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25-Jährige Profikickerin ist in der Defensive die Chefin

Seit acht Jahren ist die gebürtige Defereggerin Stefanie Großgasteiger bei den Frauen des SK Sturm Graz. Auch der SV Spittal prägte die angehende Lehrerin.

Eine Frau auf einer Fußballtribühne
© KK/Privat
Stefanie Großgasteiger hat sich einen Namen als Profisportlerin gemacht
Karin Nagele

Wie geht es Ihnen als Abwehrchefin der „SK Sturm Graz“-Frauen momentan?

Stefanie Großgasteiger: Ich bin körperlich und mental fit und trainiere fleißig. Die Chemie in der jungen und neu formierten Mannschaft stimmt. Es läuft gut.

Das Team kämpft um den Einzug in den Europacup-Hauptbewerb, ist erstmals mit einem Gesamt-Score von 7:4 in die zweite Qualifikationsrunde eingezogen. Eine turbulente Angelegenheit, das Rückspiel gegen den FC Gintra.

Das kann man laut sagen. Ich habe in meinen acht Jahren Profisport noch nie so ein kurioses Spiel erlebt. Nach dem 2:1 Sieg in Graz sind wir optimistisch nach Litauen geflogen. In den 90 Spielminuten hatten wir von strömendem Regen über etwas Sonnenschein bis hin zu Sturmböen alles. Zum Teil war es so nass, dass der Ball einfach nicht gerollt, sondern stehen geblieben ist. Das Wetter war gewöhnungsbedürftiger als die Gegnerinnen. Nach drei Minuten führten wir 1:0, doch in Minute 14 waren wir 1:3 hinten.

Wie konnte Ihr Team das Spiel herumreißen?

Wir spielen mit einem neuen System, hatten eine große Umstellung und haben uns auf unsere Stärken besinnt. Mit Konzentration und Kampfgeist sind wir sogar als Führende mit 4:3 in die Pause gegangen. Danach haben wir das Spiel kontrolliert und haben gewonnen.

Ein Meilenstein, dem ein weiterer folgen könnte. Wer wartet in der zweiten Europacup-Qualifikationsrunde und wie stehen Sturms Chancen?

Uns wurde der VfL Wolfsburg aus der ersten Deutschen Bundesliga zugelost. Das erste Spiel findet am 23. September in Wolfsburg statt. Das ist natürlich ein ganz großes Kaliber, zumal die erfahrenen Wolfsburgerinnen in der laufenden Bundesligasaison noch ungeschlagen sind und an der Tabellenspitze liegen.

Stefanie Großgasteiger im Einsatz
© SturmTifo.com
Stefanie Großgasteiger im Einsatz

Fünf Spiele, 13 Punkte, Sturm ist derzeit nicht zu stoppen. Weshalb?

Unser neuer Spielstil zeigt Früchte. Die Gegnerinnen sollen sich uns anpassen und nicht umgekehrt. Wir versuchen dominant und mit viel Ballbesitz aufzutreten. Es ist wichtig, dem Spiel unsere Handschrift aufzudrücken. Meinem persönlichen Spielstil kommt das sehr entgegen.

Der da wäre?

Ich bin sozusagen die „Abwehrchefin“. Hinten spielen wir mit einer Dreierkette. Sehr oft geht von uns die Eröffnung des Gegenangriffs aus. Technisch wird daher entsprechend trainiert und gearbeitet.

Sie sind seit 2018 fast durchgehend bei Sturm Graz. Wie viele Bundesligaspiele haben Sie schon in den Beinen?

Es werden schon um die 125 Spiele sein. Wenn unsere Kapitänin Sophie Maierhofer nicht spielt, trage ich die Kapitänsschleife, wie zuletzt im Cup. In Graz fühle ich mich sportlich und privat sehr wohl, deshalb habe ich im Juni auch um ein Jahr verlängert.

Ist ein Auslandsengagement nach Ihrem kurzen Abstecher nach Deutschland vor einigen Jahren kein Thema mehr?

Meine kurze Verpflichtung bei Eintracht Frankfurt war damals definitiv zu früh. Hinzu kam Corona mitsamt aller Begleiterscheinungen. Sollte ein ausländischer Verein an mir interessiert sein, werde ich Gespräche sicher nicht ablehnen.

Die junge Sportlerin setzt sich gegen ihre Konkurrenz durch
© SturmTifo.com
Die junge Sportlerin setzt sich gegen ihre Konkurrenz durch

Können Sie vom Fußball Ihr Leben bestreiten?

Leider nicht. Ich mache derzeit meine Lehramtsprüfung für Mathematik und Sport. Für den Master muss ich dann noch zwei Jahre studieren.

Acht Jahre Fußballprofi in der höchsten österreichischen Frauenliga, das macht sicher nicht nur Sie stolz, oder?

Meine Familie in St. Jakob in Defereggen ist und bleibt ein großer Rückhalt. Meine Mama Barbara war es, die anno dazumal zum richtigen Zeitpunkt zum Telefonhörer gegriffen hat.

Wen hat sie angerufen?

Den leider schon verstorbenen Hubert Bründler. Er hat mich in jungen Jahren im Rahmen der Kärnten-Auswahl gesehen und zum SV Spittal eingeladen. Ich habe niemandem davon erzählt, bis die Sommerferien nach der vierten Klasse Gymnasium fast zu Ende waren. Eigentlich war ich schon in der HAK Lienz angemeldet, als Mama von dieser Einladung hörte und Hubert sofort kontaktierte. Nächsten Tag waren wir schon in Spittal zum Gespräch eingeladen, und ich durfte im Fußball-Zweig im Sport Borg Spittal anfangen. Ein Jahr war ich dort in der Schule, dann ging es weiter nach St. Pölten. Insgesamt habe ich drei Jahre für den SV Spittal gekickt.

Aus Spittal haben Sie auch die Rückennummer 19 mitgenommen?

Nein, nicht ganz, in Spittal hatte ich die Rückennummer 9. Da das aber eher eine Stürmer-Nummer ist, habe ich in Graz die 19 gewählt, weil ich für das Toreschießen nicht primär zuständig bin. Das eine Tor in der letzten Saison war daher etwas Besonderes.

Ihre Familie ist eine große Unterstützung für die 25-Jährige
© KK/Privat
Ihre Familie ist eine große Unterstützung für die 25-Jährige

Zur Person

Stefanie Großgasteiger (25) ist eine Profifußballspielerin. Sie stammt aus St. Jakob in Defereggen. Über den örtlichen Verein, Matrei, die Kärnten-Auswahl, Spittal und St. Pölten ist die Defensivspielerin beim SK Puntigamer Sturm Graz gelandet. Seit 2018 spielt die Abwehrchefin in der Uhrturmstadt. In der letzten Saison belegten die Sturm Frauen Rang drei in der ersten Bundesliga. Aktuell führen die Grazerinnen die Tabelle mit vier Siegen und einem Remis an.