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Jüdisches Kulturzentrum in Graz wurde feierlich eröffnet

Benannt nach Dirigent Milton Weber, der mit Frau und Kind vor den Nazis fliehen musste, eröffnete Elie Rosen mit viel Polit-Prominenz das Kulturzentrum.

Durchgeschnitten: Landesrat Karlheinz Kornhäusl, Alt-Landeshauptmann Christopher Drexler, der Präsident der Israelitischen Kultusgemeinde Elie Rosen, Landeshauptmann Mario Kunasek, Bürgermeisterin Elke Kahr und Landesrat Hannes Amesbauer
© Petra Mitteregger
Durchgeschnitten: Landesrat Karlheinz Kornhäusl, Alt-Landeshauptmann Christopher Drexler, der Präsident der Israelitischen Kultusgemeinde Elie Rosen, Landeshauptmann Mario Kunasek, Bürgermeisterin Elke Kahr und Landesrat Hannes Amesbauer
Gerald Winter-Pölsler
Stv. Leiter Steiermark-Ressort

Die Finanzierung hat lange gewackelt, aber letztlich wurden im Vorjahr in Stadt und Land die entsprechenden Beschlüsse gefasst. Am Donnerstagabend konnte nun das Milton-Weber-Kulturzentrum der Jüdischen Gemeinde in Graz eröffnet werden. „Es soll sichtbar und selbstverständlich sein – und es soll seinen Platz mitten in unserer Gesellschaft haben“, bringt es Landeshauptmann Mario Kunasek (FPÖ) auf den Punkt.

Der Präsident der Israelitischen Kultusgemeinde, Elie Rosen, hat sich jahrelang für das Kulturzentrum eingesetzt. Seit 2021 wurde das Zentrum geplant, es war damals die Antwort auf einen Anschlag auf die Synagoge. Das Projekt wurde mit der Zeit teurer – durch die Explosion der Bau- und Energiekosten 2022 und danach – und stand daher mehrmals an der Kippe. Aber die Hartnäckigkeit Rosens sorgte dafür, dass nun die feierliche Eröffnung gefeiert werden konnte.

Das neue Milton-Weber-Kulturzentrum bei der Grazer Synagoge (Fassade Nordseite)
© Israelitische Kultusgemeinde/Sandra Zöhrer
Das neue Milton-Weber-Kulturzentrum bei der Grazer Synagoge (Fassade Nordseite)

Neben den jüdischen Museen in Wien und Hohenems ist das Kulturzentrum einer der wenigen Orte für jüdische Kultur und gesellschaftspolitische Auseinandersetzung in Österreich. Im Lichte der Zielsetzungen der Einrichtung forderte der Präsident der Israelitischen Kultusgemeinde für die Bundesländer Salzburg, Steiermark und Kärnten, Elie Rosen, eine Rückkehr zum offenen politischen Diskurs und kritisierte die Dämonisierung politischer Gegner in Österreich und Deutschland.

Den Programmauftakt bilden unter anderem zwei Ausstellungen des französischen Photographen Ouriel Morgensztern. „Eine Reise um die Welt“ zeigt anhand von 2015 und 2025 entstandenen Fotos den Zustand des Lebens jüdischer Gemeinden in Städten mit wiederaufgebauten oder fast ganz verschwundenen jüdischen Gemeinden. „Israel at home“ präsentiert die Architektur der Städte Tel Aviv und Jerusalem und dokumentiert die Vielfalt des Lebens in Israel sowie sein kulturelles und religiöses Erbe.

Der Geiger und Dirigent Franklin Milton Weber wurde 1910 in Graz geboren und verstarb 1968 in Illinois
© IKG für Salzburg, Steiermark und Graz
Der Geiger und Dirigent Franklin Milton Weber wurde 1910 in Graz geboren und verstarb 1968 in Illinois

Jüdisches Kulturzentrum ist nach Milton Weber benannt

Das Zentrum ist nach Milton Weber benannt. Der Dirigent und Geiger wurde 1910 in Graz geboren, heiratete später eine Jüdin und trat zum jüdischen Glauben über. In der Nazi-Zeit wurden seine Familie und er verfolgt. Weber arbeitete in der Auswanderungsabteilung der Kultusgemeinde und machte aus seiner antinazistischen Haltung kein Hehl. Auf der Flucht wurde die Familie getrennt und fand erst nach dem Krieg 1945 in den USA wieder zueinander.

Milton Weber starb 1968 in den USA. „Sein Lebensweg steht für künstlerische Begabung, Zivilcourage und menschliche Anständigkeit“, streicht man bei der Jüdischen Gemeinde hervor. „Er war ein Musiker, der Verfolgung, Flucht und Verlust erfahren musste und der dennoch nicht verbitterte, sondern in der Musik eine Kraft der Bildung, der Freiheit und der Gemeinschaft sah.“

„Besonders wichtig ist mir, dass dieses Haus nicht nur an die Geschichte erinnert, sondern Raum für Kunst, Begegnung und Austausch in der Gegenwart schafft“, sagt Kulturlandesrat Karlheinz Kornhäusl (ÖVP).

Das Zentrum hat 1,9 Millionen Euro gekostet, das Land stemmt davon 1,25 Millionen, von der Stadt kommen 650.000 Euro.