Kulturfestival „brücken 26“: Von Herta Reich bis Elfriede Jelinek
Von 18. September bis 4. Oktober findet unter Mitwirkung vieler Musikerinnen und Musiker aus dem Mürztal das diesjährige Kulturfestival „brücken 26“ statt.

In wenigen Tagen geht es in Kindberg, Neuberg, Mürzzuschlag und St. Barbara beim Kulturfestival „brücken 26“ rund. Maria Gstättner wird dabei erstmals das Programm der Veranstaltung kuratieren. Ursula Horvath freut sich als Kunsthaus-Geschäftsführerin über das Engagement der Neo-Intendantin: „Wir freuen uns sehr, dass wir die aus dem Mürztal stammende und in Wien als Komponistin und Fagottistin lebende Künstlerin für unser Vorhaben gewinnen konnten.“
Unter Gstättner wird das fortgeführt, was ihr Vorgänger Ernst Kovacic jahrelang praktiziert hat: Die Einbindung regionaler Institutionen wie Schulen, Musikvereinen, Orchestern und Musikschulen ins Kulturfestival. Beim Eröffnungskonzert werden so zum Beispiel am 18. September vor und im kunsthaus muerz Musiker der Musikkapellen Mitterdorf/St. Barbara, Krieglach, Allerheiligen/Mürzhofen und das steirische Jugendblasorchester aufspielen. An der Oper für Kinder und Erwachsene am 24. September wirkt der Kinderchor der Musikmittelschule St. Barbara mit.

Entscheidende Fragen
Die Konzerte am 26. September am Georgiberg in Kindberg und am 1. Oktober im kunsthaus muerz und in der Stadt Mürzzuschlag gestalten unter anderen Schüler der Musikschulen Kindberg und Mürzzuschlag sowie des Herta Reich Gymnasiums .„Unter dem Motto ,Zeit? Lebenskunst!’ werden alle Kulturinteressierten eingeladen, gemeinsam mit den Künstlern drei Wochen lang Musik, Literatur, Performance und Begegnungen zu erleben“, erklärt Intendantin Gstättner.

Ausgangspunkt ist Herta Reichs autobiografischer Bericht „Zwei Tage Zeit“, in dem die in Mürzzuschlag geborene Jüdin ihre Flucht über den Kladovo-Transport und ihr Überleben schildert. Doch das Festival richtet den Blick nicht allein auf dieses bewegende Zeitzeugnis, sondern auf das Leben, das Herta Reich danach führte – auf ihre Kraft, ihre Offenheit und ihre Fähigkeit, trotz allem Zukunft zu gestalten. Daraus erwachsen die Fragen, die das Festival begleiten: Was bedeutet Zeit? Wie gelingt Lebenskunst? Und was geben wir an kommende Generationen weiter?
Zahlreiche Uraufführungen
„Es freut mich sehr, dass eine Kooperation mit den LKH-Mürzzuschlag gelungen ist und im Zuge des Festivals Musik für Pflegepersonal und Patienten der REM-Station gemacht werden kann. Ebenfalls bedanke ich mich sehr bei den Gastgebenden für die Möglichkeit bei den Hauskonzerten mit einem wundervollen Duo in private Haushalte zu kommen und dort direkt und ganz nah mit dem Publikum in Austausch zu kommen“, ergänzt Gstättner.
Zahlreiche Uraufführungen ziehen sich wie ein roter Faden durch das Festival und machen Mürzzuschlag zu einem Ort, an dem neue Musik entsteht. Gstättner freut sich über eine Reihe von Uraufführungen im Rahmen des Festivals: „Die Brücken verstehen sich als ein offenes Komponistinnenforum, in dem Komponieren als gesellschaftlicher Dialog gedacht wird. Neue Werke entstehen aus Begegnungen zwischen Musik und Literatur, Improvisation und Komposition und dem Publikum.“
Hommage an Jelinek
Horvath ergänzt: „Damit knüpft das Festival an Hans Werner Henzes Vision der Mürztaler Musikwerkstatt an und führt sie als Ort zeitgenössischen Komponierens weiter.“ Genau hier knüpft Gstättner mit ihrem nächstjährigen Brücken-Programm an: „Es ist ein Schwerpunkt mit Arbeiten von Hans Werner Henze angedacht.“ Der herausragende deutsche Komponist hat im Jahr 1981 die Mürztaler Musikwerkstatt gegründet, um dort mit Jugendlichen und Laien neue Musik zu entwickeln und aufzuführen.

Den Abschluss am 4. Oktober bildet eine Hommage an die Mürzzuschlager Nobelpreisträgerin Elfriede Jelinek, deren Werk Sprache, Musik und gesellschaftliche Reflexion auf besondere Weise verbindet und den Bogen zurück zu den Fragen des Festivalmottos schlägt.