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Goldene Nica für polarisierendes Gaza-Projekt

In Linz sind Donnerstagabend im Design Center die Hauptpreise des Prix Ars Electronica, die Goldenen Nicas, vergeben worden. Als Siegerarbeiten wurden eine Recherche zum Vorgehen Israels im Gaza-Streifen, ein Projekt zur Restitution von afrikanischem Kulturgut und eine Videoarbeit, die Männlichkeitsmythen reflektiert, prämiert. Das Ars Electronica Festival, das heuer unter dem Titel "Negotiating Humanity" steht, dauert noch bis Sonntag.

LINZ - ÖSTERREICH: FOTO: APA/Ars Electronica / Martin Hieslmair
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LINZ - ÖSTERREICH: FOTO: APA/Ars Electronica / Martin Hieslmair

Insgesamt waren 4.329 Projekte aus 106 Ländern eingereicht worden. In der Kategorie "interactive art+" vergab die Jury die Goldene Nica an eine polarisierende Arbeit des Recherchekollektivs Forensic Architecture: "A Cartography of Genocide: Israel's Conduct in Gaza Since October 2023", das aus Open-Source-Material eine Art interaktive Karte mit den Handlungen Israels in Gaza erstellt hat, fließt auch in das Völkermord-Verfahren, das Südafrika gegen Israel vor dem Internationalen Gerichtshof (IGH) führt, ein.

Die Arbeit polarisiert. Landeshauptmann Thomas Stelzer (ÖVP) blieb der Preisverleihung aufgrund dessen heuer fern, die Sicherheitsvorkehrungen bei der Ausstellung im Lentos, wo die Siegerarbeiten zu sehen sind, wurden sichtbar verstärkt. Die Ars Electronica verwies allerdings darauf, dass es die Entscheidung einer unabhängigen Jury sei. Die Überreichung der Nica erfolgte schließlich durch drei Jurymitglieder an den israelischen Gründer von Forensic Architecture, Eyal Weizman. Dieser nahm Bezug auf Stelzers Fernbleiben sowie die Rezeption seiner Arbeit in Österreich und betonte, dass es ihm ein Anliegen sei, diesen Preis in Österreich entgegenzunehmen.

Die Linzer Kulturstadträtin Doris Lang Mayerhofer (ÖVP) überreichte die Goldene Nica in der Kategorie New Animation Art. Sie geht an "Deer Hunter" des US-Amerikaners Andrew Herzog. Er vermischt alte, private Videos seiner Familie mit Material der US-amerikanischen Waffen-Lobby National Rifle Association. Dann lässt er einen KI-generierten Hirsch durch diese Filme wandern. In dem Video verknüpft er die persönliche Erinnerung seiner vor dem Faschismus aus Italien geflohenen Familie mit heutigen Bewegungen in den USA und reflektiert Mythen der Männlichkeit und des Nationalismus.

Die Goldene Nica in der Kategorie Digital Humanity ging an das schwedisch-sambische Projekt "Shared Histories". Das Team dahinter befasst sich mit Möglichkeiten der Restitution jener zigtausenden Artefakte aus Afrika, die in den Depots westlicher Museen lagern, und stellt die Frage, wie man diese Kulturgüter digital zugänglich machen kann. In Ausstellungsvitrinen sind statt Trommeln oder Masken QR-Codes ausgestellt. Mit ihnen kann man sich den Ausstellungsstücken respektvoll nähern. Übergeben wurde der Preis von Regina Rusz, Sektionschefin im Außenministerium, und der oberösterreichischen Kulturdirektorin Margot Nazzal.

Im Jugendwettbewerb U19-create your world nahm Jannis Berner die Trophäe aus den Händen des Linzer Bürgermeisters Dietmar Prammer (SPÖ) entgegen. Der junge Österreicher experimentiert anhand des Bildes von einem Schulsessel mit verschiedenen Ebenen und Oberflächen, übersetzt digitale Logik in analoge Wahrnehmung. Seine Arbeit "Reverse Rendering" war der Jury die Goldene Nica in der Jugendkategorie wert.

Überreicht wurden auch die elften und letzten S+T+ARTS Prizes der Europäischen Kommission. Sie gingen an die beiden Deutschen Agnes Meyer-Brandis für ihr langfristiges interdisziplinäres Kunst- und Forschungsprojekt "Office for Tree Migration" (OTM), das sich mit der Bewegung von Bäumen befasst, und Hito Steyerl für ihre Videoinstallation "Mechanical Kurds". Diese begleitet Flüchtlinge, die Künstliche Intelligenz (KI) trainieren.

(S E R V I C E - http://ars.electronica.art )