Prominentes Kärntner Paar ist seit 65 Jahren verheiratet
Der ehemalige Bürgermeister von Maria Wörth, Nikolaus Lanner und seine unternehmerische Frau Martha feierten „eiserne Hochzeit“. Er spricht über spannende Jahre in der Landespolitik.

Sie sitzen entspannt im Frühstückszimmer der ehemaligen Pension in Reifnitz. So entspannt, wie man nach 65 gemeinsamen, glücklichen Jahren nur sein kann. Vor wenigen Tagen feierten Martha (89) und Nikolaus Lanner (94) ihre eiserne Hochzeit. Das Erfolgsrezept verrät Martha Lanner: „Wir haben immer alles gemeinsam gemacht und gemeinsam erarbeitet.“ Wie es ist, mit einem „homo politicus“ verheiratet zu sein? „Ich war immer an seiner Seite, habe mich aber meist im Hintergrund gehalten, die Politik war nicht so meins.“ Ihr Mann ergänzt: „Sie hat mir immer den Rücken frei gehalten und mich unterstützt.“
Kennen gelernt haben sich der Bauernsohn aus Obergail im Lesachtal und die Kaufmannstochter Martha aus Kötschach bei einer Fahrt nach Südtirol. 1961 feierten sie Hochzeit in der Kirche von Maria Wörth, wo Nikolaus ab dem Jahr 1970 ganze 27 Jahre als Bürgermeister tätig sein sollte.
Nikolaus Lanner ist heute der älteste, noch lebende ÖVP-Politiker Kärntens und blickt auf ein reiches und erfülltes (politisches) Leben zurück. Seine Karriere in Kürze: Ab 1969 Direktor des Bauernbundes (gleichzeitig mit der nachgeholten Matura), 1970 Wahl zum Bürgermeister von Maria Wörth, 1982 Wahl zum Bundesrat. Von 1983 bis 1995 Abgeordneter zum Kärntner Landtag und ÖVP-Klubobmann. Von 1998 bis 2016 Vorstandsvorsitzender des Europahauses in Klagenfurt.
Erste Budgetrede im Landtag
Die Redegewandtheit wurde dem Bauernbuben quasi in die Wiege gelegt. Auf die erste Budgetrede im Landtag, die er am Bergbauernhof im Lesachtal formuliert hat, ist er heute noch stolz: „Sie hat eine gute Stunde gedauert.“ Seine Mutter, die sie im Radio mitverfolgt hat, meinte irgendwann genervt: „Ja hört denn der Bua gar nimma auf.“ „Wortgewaltiger Lanner“ hat er im Landtag geheißen.
Er lobt die Handschlagqualität in der Politik, die man heute vielerorts vermisst. „Was ausgemacht war, hat felsenfest gehalten.“ Das Meiste konnte er jedoch als Bürgermeister bewegen. „Man ist nahe an den Menschen und sieht die Erfolge hautnah.“ Sein größter Erfolg war der Bau der Ringkanalisation am Wörthersee, als ein unappetitlicher roter Algenteppich den See zu ersticken drohte. Man war nahe daran, die Bucht von Maria Wörth für Badende zu sperren. „Der Obmann des Wasserverbandes, Bürgermeister Hans Außerwinkler, hat mich nach Norwegen geschickt, um ein neues Kanalsystem zu studieren. Das haben wir dann eins zu eins übernommen“, erzählt er. Noch heute gilt die Ringkanalisation als Meilenstein für saubere Gewässer in Österreich.

Er bezeichnet sich als „glühender Europäer“, dem ganz wichtig ist, dass die jungen Leute die Vorteile der Europäischen Union erkennen und appellierte an den Zusammenhalt aller europäischen Länder. „Wir sind als Europahaus damals in die Schulen gegangen und haben den Europagedanken gepredigt.“ Dass er so interessante Menschen wie drei Päpste, Margret Thatcher oder Helmuth Kohl kennenlernen durfte, erfüllt ihn mit Dankbarkeit.
Zitherspiel für die Seele
Martha war indes keineswegs untätig. Sie hat drei Kinder zu erfolgreichen Menschen erzogen und mit großer Freude eine Frühstückspension geführt. „Eine harte Zeit. In der Nacht hab ich die Wäsche gebügelt und am Tag die Gäste versorgt. Aber ich hab das alles liebend gerne gemacht.“ Mit 47 Jahren hat sich die elegante Dame, der man keine 80 Jahre gibt, das Zitherspiel beigebracht. Sie spielt noch immer fast jeden Tag. „Das ist etwas für meine Seele“, gibt sie zu.
„Dankbar rückwärts, gläubig aufwärts und mutig vorwärts“, das war und ist die Devise der Beiden für viele weitere gemeinsame Jahre.