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Aus London ins Gailtal: Ein Holzhaus im Wald bei Hermagor

Ein Ehepaar mit vier Kindern gibt seinen Wohnsitz im Raum London auf, wünscht sich ein Holzhaus im Wald und baut es schließlich im Kärntner Gailtal.

Das Holzhaus am Hang wird zur neuen Heimat der Familie
© www.christianbrandstaetter.com
Das Holzhaus am Hang wird zur neuen Heimat der Familie
Christian Brandstätter

Kriszta und Greg sind Europäer. Sie haben ungarische, aber auch österreichische Wurzeln, lebten und arbeiteten in Deutschland, Frankreich, zuletzt 14 Jahre in London. Die vier Kinder werden erwachsen, studieren an verschiedenen europäischen Universitäten. Der Brexit macht das Leben kompliziert, der Wunsch reift, auf den Kontinent zurückzukehren. Eventuell Portugal? Nein, ganz zentral in Europa soll der neue Lebensort sein, die vier über ganz Europa verstreuten Kinder sollten es gleich weit haben nach Hause. Und ein kleiner See in der Nähe wäre noch schön und Berge mit einem Skigebiet.

Also wird Hermagor im Gailtal zentraleuropäischer Kreuzungspunkt aller familiären Wege. Ein Grundstück am Waldrand ist bald gefunden, auch eine Architektin, zu der man Vertrauen haben kann und die für nachhaltige Architektur steht. Kriszta und Greg reisen nur einmal an, um das Grundstück zu besichtigen und den Bauvertrag mit Architektin Janina Metz zu unterschreiben. Sie werden erst wieder kommen, wenn sie ins Haus einziehen. Die Kommunikation in der gesamten Bauphase wird online und auf Englisch stattfinden.

Nachhaltige Architektur am steilen Hang

Die Vorgaben der Bauherren: ein ökologisches Holzhaus zwischen Bäumen, so wenig Eingriffe in die Natur wie möglich, flexible Raumaufteilung, mit Platz für den Besuch der Kinder. Anfangs verbringt die Architektin viele Monate mit Bürokratie, Wegerechten, Baubehörde, geologischen Gutachten. Das steile Grundstück selbst ist ebenfalls anspruchsvoll. Von der Gemeindestraße zieht sich ein Waldweg über das Grundstück den Hang hinauf, wendet sich auf der einzigen halbwegs flachen Stelle nach Osten und verschwindet im Wald.

Um diese Kurve herum wird nun das Haus gebaut. Der ehemalige Weg geht jetzt sinnbildlich durchs Erdgeschoß, vorbei an den Gäste- und Kinderzimmern, vorbei an Brennholzaufzug und Wäscheabwurf hinauf ins Obergeschoß zu den großzügigen Gemeinschaftsräumen, Essbereichen, zur Küche. Eine Abzweigung nach links erschließt den Privatbereich der Eltern, der Weg verlässt das Haus über die Nordostterrasse in den Wald.

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Möglichst wenig Bodenversiegelung: Bodenplatte aus Stahlbeton nur rund 60 Quadratmeter
Möglichst wenig Bodenversiegelung: Bodenplatte aus Stahlbeton nur rund 60 Quadratmeter © www.christianbrandstaetter.com

Kompakte Architektur mit Blick in den Wald

„Das Haus ist so kompakt wie möglich und öffnet sich mit großen Fenstern und Terrassen nach Süden und Osten, und verschließt sich etwas zur eng angrenzenden Nachbarschaft im Westen. Auch klimatisch ist diese Orientierung für die Zukunft sinnvoll: eine Terrasse im Westen, von der Nachmittagssonne aufgeheizt, würde wenig genutzt werden“, erklärt Metz.

Um den Wald bei den Bauarbeiten zu schonen, hat die Bodenplatte aus Stahlbeton nur rund 60 Quadratmeter, dazu einige Punktfundamente. „Die ursprüngliche Idee, auf Schraubfundamenten zu bauen, musste ich aufgrund der geologischen Gegebenheiten verwerfen“, sagt Metz. Die Wände bestehen aus Brettsperrholzplatten, auch die statisch erforderlichen Stützen sind aus Holz. Mit Holzbau Pichler konnte auch ein regionaler Zimmerer gefunden werden, der das Konzept mit bester handwerklicher Qualität umsetzen konnte. Mit regionalen Handwerkern zu arbeiten, auch das ein Wunsch von Bauherrin Kriszta.

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Das Haus besteht innen wie außen zu einem großen Teil aus Holz
Das Haus besteht innen wie außen zu einem großen Teil aus Holz © www.christianbrandstaetter.com

Ein neues Leben mitten in der Natur

Es gibt also viele Holzoberflächen zu sehen und zu spüren, nichts ist kaschiert, jedes Material darf zeigen, was es ist. Auch der Estrich wurde als Boden belassen, auf Wunsch der Bauherren in kontrastierendem Schwarz. Wärme im Winter und Kälte im Sommer liefert eine Luftwärmepumpe, energetisch versorgt von einer PV-Anlage. Diese Kombination erweist sich immer mehr als Goldstandard im zeitgemäßen Wohnbau.

Kriszta und Greg haben jetzt nur mehr eine Sorge: Wie wird es ihnen gelingen, den Gailtaler Dialekt zu erlernen und sich im Ort einzuleben? Entsteht ein Heimatgefühl, hier im zentralen Kreuzungspunkt Europas? Mila, ihre hellgraue Hündin, muss sich auch erst ans Landleben gewöhnen. Sie hat sich schon beim ersten Besuch bei einem Weidezaun elektrisiert und will das Haus nur mehr Richtung Wald verlassen. Geradewegs von dort kam aber, von den Zimmerern beobachtet, ein Wolf, der über die Baustelle spazierte. Naturnahes Wohnen ist hier garantiert.

Die Architektin

Janina Metz studierte Architektur an der Hochschule Darmstadt (Diplom 2011). Sie sammelte Berufserfahrung in mehreren Büros und ist seit 2014 Mitglied der Architektenkammer Hessen, nun auch der Ziviltechnikerkammer für Steiermark und Kärnten. Nach der Übersiedelung ins kärntnerische Gailtal gründete sie 2024 das Büro JM.Architektur.

Architektin Janina Metz
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Architektin Janina Metz