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Vom Schiff aufs Raumschiff: Fürstenfelder Matrose als Comic-Fan

Seemannsgarn und Perry Rhodan-Comics sind Udo Classens Metier. Was der 81-Jährige in seiner Zeit als Matrose erlebt hat und wie sie den Grundstein für seine 17.000 Hefte umfassende Science-Fiction-Sammlung gelegt hat.

Udo Classen mit seinem Seefahrtbuch. In seiner Zeit als Matrose stieß er in den Kiosken, die in den Schleusen untergebracht waren, zum ersten Mal auf die Perry Rhodan-Comics. Früher hatte er 17.000 Hefte, heute noch circa 5000
© Montage: Carmen Oster, Privat
Udo Classen mit seinem Seefahrtbuch. In seiner Zeit als Matrose stieß er in den Kiosken, die in den Schleusen untergebracht waren, zum ersten Mal auf die Perry Rhodan-Comics. Früher hatte er 17.000 Hefte, heute noch circa 5000
Carmen Oster
Regionalbüro Oststeiermark und Garten

Das Seefahrtbuch ist ein kleines unscheinbares Heftchen, in dem fein säuberlich mit Tinte und zahlreichen Stempeln die Koordinaten von Udo Classens Laufbahn eingetragen sind. Es zeigt, wie der heute 81-Jährige, der aus dem deutschen Krefeld kommt, aber seit sechs Jahren in Fürstenfeld lebt, als Jugendlicher die vielen Stufen eines Seemanns abhakte.

„Schiffsjunge, Jungmann, Leichtmatrose und Matrose. Ich war 14 Jahre, als ich von zu Hause wegging“, sagt er viele Jahre später. Seine Mutter habe ihn damals zwar bekniet, sie nicht alleine zu lassen – doch der Ruf der See war stärker.

Erinnerungen an die Zeit als Seemann

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Matrose Udo Classen
Matrose Udo Classen © Privat

So ging es für den Burschen zuerst nach Elsfleth an der Weser in die Schiffsjungenschule. „Da habe ich Seemannsknoten, Rudern, Morsen und auch Flaggenkunde gelernt.“ Am 28. März 1960 heuerte er schließlich auf seinem ersten Schiff an. „Auf der La Paloma“, sagt er und sofort hat man Hans Albers im Ohr – „des Seemanns Braut ist die See“.

„Mir gefielen die Titelbilder“

„Wir haben von Dieppe aus, das liegt am Ärmelkanal in Frankreich, Holz nach London gebracht. 18 Stunden waren wir da unterwegs, wenn das Wetter gut war“, so Classen. Es folgten viele weitere Schiffe: MS Hornkliff, MS Luise Bergmann, MS Wuppertal. „Wir sind auch immer wieder durch den Nord-Ostsee-Kanal gefahren, wo eben die Schleusen waren.“

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Udo Classen verließ mit 14 Jahren sein Zuhause in Krefeld, um dem Ruf der See zu folgen
Udo Classen verließ mit 14 Jahren sein Zuhause in Krefeld, um dem Ruf der See zu folgen © Carmen Oster

In diesen befanden sich Kioske, bei denen Classen auf seine nächste große Liebe stoßen sollte – Perry Rhodan-Comics. Die Science-Fiction-Hefte rund um den gleichnamigen Astronauten, der sich nach intergalaktischem Frieden sehnt, erscheinen seit 1961 wöchentlich. Und fesseln auch Classen, der so auf See in neue, unbekannte Welten abtaucht.

„Man liest viel, weil es in der Freizeit auf einem Schiff nicht viel zu tun gibt. Dann habe ich in der Schleuse eben diese Hefte gesehen. Mir gefielen die Titelbilder gut. Und so ging es los mit dem Sammeln.“

Eigener Eintrag im „Perrypedia“

17.000 Exemplare hatte Classen daheim – die meisten signiert. An den Wänden der Wohnung in Fürstenfeld finden sich gerahmte Originalzeichnungen der Titelbilder. Googelt man den 81-Jährigen stößt man auf einen eigenen Eintrag im „Perrypedia“. „Udo Claßen (* 1945) ist ein Perry Rhodan-Liebhaber, der besonders als Autogrammjäger bekannt wurde. In seinem Besitz befindet sich die komplette Perry Rhodan-Literatur“, steht hier.

„Es war spannend für mich“, sagt er selbst. „Es sind Fortsetzungsromane, und ich wollte immer wissen, wie es weitergeht. Mittlerweile lese ich sie ja gar nicht mehr.“ Wohl auch, weil die ersten Autoren längst tot sind – „das ist nicht mehr mein Perry Rhodan, das ist jetzt schon die fünfte oder sechste Autoren-Generation.“

Vom Schiffs- zum Strommasten

Doch zurück zum jungen Udo Classen. Nach siebeneinhalb Jahren, in denen er zur See fuhr und viele spannende Ecken der Welt entdeckte, aber auch negative Erfahrungen machte – „wir bekamen auch Prügel“ – zog er einen Schlussstrich unter diesen Lebensabschnitt.

„Ich hatte Frau und Kind, aber keine Arbeit, als ich vom Schiff kam.“ Also heuerte er bei einer Malerfirma an, die Arbeitskräfte an das RWE, das Rheinisch Westfälische Elektrizitätswerk vermietete. „Ich habe Strommasten gestrichen, weil ich schwindelfrei war. Ich musste als Matrose ja oft etwas beim Schiffsmasten richten.“ Später arbeitete sich Classen bei Bayer in Dormagen vom Hilfsarbeiter zum Chemiemeister-Industrie hoch.

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Udo Classen sammelte 17.000 Comics – die meisten von ihnen signiert
Udo Classen sammelte 17.000 Comics – die meisten von ihnen signiert © Carmen Oster

70 Bananenschachteln voller Comics

1989 heiratet er seine jetzige Frau Erika (67) – sie kommt aus Fürstenfeld. Vor sechs Jahren ziehen die beiden hierher und kommen mit 70 Bananenschachteln voller Comics – denn Udo Classen hat auch ein Herz für andere Reihen. Das erklärt auch die Sammlung von Telefonwertkarten mit seinen Lieblingsmotiven.

Die Hefte – es sind mittlerweile „nur“ noch 5000 – finden sich heute in Classens Arbeitszimmer, aber auch in einem extra Raum außerhalb der Wohnung, wo jedes Exemplar fein säuberlich in Folie verpackt ist. „Ich verkaufe sie nach und nach auf Willhaben. Es ist Zeit“, sagt er, bevor zielgenau ein Heft aus dem Regal fischt. „Das ist der erste Perry Rhodan – aus dem Jahr 1961“, sagt er und lächelt stolz.