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Die stille Siegerin und ihr zweifelhafter Schatten

Der Trip nach New York hat sich für Jelena Rybakina bezahlt gemacht: Titel bei den US Open und Nummer eins der Welt.

Jelena Rybakina durfte zum ersten Mal in ihrer Karriere die US-Open-Trophäe küssen
© AP/Kirsty Wigglesworth
Jelena Rybakina durfte zum ersten Mal in ihrer Karriere die US-Open-Trophäe küssen

Dass Aryna Sabalenka als höchst ehrgeizige Sportlerin gilt, ist kein Geheimnis. Dass ihr Spiel von Emotionen geprägt ist, ebenso nicht. Dass sie nicht zu den besten Verliererinnen gehört, davon konnte sich die Welt nach der 4:6, 7:5, 2:6-Finalniederlage bei den US Open gegen Jelena Rybakina ein Bild machen. Da wurde ein Schläger zerhackt und ein Kameramann angeschnauzt, da flossen Tränen und am Ende folgte nach dem Ende des offiziellen Teils der Siegerzeremonie ein überhasteter Abgang, der an eine Flucht erinnerte. Natürlich, die Weißrussin hatte gerade in Flushing Meadows ihren dritten Titel in Folge verpasst und musste obendrein nach 99 Wochen die Führung in der Weltrangliste an Rybakina abtreten, doch tat sich Sabalenka hinsichtlich Außendarstellung an diesem New Yorker Abend keinen großen Gefallen.

Völlig konträr zu Sabalenka das Verhalten und die Aura von Rybakina. Nach dem verwandelten Matchball verriet der bescheidene Jubel der Kasachin nicht, ob sie sich gerade über ihre dritte Grand-Slam-Trophäe oder das gelungene Öffnen eines wehrhaften Essiggurkenglases freute. Teils stoisch, als würde sie sich jegliche Gefühlsregungen verbieten, ließ die introvertierte 27-Jährige die Siegerehrung über sich ergehen. Und wie bei Sabalenka war es auch bei Rybakina unübersehbar, dass sie am liebsten sofort vom Center Court flüchten würde – wenn auch aus anderen Gründen ...

Aryna Sabalenka (links) und Jelena Rybakina: Wer das Turnier gewonnen hat, lässt sich aus den Mimiken der beiden nicht so leicht erschließen
© AP/Adam Hunger
Aryna Sabalenka (links) und Jelena Rybakina: Wer das Turnier gewonnen hat, lässt sich aus den Mimiken der beiden nicht so leicht erschließen

„Das Aufwachen am Montag wird unglaublich sein“, war sich Rybakina, die 5,5 Millionen Dollar Preisgeld gewann, bei ihrer Siegerrede sicher. „Auch wenn es immer noch schwierig ist, zu verarbeiten, was passiert ist. Es sind zu viele Erfolge in wenigen Wochen gewesen.“ Ja, die gebürtige Russin, die 2018 die kasachische Staatsbürgerschaft angenommen hat, kann in den vergangenen elf Monaten auf herausragende Leistungen zurückblicken: Ende 2025 der Triumph bei den WTA Finals (Finalsieg gegen Sabalenka), Anfang 2026 der Titel bei den Australian Open (Finalsieg gegen Sabalenka), der Sieg beim Stuttgarter Porsche-Cup, die Endspiele in Indian Wells und Toronto und eben jetzt das Bravourstück im „Big Apple“. Ein feine Anhäufung von Spitzenergebnissen, die unterm Strich Platz eins in der Weltrangliste ergeben.

Von dort winkt Rybakina heute als erste Tennisspielerin ihres Landes. Eine erfreuliche Tatsache, die bei der 18-fachen Turniersiegerin allerdings auch keine allzu großen Gefühlsregungen hervorrief. Vielmehr bedankte sie sich bei ihrem Umfeld: „Ich habe ein großartiges Team, großartige Menschen um mich.“ Denen gehört seit 2019 auch ihr umstrittener Trainer Stefano Vukov an, der im Jänner 2025 von der WTA wegen Verstößen gegen den Verhaltenskodex (Autoritätsmissbrauch gegenüber der Spielerin) gesperrt wurde. Rybakina widersprach, die Sperre wurde aufgehoben und der 39-Jährige kehrte im August 2025 in das Team zurück. Wie geränkt die Kasachin über die kurzfristige Sperre war, bewies sie bei den WTA Finals, als sie bei der Siegerehrung ein gemeinsames Foto mit der damaligen WTA-Geschäftsführerin verweigerte.

Dass Vukov kein einfacher Charakter ist, zeigt die Geschichte rund um Rybakinas Kindheitstrainerin Jewgenia Kulinovskaja. So war der Kroate strikt dagegen, dass sein Schützling wieder Kontakt mit ihr aufnehmen wolle. „Er wollte das nicht, weil er befürchtete, ich könnte ihm Jelena abwerben. Erst als er realisierte, dass das nicht der Fall ist, entspannte sich die Situation und Jelena und er kamen öfter zum Training nach Moskau“, erzählte Kulinovskaja gegenüber Tennis World USA.

Jelena Rybakina bei den WTA Finals 2025 mit Physio Stefan Duell (links) und Trainer Stefano Vukov
© IMAGO
Jelena Rybakina bei den WTA Finals 2025 mit Physio Stefan Duell (links) und Trainer Stefano Vukov

Bleibt noch die Frage, ob Rybakina und ihr Coach ein Paar sind. Die Gerüchte halten sich hartnäckig, offizielle Bestätigung gibt es aber keine.