Wie erlebten Osttirols Viehbauern den Almsommer?
Tiere wurden in Osttirol auf ihre Heimweiden getrieben. Der Almsommer ist zu Ende. Die erste Versteigerung war nicht so „katastrophal“ wie erwartet. Futtermangel treibt keinen erhöhten Viehabsatz an.
Kürzlich fand der Almabtrieb in den Osttiroler Tälern statt: Zu Hunderten wurde das Vieh auf die Heimweiden getrieben. Der Almsommer war durchschnittlich – doch nirgends im Bezirk wurde auffallend vorzeitig abgetrieben. Obwohl manche Bauern berichten, dass ihnen doch an die drei Almwochen fehlen – einmal wegen Wassermangel im Juni und dann, weil die Almweiden nach der ersten Septemberwoche nichts mehr hergaben.
Knapp eine Woche vor dem traditionellen Almabtrieb, gab es am 1. September die erste Herbstversteigerung. „Diese ist eine Benchmark für die zukünftige Entwicklung“, sagt Martin Diemling, Leiter der Bezirkslandwirtschaftskammer Lienz. Der Absatz von Schlachtvieh war nicht berauschend. Aber Diemling stellt fest: „Die Versteigerung war nicht so katastrophal wie erwartet.“ Es habe mehr Vieh zum Ersten, zum Zweiten und zum Dritten den Besitzer gewechselt. Das sei laut dem Kammer-Chef aber auch dem Umstand geschuldet, dass es in Lienz eine größere Betriebsauflösung gegeben habe. Futtermangel, wie er durch den trockenen Sommer proklamiert worden ist, habe nicht zu höheren Auftriebszahlen geführt.

„Eine wilde Katastrophe sieht anders aus“
Christoph Peintner, bei der Raiffeisengenossenschaft Osttirol (RGO) Spartenleiter der Abteilung Vieh und Tierzucht, reagiert ungehalten: „Den Futtermangel gibt es nur in der Zeitung.“ Deswegen würden die Bauern nicht mehr Vieh hergeben, schlägt er in dieselbe Kerbe wie Diemling. „Etliche Bauern reduzieren ihren Viehbestand auf ein Normalmaß“, betont Peintner. Er stellt aber nicht in Abrede, dass bei der Oktober-Versteigerung mehr Vieh in den Versteigerungsring geführt werden wird.
Diemling sieht die Lage betreffend Futtermangel etwas anders. Er informiert, dass es in ganz Mitteleuropa eine schlechte Futtersituation gibt. Und auch Martin Mayerl, Obmann der Bezirkslandwirtschaftskammer Lienz, teilt die Ansicht von Peintner nicht. Er wirft ein, dass es bei schattseitig gelegenen Grünfutterflächen und guten Böden bei Futter nicht so weit fehle. „Aber in sonnseitigen Hanglagen gibt es bis zu 50 Prozent Futterverluste“, lässt er wissen. Dazu sei der Silomais durchschnittlich gut gewachsen. „Aber 20 Prozent Einbußen beim Futter sind für die Bauern verkraftbar.“ Mayerl führt zudem an, dass die Versteigerungspreise rückläufig seien. Summa summarum stellt er aber fest: „Eine wilde Katastrophe sieht anders aus.“
Den Futtermangel gibt es nur in der Zeitung.
— Christoph Peintner, Spartenleiter der Abteilung Vieh und Tierzucht bei der Raiffeisengenossenschaft Osttirol (RGO)
Merkbare Teuerungen
Diemling beschreibt die Stimmung unter den Bauern als pragmatisch-phlegmatisch: „Es gibt bezogen auf die Dürre im heurigen Sommer nicht die Weltuntergangsstimmung wie vor 15 Jahren. Es wird heuer nicht mehr gejammert als sonst.“ Er bewertet den Futterkauf als problematisch, weil es in Mitteleuropa wenig davon gibt. Diemling: „Die Iseltaler Bauern, die das Gros der Viehzüchter ausmachen, haben traditionelle Lieferanten. Die werden sich da leichter tun.“ Und er lässt mit den Preisen aufhorchen – Futter sei 30 bis 40 Prozent teurer geworden.
Aus dem benachbarten Pinzgau hört man, dass in Sachen Futtermittel Betrüger unterwegs sind. Der Obmann der dortigen Bezirksbauernkammer, Klaus Vitzthum klagt in einem Interview, dass Bauern auf Fake-Verkäufe hereingefallen sind. So hätten sie Anzahlungen für Futterkäufe geleistet. Danach seien angegebenen Telefonnummern nicht mehr gültig gewesen. Dazu sagt Diemling, dass er von auswärtigen Fake-Verkäufen wisse: „Bei uns ist das aber noch nicht angekommen, aber es wird auch in Osttirol nicht ausbleiben.“