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Schlüsselroman mit spitzer Feder

Er hat es wieder getan. Kärntens streitbarster Autor Egyd Gstättner holt wie schon so oft in seinen Büchern und Kolumnen (in der Kleinen Zeitung, der Presse, etc.) mit dem autofiktionalen Werk zum literarischen Rundumschlag aus.

Egyd Gstättner
© Claudia Saxer-Gstättner
Egyd Gstättner
Karin Waldner-Petutschnig

Kurzfristig muss der Ich-Erzähler in „Destroy Nestroy“ für eine Professorin an der Uni der Provinzstadt „K.rähwinkel“ einspringen und Vorlesungen über Johann Nepomuk Nestroy halten. „Nun also willkommen, liebe Börges und Bothos und Uwes und Fraukes und Dirkes und Gunnars!“ Was folgt sind Anekdoten und Aphorismen von Nestroy, dem „Schopenhauer vom Wurstelprater“, Exkurse über Schopenhauer selbst, aber auch über österreichische Schriftsteller von Friedell, Kuh, Kraus und Polgar bis zu Qualtinger und Bernhard.

Realitätsnah

Die reale Begebenheit, dass eine deutsche Professorin in Wien eine Dissertation zu Heimito von Doderer mit der Begründung ablehnte, sie mache keine Regionalliteratur, illustriert Gstättners Suada gegen die Überzahl an deutschem Lehrpersonal an den alpenländischen Germanistikinstituten, „was für die Identität des Landes und seiner Kultur und Literatur prekäre und immer dramatischere Folgen hat.“ Einen seiner Vorlesungstermine übertitelt der „Nestroy unserer Tage“ sogar in Anlehnung an Paul Celan: „Der Tod der österreichischen Literatur (ist ein Meister aus Deutschland)“. Unschwer zu erkennen sind verklausuliert, aber realitätsnah dargestellte Personen und Geschehnisse der heimischen Literaturwissenschaft – bis hin zu Todesfällen. 

Egyd Gstättner. Destroy Nestroy. Oder: Goodbye, Austria! Picus. 284 Seiten. 26 Euro
Egyd Gstättner. Destroy Nestroy. Oder: Goodbye, Austria! Picus. 284 Seiten. 26 Euro

Ein Schlüsselroman mit spitzer Feder? Vielleicht. Vor allem aber eine unterhaltsam-böse Bestandsaufnahme der akademischen Landschaft in Südösterreich und eine kenntnisreiche Verneigung vor der österreichischen Literatur. Einen Schuss Selbstironie gestattet sich Gstättner auch: „Die Kunstrichter kennen kein Erbarmen. Die Künstler kennen kein Erbarmen. Und ich kenne auch kein Erbarmen. Künstlerisch. Ich bin eitel, nachtragend, rachsüchtig, empfindsam, empfindlich, egomanisch und wer nicht für mich ist, ist gegen mich. Die Feder eine Kalaschnikow.“