Kleine Biene, großes Herz: Biene Maja ist 50
Vor 50 Jahren flog sie erstmals über die Klatschmohnwiese. Die Biene Maja wurde zum Kult.

Die Serie über die Abenteuer einer Biene wurde bald ein Stück Populärkultur und die Erinnerung daran ist kaum verblasst. Begriffe wie die „Stubenfliege-Puck-Brille“ gingen ebenso in den allgemeinen Sprachgebrauch ein wie der „faule Willi“. Willi, das war der etwas begriffsstutzige Freund von Maja, dazu kamen noch Figuren wie Frau Kassandra, die Klassenlehrerin, neben erwähnter Stubenfliege noch der besserwisserische, aber freundliche und hilfsbereite Grashüpfer Flip, der grobianische Mistkäfer Kurt, der friedfertige Regenwurm Max, die nicht ganz ungefährliche Spinne Thekla (eine begeisterte, aber besonders unbegabte Geigerin) sowie Schmetterlinge und Ameisen, bei denen die Namen stets im Trubel untergingen. Und natürlich die gebildete Maus Alexander, die von den Größenverhältnissen her nicht zum Rest gepasst hat.
Die dritte Zeichentrickserie aus Japan
In der Chronologie ihrer Herstellung war „Biene Maja“ die dritte Zeichentrickserie aus Japan. 1974 hatte „Arupusu no Shōjo Haiji“, das „Alpenmädchen Heidi“, das Licht der Welt erblickt. Unter der Ägide von Isao Takahata entstand die Anime-Serie nach dem Roman von Johanna Spyri. Neben Takahata arbeitete bereits ein gewisser Hayao Miyazaki an der Serie mit. Der gründete zehn Jahre später gemeinsam mit seinem Chef das Studio Ghibli und avancierte zum bedeutendsten Zeichentrickkünstler der Welt. Aber schon „Heidi“ ist bemerkenswert: Mit dieser Serie verhalfen die Japaner letztlich dem Anime-Stil zum internationalen Durchbruch.
„Heidi“ kam sehr gut in Deutschland an und trat eine Lawine von japanischen Animes für deutschsprachige Haushalte los. Der kürzlich verstorbene Fernsehproduzent Josef Göhlen leitete damals das Kinderprogramm im ZDF. Er initiierte Koproduktionen zwischen Japan und Deutschland: „Chiisana Baikingu Bikke“ („Wickie und die starken Männer“) 1974, im Jahr darauf folgte „Mitsubachi Māya no Bōken“, nach einem Roman des deutschen Schriftstellers Waldemar Bonsels (1880-1952) über die Abenteuer einer Biene. Bonsels erwies sich einige Jahre nach der Veröffentlichung seines Romans übrigens als übler Antisemit.
Die Geschichte eines etwas unartigen Kindes
Davon war man in den Siebzigern weit weg: Der Amerikaner Marty Murphy lieferte die Entwürfe, fertig war die internationale Mischkulanz, das Kind von Künstlern aus drei Kontinenten. Weitere Serien ähnlicher Machart folgten: „Niklaas, der Junge aus Flandern“, „Sindbad“, „Marco“, „Pinocchio“, „Perrine“, „Nils Holgersson“, „Puschel das Eichhorn“, „Alice im Wunderland“. Mehr als ein Jahrzehnt dominierte die Ästhetik der Produktionsfirma „Nippon Animation“ das Kinderfernsehen.
„Maja“ war die Geschichte eines etwas unartigen Kindes, das gern die Schule schwänzte, um zu sehen, was der Tag so an Abenteuern brachte. Ein schlagfertiges, selbstbewusstes Bienenkind mit hellwachem Geist, mit Herz und Eigensinn. Eine gestreifte Rebellin im sehr Kleinen. Das war auch ganz im Sinne Göhlens, der als „Insekten-Jupp“ geschmäht wurde. Die Serien sollten nicht zu pädagogisch und brav sein, sondern ein Stück kindlicher Freiheit vermitteln. Diese Welt war zwar kindgerecht, aber nicht unbeschwert. Die tragischen Ereignisse bei „Niklaas“, „Pinocchio“ und „Perrine“ hallten noch Jahrzehnte später in den Köpfen nach. Selbst „Biene Maja“ hatte melancholische Folgen, die Trauer, Angst und Abschied thematisieren, und Karel Gotts „goldene Stimme“ lenkt fast davon ab, dass Maja in einer kurzen Einstellung des Intros tatsächlich weint.

Das Lied, das Gott angeblich in allerkürzester Zeit in einem Wiener Studio aufgenommen hat, ist ebenso Kult wie die Serie. Der strahlende Tenor des Prager Sängers, der leichte tschechische Akzent, seine schwungvolle Interpretation ergaben einen Klassiker. Später hat man versucht, „Maja“ zu modernisieren. Allein die Erschlankung der Hauptfigur in der 3-D-Fassung wurde heftig diskutiert und von den alten Fans meist rundweg abgelehnt. Die standen der 3-D-Technologie aber generell skeptisch gegenüber. Den Charme der Zeichentrick-Meister aus Japan erreichte man nicht. Aber vielleicht trübt der nostalgische Blick auf die Kindheit das Urteilsvermögen.