Kinder mit Diabetes: Lösung für Vorzeigeprojekt mit bitterem Beigeschmack
Das steirische Vorzeigeprojekt „Diab Kids“ kann weitergeführt werden, allerdings sehen die Verantwortlichen nur eine „Teillösung“.
Seit Anfang des Jahres zitterte das steirische Vorzeigeprojekt „Diab Kids“ um die Finanzierung: Nun gibt es eine erste Lösung, die für die Verantwortlichen allerdings nur eine Teillösung darstellt. Doch von Anfang an: Im Rahmen von „Diab Kids“ begleiten Kinderkrankenpflegerinnen mit Spezialausbildung zur Diabetesberaterin Familien, deren Kind die Diagnose Diabetes Typ 1 erhalten hat.
Mit dieser Diagnose ist für eine Familie nämlich mit einem Schlag alles anders: Mahlzeiten müssen in Insulindosen umgerechnet werden, komplexe medizinische Geräte müssen von den Eltern bedient, Sensoren in die Haut gestochen und Katheter gewechselt werden. Mit der Begleitung zuhause schloss „Diab Kids“ die Lücke zwischen der Ersteinschulung im Krankenhaus und dem Alltag. Aber die Betreuung ging noch weiter, die mobilen Beraterinnen gingen auch in Schulen und Kindergärten, um das Netz um ein Kind mit Diabetes Typ 1 stark und sicher zu machen.
Seit Jänner wurde um Lösung gerungen
Sieben Jahre lief das Projekt bereits erfolgreich, doch für das Jahr 2026 fehlte plötzlich die Finanzierung und das österreichweite Vorzeigeprojekt stand vor dem Aus. Der Hintergrund: Bestehende Angebote sollten gebündelt und damit eine Versorgung für die ganze Steiermark gesichert werden, hieß es im Jänner aus dem Büro von Gesundheitslandesrat Karlheinz Kornhäusl.
Nun wurde auf Kornhäusls Initiative ein Kooperationsvertrag geschlossen, der das Projekt zumindest teilweise absichert: Das Hilfswerk Steiermark (MOKIDI, Mobiler KinderDienst) und der Verein MOKI Steiermark kooperieren und Kinder mit Diabetes Typ 1 können in allen steirischen Regionen im häuslichen Umfeld im Rahmen der medizinischen Hauskrankenpflege betreut werden. Die Finanzierung dieser Leistungen erfolgt durch das Gesundheitsressort des Landes Steiermark und die Gemeinden. Die Familien leisten einen sozial gestaffelten Selbstkostenbeitrag. Das Pflegereferat rechnet mit Gesamtkosten von rund 40.000 Euro für das nächste Jahr.
Keine Schulungen mehr in Schulen und Kindergärten
Für die Projektverantwortlichen Elke Fröhlich-Reiterer (LKH-Uniklinik für Kinder- und Jugendheilkunde Graz) und Elisabeth Renner, Geschäftsführerin von MOKI Steiermark, ist es einerseits erfreulich, dass nun die Möglichkeit geschaffen wurde, die Hausbesuche wieder anzubieten. Gleichzeitig sehen die Verantwortlichen aber lediglich eine „Teillösung“, denn: Ein wesentlicher Bestandteil von „Diab Kids“ waren die Schulungen von Pädagogen und Betreuungspersonen direkt in Kindergärten und Schulen.
„Gerade jetzt zu Beginn des neuen Schul- und Kindergartenjahres zeigt sich, wie groß dieser Bedarf ist: Bereits 42 Schulungsanfragen wurden in den letzten beiden Monaten an uns herangetragen, für diese besteht derzeit keine Finanzierung“, sagt Elisabeth Renner. Dabei wäre es so wichtig, betont Diabetes-Expertin Fröhlich-Reiterer, dass „auch jene Menschen Sicherheit im Umgang mit Diabetes erhalten, die betroffene Kinder täglich in Kindergarten und Schule begleiten.“
Im Büro des Gesundheitslandesrates erklärt man dazu, dass Kindergärten und Schulen in die Zuständigkeit des Bildungsressorts von Landesrat Stefan Hermann fallen und man hier keine Zuständigkeit habe. Auch der Selbstbehalt, der für Hausbesuche von den Familien zu leisten ist, könne für sozial schwächere Familien eine Belastung sein. Für die Projektverantwortlichen bleibt also ein bitterer Beigeschmack: „Die aktuelle Kooperation ist ein wichtiger Schritt, kann eine nachhaltige Gesamtlösung aber noch nicht ersetzen“, betonen sie.