Clan-Kämpfe mitten in Graz: Gleich 17 junge Syrer ausgeforscht
Nach Gewaltexzess an Weihnachtsfeiertagen stießen Ermittler auf rivalisierende Tätergruppe. Graz steht ein Großprozess mit 17 Angeklagten bevor.

„Gewalt in derartigem Ausmaß ist für Graz beispiellos. Es sind Jugendliche und junge Erwachsene in zwei verfeindeten Gruppen, die sich zusammengetan haben, um Straftaten zu begehen.“ So lautete der Befund der Staatsanwältin beim ersten Prozess gegen einen Clan von Syrern. Es ging um wenig friedliche Weihnachtsfeiertage im Jahr 2024, vielmehr um einen Gewaltexzess – in der Grazer Innenstadt waren unter dem Beisein Dutzender Beteiligter Eisenstangen, Messer und Holzlatten verwendet worden. Ein Opfer bekam einen Stich ins Gesäß, ein anderes in den Rücken. Am Ende standen vier Verurteilungen.
Wie mittlerweile feststeht, blieb es nicht bei den Übergriffen zu Weihnachten, denn: „Im Zuge der Ermittlungen ist man auf eine weitere Tätergruppe gestoßen“, bestätigt Christian Kroschl, Sprecher der Grazer Staatsanwaltschaft, auf Anfrage der Kleinen Zeitung. Als „505er“ (der Zahlencode eines Familienstamms) ist der Syrer-Clan amtsbekannt, jetzt gibt es für gleich 17 Jugendliche und junge Erwachsene eine Anklageschrift. Zwischen 18 und 21 sind die Männer, „ihnen wird absichtliche schwere Körperverletzung, schwerer Raub, gefährliche Drohung und Körperverletzung angelastet“, so der Mediensprecher.
Es gibt offenbar eine Übereinkunft unter den rivalisierenden syrischen Gruppen: Wir schützen euch, ihr schützt uns. Sie versuchen damit den Rechtsstaat auszuhebeln.
— Die Staatsanwältin beim ersten Prozess
Breites Verletzungsspektrum
Nach vorangegangenen Verabredungen und in großer Gruppenstärke sei es aus Sicht der Anklagebehörde zu den Duellen auf offener Straße gekommen. Tatwaffen? Eine Pistole, Klappmesser, Eisenstangen, ein spitzer Hammer oder ein Holzpflock. Das Verletzungsspektrum war dementsprechend breit gestreut. Stichverletzungen, Rissquetschwunden, Schädelprellungen, etc. Tritte gegen bereits wehrlos und verletzt am Boden liegende Opfer trugen das Ihre dazu bei. Ein Termin für den Großprozess muss noch fixiert werden.