Schneiderin über Tracht: Auch Junge wollen oft lieber Einzelstücke
Der Trachtentrend ist ungebrochen, doch längst nicht alle gehen zum Diskonter. Vor allem unter jüngeren Damen beobachtet Schneidermeisterin Dominique Mayerhofer ein Umdenken.

Nach dem Altausseer Kirtag ist vor dem Aufsteirern-Festival, das am 19. und 20. September in Graz über die Bühne geht. Zeitlich und geografisch liegen auch sonst im ganzen Land unzählige „Festln“ dazwischen und sorgen dafür, dass der Trend zur Tracht auch diesen Herbst anhält.
Trotz Spardruck und Teuerung hat der Handelsverband im Vorjahr bei seinem „Consumer-Check“ festgestellt, dass im Zuge der diversen Oktoberfeste rund 200 Millionen Euro in Österreich ausgegeben werden.
Steiermark und Kärnten an der Spitze
Auch jetzt sind Lederhose und Dirndl samt allen dazugehörigen Accessoires wieder Top-Seller. Die Steiermark und Kärnten führen das Pro-Kopf-Ranking mit 263 Euro übrigens an.
Dabei ist die „Diskonter-Tracht“ nicht immer erste Wahl. Zumindest wenn man sich in der Fachwelt umhört, wo man für ein Dirndl durchaus 800 bis 1000 Euro hinlegt.
Trend zur Individualisierung
Diese Beobachtung hat jedenfalls Dominique Mayerhofer gemacht, die kürzlich in Neuberg an der Mürz eine neue Schneiderei eröffnet hat. Die Jungunternehmerin ist in der Werkstatt bei ihrer Mutter, ebenfalls einer Schneidermeisterin, groß geworden.
„Für mich kam nie was anderes infrage“, erzählt die Damenkleidermacherin, wie ihre Berufsbezeichnung ganz korrekt heißt. Spezialisiert hat sie sich dann auf Tracht. „Weil es immer mehr wird“, sagt sie und verweist darauf, dass der Trend in Richtung Individualisierung geht.

„Das ist auch bei vielen jungen Damen schon so, die haben lieber Einzelstücke, die so nur sie haben“, erzählt sie aus ihrer täglichen Praxis. Dabei wird offenbar auch die höhere Qualität geschätzt.
„Ich mache nach wie vor ganz viel in Handarbeit“, sagt sie und erklärt, dass die Röcke nicht in Falten gelegt, sondern eben gezogen bzw. handgereiht werden. Auch die Knopflöcher werden mit der Hand genäht.
Beratungsintensiv
Viel Arbeit passiert auch schon vor dem eigentlichen Schneidern: Umfassende Typberatung, Stoffe aussuchen. „Man kann nie eine Schablone drüberlegen“, erklärt sie ihren Job.
Ihre Schneiderei im Münster Neuberg „Aus Liebe zur Tracht“ hat die Mittdreißigerin selbst renoviert und aufgebaut. Den ursprünglichen Standort im niederösterreichischen St. Aegyd am Neuwalde führt ihre Mutter weiter.