Massagen und Co: Mysteriöse Chinareise der Klagenfurter Politik
Eine Delegation der Stadt Klagenfurt wollte nach China reisen. Am Programm: Massagen, eine Eliteschule und KI für Gastronomie und Autoreinigung. Auch der Verfassungsschutz spielt eine Rolle.

Massagen, die Besichtigung einer Eliteschule und eine Messe, um sich über KI in der Gastronomie und Autoreinigungssysteme zu informieren: Das war der Reiseplan einer offiziellen Delegation der Stadt Klagenfurt für ihren Besuch in Nanning. Doch vor wenigen Tagen wurde der Trip überraschend abgesagt. Geblieben sind Unterlagen – und einige Fragen.
Seit 25 Jahren verbindet die Landeshauptstadt eine Städtepartnerschaft mit der chinesischen Millionenmetropole. Um die Beziehungen zu vertiefen, wollten sich Vizebürgermeister Patrick Jonke (FSP) als Delegationsleiter, Stadträtin Sandra Wassermann (FPÖ), eine Magistratsmitarbeiterin sowie eine fünfköpfige „Wirtschafts- und Standortdelegation“ nächste Woche auf den Weg nach China machen. Die Stadt Klagenfurt hätte die Flugkosten von rund 800 Euro pro Person übernommen, den Rest Nanning.

Akupunktur und Autowäsche
Der Reiseplan, der der Kleinen Zeitung vorliegt, liest sich über weite Strecken ungewöhnlich bis skurril. Nach der Ankunft waren traditionelle chinesische Medizin, Massagen und Akupunktur vorgesehen. Es folgten ein Streetfoodfestival, die Besichtigung einer Eliteschule, ein Fototermin mit Delegationen anderer Partnerstädte oder der Besuch der „schönsten Stadt Chinas“. Zudem stand ein Tag auf der Wirtschafts- und Handelsmesse in Nanning auf dem Programm.
Beim Rundgang wird es persönlich: Für Wassermann sind als Interessen KI und Mobilität im Reiseplan vermerkt – Themen, die zu ihrer Zuständigkeit als Verkehrsreferentin passen. Jonke wiederum soll sich für KI-Anwendungen in der Gastronomie, Autoreinigungssysteme und Lichtkonzepte interessieren. Er betreibt privat die „Bar Italia“ und mit „Carlovers“ eine Autowaschanlage, ist politisch jedoch für die Themen Wohnen und Umwelt zuständig.
„Die entstandene Darstellung, bei der Reise wäre es mir um Wohlfühlprogramme gegangen, weise ich zurück. An solchen Programmpunkten hätte ich nicht teilgenommen“, sagt Jonke. Auch die genannten Interessen seien nicht von ihm vorgegeben worden. Nanning habe sich über seine zivilberuflichen Tätigkeiten informiert und diese in die Agenda aufgenommen. Die Absage habe letztlich er verfügt – weil es angesichts der kurzen Vorbereitungszeit nicht möglich gewesen sei, Vertreter der Klagenfurter Wirtschaft einzubinden.
„Friedliche Wiedervereinigung Chinas“
Im Rathaus kursiert eine andere Version. Leitende Mitarbeiter sollen die Politik eindringlich vor der Reise mitten im Vorwahlkampf gewarnt haben. Wassermann wiederum hat den Eindruck, dass die Absage vom Bürgermeister ausgegangen sei. Kurios: Auch sie betreibt einen Gastronomiebetrieb, dennoch hat Nanning ihren Hintergrund offenbar nicht in gleicher Weise recherchiert. „Ich habe unserer Mitarbeiterin meine Interessen gesagt. Als sie das Programm ausgeschickt hat, habe ich mich gewundert, dass sich Patrick Jonke nur für private Themen interessiert“, sagt sie.
Brisant ist auch die Frage, wer die Reise organisiert hat. In den städtischen Unterlagen wird eine Kontaktperson vom Verein „Gesellschaft zur Förderung der Friedlichen Wiedervereinigung Chinas“ genannt, die über ein Reisebüro in Nanning verfügen soll. Recherchen der Tageszeitung „Der Standard“ ordnen den Verein als „staatliche Vorfeldorganisation“ und „gelenkten Propagandaeinheit“ einem chinesischen Dachverband zu, der dem United Front Work Department (UFWD) untersteht. Dessen Aufgaben reichen laut Verfassungsschutzbericht 2025 von der Imagepflege der chinesischen Regierung über die Kooptierung westlicher Eliten bis zur umfassenden Überwachung der chinesischen Diaspora. Die Stadt Klagenfurt zeigt sich davon unbeeindruckt. Der Kontakt nach Nanning laufe seit Jahren „zur vollsten Zufriedenheit“ über dieselbe Person, heißt es.