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Schule braucht keine Parteifarbe , sondern Konstanz

Marie Miedl-Rissner
Redakteurin Bundesland Steiermark
In der Schule gibt es viele Herausforderungen. Sie nicht zu lösen darf keine Option sein.
© KLZ / Stefan Pajman
In der Schule gibt es viele Herausforderungen. Sie nicht zu lösen darf keine Option sein.

Mit dem Start des neuen Schuljahres kehrt nicht nur die Freude sondern auch die Probleme an die Schulen zurück. Die Politik hat viele Hausaufgaben.

Die Liste der Hausaufgaben der Regierung im Bildungsbereich könnte ein ganzes Heft füllen – und das am ersten Schultag. Damit drängt sich vor allem eine Frage auf: Muss das wirklich alles so kompliziert sein? Fakt ist: Die Diskussion verfehlt viel zu oft das Wesentliche, dreht sich um Migration, um Religion, um Kulturen, die aufeinanderprallen.

All das sind Themen, die die Schule prägen. Eine Grundsatzdebatte über Migration kann die Probleme in den Schulen dennoch nicht lösen. Integration ist ohne Frage eine Herausforderung. Wenn man mit Lehrpersonen spricht, wird aber schnell klar, sie ist nur eine unter vielen.

Gewalt in Schulen kennt keine Herkunft, keine soziale Schicht, keine einheitlichen Gründe. Das alles ist in Schulkreisen bekannt. In der gesellschaftlichen Debatte kommt es trotzdem oftmals nicht an. Die sachliche Ebene, das Hinterfragen der Ursachen geht verloren.

Ein Blick hinter die Gewalt

Statt der Frage, welche Herkunft Kinder haben, die sich in Schulen prügeln, sollte man sich lieber fragen, warum so viele Kinder und Jugendliche so wütend sind. Warum in vielen Volksschulen mittlerweile häufiger Fäuste als Papierflugzeuge durch die Klassenzimmer fliegen. Erst wenn man diese Frage beantwortet und gegensteuert, werden Suspendierungszahlen sinken. Die verpflichtende Suspendierungsbegleitung ist ein wichtiger Schritt, aber auch sie setzt zu spät an, wenn die Situation für die Schule schon nicht mehr tragbar ist.

Anders als bei Gewalt spielt die Herkunft und der soziale Hintergrund bei der Frage der Chancengleichheit sehr wohl eine Rolle. Bildung wird in Österreich noch immer stärker vererbt als in anderen Ländern. Das zeigen die neuen Pisa-Daten. Der Stellenwert von Bildung im Elternhaus und die Frage, ob Nachhilfe eine Option ist oder Eltern unterstützen können – all das ist nach wie vor entscheidend. Die sechsjährige Volksschule ist ein Versuch, Kinder länger gemeinsam zu unterrichten, ihren Weg nicht so früh vorzuzeichnen. Sie ist ein Schritt in die richtige Richtung, wenn auch einer mit angezogener Handbremse.

Bildung lässt sich nicht in Legislaturperioden denken

Fakt ist: Bildungspolitik ist keine Gegenwartspolitik, sondern eine Investition in die Zukunft, und lässt sich nicht in Legislaturperioden denken. Kein besonders attraktiver Ausgangspunkt für Regierungen.

Die größte Hausaufgabe für die Politik liegt daher darin, über ihren parteipolitischen Schatten zu springen. In den vergangenen zehn Jahren – also in der Zeit von zwei regulären Legislaturperioden – hatte Österreich sechs Bildungsministerinnen und -minister. Heinz Faßmann übernahm die Rolle zweimal. Konstanz sieht anders aus.

In die Vergangenheit zu blicken und die Versäumnisse auszuzählen ist dennoch der falsche Zugang. Schuldzuweisungen helfen keinem. Aus der Vergangenheit zu lernen sehr wohl. Schule darf nicht instrumentalisiert und emotionalisiert werden, sollte keine Frage der politischen Ausrichtung sein. Denn Kinder sind keine politische Verschubmasse. Wer das glaubt, hat unsere Zukunft bereits aufgegeben.