Selenskyj aufgerufen, Angriffe auf russische Raffinerien einzustellen. "Er muss aufhören, die Dieselversorgung lahmzulegen", sagte Trump am Sonntag in Irland. Er erwähnte dabei nicht, dass die jüngste Energiekrise erst durch den Krieg gegen den Iran und die vertrackte Situation in der Straße von Hormuz ausgelöst wurde, sondern behauptete stattdessen, die ukrainischen Angriffe verursachten die Dieselknappheit.

US-Präsident Donald Trump bei "Irish Open"-Golfturnier
© APA/AFP
US-Präsident Donald Trump bei "Irish Open"-Golfturnier

"Das liegt nicht am Nahen Osten, sondern an den Ereignissen in Russland und der Ukraine", erklärte er bei einem Besuch des Golfturniers Irish Open in seinem Luxusresort in Doonbeg an der irischen Westküste vor Journalisten. Die USA hätten mit Selenskyj bereits darüber gesprochen. "Es gibt jede Menge andere Ziele. Er darf keine Dieselanlagen angreifen, denn das schadet der ganzen Welt." Die weltweite Öl-Knappheit werde nicht durch die Lage im Nahen Osten verursacht, sondern durch die Entwicklungen in Russland und der Ukraine.

Vor allem zu Beginn des russischen Angriffskrieges gegen die Ukraine vor mehr als viereinhalb Jahren trieb der Konflikt die Energiepreise weltweit deutlich in die Höhe. In den vergangenen Monaten verstärkte die Ukraine ihre Angriffe auf Objekte der Ölindustrie in Russland. Die Folgen sind dort deutlich spürbar. Die Ölverarbeitung ist auf den tiefsten Stand seit mehr als 20 Jahren gefallen. Viele Tankstellen in Russland sind leer, andere geben Treibstoff nur noch in begrenzten Mengen aus. Autofahrer müssen lange anstehen, um überhaupt tanken zu können.

Trumps Darstellung greift allerdings zu kurz: Aktuell wirkt sich insbesondere der Krieg zwischen den USA und dem Iran auf den globalen Ölmarkt aus. Der Konflikt hat den Schiffsverkehr durch die Straße von Hormuz, eine zentrale Route für den weltweiten Öltransport, erheblich beeinträchtigt. Vor dem Krieg wurde dort rund ein Fünftel der weltweiten Öltransporte abgewickelt. Die Unsicherheit über die Lieferungen lässt den Rohölpreis steigen und verteuert damit auch Diesel und Benzin.

Für Trump sind die hohen Spritpreise mit Blick auf die bevorstehenden Zwischenwahlen in den USA ein Problem. Im Wahlkampf hatte er versprochen, die Energiepreise deutlich zu senken. Stattdessen müssen US-Amerikaner derzeit so viel für Benzin und Diesel bezahlen wie seit Jahren nicht mehr – besonders in ländlichen Regionen, die zu Trumps wichtiger Wählerschaft gehören: Am Freitag war der landesweite Durchschnittspreis für Diesel in den USA nach Angaben des Automobilverbands AAA erstmals über die Rekordmarke von 6 US-Dollar pro Gallone (3,785 Liter) gestiegen.

Die Ukraine attackiert seit Monaten verstärkt russische Ölraffinerien, um eine wichtige Einnahmequelle der Führung in Moskau zur Finanzierung ihres Angriffskriegs zu schwächen. Dies führte in Russland zu Einschränkungen bei der Kraftstoffproduktion und zu Engpässen an den Tankstellen. Die Ukraine, deren eigene Energieinfrastruktur regelmäßig von Russland angegriffen wird, betrachtet die Raffinerien als legitime militärische Ziele.

Die Ölpreise sind im Zuge des von den USA und Israel begonnenen Kriegs gegen den Iran massiv gestiegen. Hintergrund ist, dass der Iran als Reaktion auf die US-Angriffe die Straße von Hormuz am Persischen Golf weitgehend blockiert, die für die weltweite Ölversorgung von zentraler Bedeutung ist. Dadurch steht Trump vor den Zwischenwahlen zum Kongress im November unter Druck. Denn auch in den USA haben sich Benzin und Diesel kräftig verteuert. So stieg der durchschnittliche Preis für eine Gallone Diesel (rund 3,8 Liter) am Donnerstag dem Marktbeobachter GasBuddy zufolge erstmals auf über sechs Dollar.

Gleichwohl behauptete Trump am Sonntag in Irland, die weltweite Öl-Knappheit werde nicht durch die Lage im Nahen Osten verursacht, sondern durch die Entwicklungen in Russland und der Ukraine. Die Ölpreis-Entwicklung spricht gegen diese Darstellung. Unmittelbar vor Beginn des Krieges Ende Februar kostete ein Barrel (159 Liter) der Ölsorte Brent am internationalen Markt noch rund 73 Dollar. In der vergangenen Woche war der Preis bis auf knapp 109 Dollar gestiegen.