Houthis rücken Richtung Meerenge Bab al-Mandab vor
Die vom Iran unterstützte Houthi-Miliz hat jemenitischen Regierungskreisen zufolge die Stadt Mocha am Roten Meer eingenommen. Damit kommt die radikalislamische Gruppe der strategisch wichtigen Meerenge Bab al-Mandab näher. Es handelt sich um eine der weltweit wichtigsten Schifffahrtsrouten für Rohöl und andere Güter. Regierungstruppen und ihre Verbündeten haben sich nach Angaben aus Kreisen des Militärs aus dem Gebiet bei Hais nördlich von Mocha zurückgezogen.

Eine Blockade des Nadelöhrs würde Golfstaaten sowie Saudi-Arabien von ihren wichtigsten Handelswegen abschneiden, nachdem der Iran bereits die Straße von Hormuz als wichtigste Seeroute zwischen Asien und Europa im Zuge des Kriegs mit den USA faktisch geschlossen hat.
Im Jemen kämpfen die vom Iran unterstützten Houthis gegen die Regierung, die von Saudi-Arabien unterstützt wird. Seit 2022 herrschte eine inoffizielle Waffenruhe. Im Zuge des Iran-Kriegs ist aber auch der Konflikt im Jemen erneut aufgeflammt. Die aktuellen Kämpfe sind die schwersten Gefechte seit Jahren.
Die saudi-arabische Armee griff nach Houthi-Angaben dutzende Ziele im Jemen an. Die Luftwaffe des "Feindes" habe in den vergangenen Stunden "etwa 40 Angriffe" in den Provinzen Taiz, Al-Hodeida, Al-Jawf und Marib ausgeführt, meldete die den Houthis nahestehende Nachrichtenagentur SABA am Donnerstag. Zuvor hatten die Houthis Ziele in Saudi-Arabien angegriffen.
Tarik Saleh, Anführer der Nationalen Widerstandskräfte, rief alle regierungstreuen Kräfte dazu auf, sich "neu zu formieren". Es seien Anweisungen ergangen, in Abstimmung mit der von Saudi-Arabien angeführten Koalition zur Unterstützung der Regierung ein "alternatives Kommandozentrum an einem sicheren Ort zur Neuformierung der Truppen" einzurichten.
Die Miliz hatte nach saudisch angeführten Angriffen im Juli eine Blockade der Schifffahrt für Saudi-Arabien verkündet. Seitdem griffen die Houthi mehrere Schiffe an, zwangen weitere Schiffe in der Region zu Kursänderungen und griffen auch den Süden des Nachbarlands Saudi-Arabien wieder mit Raketen und Drohnen an. Die von Saudi-Arabien geführte Militärkoalition fliegt seitdem immer wieder Luftangriffe gegen Stellungen der Houthi.
Pakistan forderte den Iran nach Angaben aus Sicherheitskreisen in Islamabad angesichts der eskalierenden Kämpfe im Jemen indes mehrfach auf, die mit Teheran verbündeten Houthi zu zügeln. Bei einem kürzlichen Besuch des pakistanischen Armeechefs Asim Munir in Teheran habe dieser etwa eine Warnung an den Iran ausgesprochen, erfuhr die Deutsche Presse-Agentur aus pakistanischen Geheimdienstkreisen.
"Ihr bekommt es mit uns zu tun", habe Munir die Führung in Teheran gewarnt, sollten die Houthi-Rebellen tatsächlich Pläne zur Störung der Schifffahrt im Roten Meer wahr machen.
Saudi-Arabien und Pakistan stehen gemeinsam in zwei Militärbündnissen. Es sei unwahrscheinlich, dass die in Saudi-Arabien stationierte pakistanische Luftwaffe direkt in den Konflikt eingreife, hieß es aus den Geheimdienstkreisen. Aber eigene in Saudi-Arabien stationierte Luftverteidigungssysteme könnten gegen Houthi-Angriffe eingesetzt werden.
Einschätzungen der Jemen-Expertin Nadwa Dausari zufolge, versucht der Iran die mit Teheran verbündeten Houthi-Rebellen im Jemen ähnlich wie die Hisbollah im Libanon als Verhandlungsmasse einzusetzen. Die Houthis könnten zugleich für den Iran ein strategisches Instrument bleiben, um seinen regionalen Einfluss auszuweiten und künftig Macht in der Region zu projizieren.