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Schafstall im Solarpark und neue PV-Projekte im Großraum Graz

Sonne, Strom und Schafe: Wo in und um Graz schon Sonnenstrom genutzt wird und wie es um neue Großprojekte steht. Ein Überblick.

Im Vordergrund laufen Schafe durch das Bild, im Hintergrund ist eine riesige Solaranlage.
© Alexander Danner
Der Photovoltaik-Park in Dobl-Zwaring bietet in den Sommermonaten über hundert Schafen ein riesiges Gehege.

Das Rütteln der Futterkübel lockt auch die letzten Schafe von den Solarpaneelen hervor. Es ist einer dieser letzten heißen Septembertage und Saisonende für rund 120 Schafe, die wieder an den nahe gelegenen Hof zurückkehren. Zwischen März und September grasen sie auf dem über 22 Hektar großen Photovoltaik-Park in Dobl in der Gemeinde Dobl-Zwaring. Die natürlichen Rasenmäher sind seit der Inbetriebnahme der Solaranlage im Mai 2025 hier.

Hier in Dobl steht eine der größten Anlagen, die ins öffentliche Stromnetz einspeisen. Und aktuell ist Sonnenstrom wieder in aller Munde. Die Landes-ÖVP prägt gerade den Begriff „Heimatenergie“ und meint damit Stromgewinnung aus Wind, Wasser und Sonne, um die „Abhängigkeit aus dem Ausland“ zu reduzieren.

PV-Anlage in Dobl speist ins öffentliche Netz ein

Die PV-Anlage in Dobl hat eine installierte Modulleistung von 21 Megawattpeak (MWp), damit können man rund 6200 Haushalte jährlich mit Strom versorgt werden. Die Energie wird in das Umspannwerk Lieboch geleitet und dort ins öffentliche Stromnetz eingespeist. Die Fläche wurde zuvor von neun Eigentümern geteilt, die dort hauptsächlich Mais, Kürbisse und Soja angebaut hatten.

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Eine Frau füttert Schafe aus einem Plastikeimer.
Cheyenne Ochsenknecht vom Chianinahof bringt mit ihrem Partner Nino Sifkovits die Schafe zurück auf den Hof. © Alexander Danner

Heute gibt es die Doppelnutzung: Unter den PV-Panelen grasen Schafe. Die sind deshalb geeignet, weil sie, anders als Ziegen, keine Kabel anknabbern und nicht auf die Solarpaneele springen können. „Das ist eine Win-Win-Situation. Wir haben die Grünpflege auf der Fläche, die Schafbauern haben wiederum große, eingezäunte Flächen mit Wasser“, so Thomas Kern von der Energie Steiermark, einem der Projektleiter.

13 Millionen Euro, mehr als 100 Schafe, 45 Vogel- und 17 Fledermausnistkästen

Gemeinsam mit der Enery Österreich GmbH betreibt die Energie Steiermark den 13 Millionen Euro schweren PV-Park jeweils zu 50 Prozent. Blumenwiesen und Totholz, die den Solarpark umgeben, bieten für Insekten einen natürlichen Lebensraum. In zahlreichen Nist- und Brutkästen können sich Tiere zurückziehen. „Gemeinsam mit zwei Volksschulen aus der Gemeinde haben wir 45 Vogelnistkästen und 17 Fledermausnistkästen gemacht, die wir später zusammen aufgehängt haben. Davor haben die Kinder gelernt, wie eine Solaranlage funktioniert“, so Lisa Feiertag, ebenfalls Projektleiterin.

Das ist eine Win-Win-Situation. Wir haben die Grünpflege, die Schafbauern haben große, eingezäunte Flächen.

— Thomas Kern, Projektverantwortlicher, Energie Steiermark GmbH

Freilich sind es die Schafe, die alle Blicke auf sich ziehen. Cheyenne Ochsenknecht weist ihren Partner Nino Sifkovits ein, der den Tiertransporter gerade im Rückwärtsgang vor den Eingang des Solarparks schiebt. Gemeinsam betreiben sie den Chianinahof, der Reality-TV-Fans bekannt sein dürfte. Im Sommer ist der PV-Park der Stall ihrer Tiere. „Die Bauern, die die Fläche verpachtet haben, sind auf mich zugekommen, weil sie wollten, dass es von jemandem im Ort genutzt wird“, sagt Sifkovits.

Am Anfang gab es, wie so oft bei solchen Projekten, Skepsis bei der umliegenden Bevölkerung. „Es gibt natürlich immer kritische Stimmen, das ist auch legitim. Aber momentan wird es gut angenommen“, ist sich Thomas Kern sicher. Der Konzernsprecher der Energie Steiermark, Urs Harnik-Lauris, betont die Zusammenarbeit mit der Gemeinde: „Die Bürgermeisterin Waltraud Walch war anfangs sehr skeptisch, ist jetzt aber stolz auf das Projekt in ihrer Gemeinde.“

Anfängliche Skepsis bei der Bevölkerung und das Großprojekt am Flughafen

Diese Skepsis von Anrainern gab es auch bei zwei geplanten PV-Projekten in Graz-Andritz: Die Stadt Graz wollte dort auf zwei Flächen ebenfalls Stromgewinnung mit landwirtschaftlicher Nutzung kombinieren. Der Widerstand vor Ort war groß, die Sache wurde zum Politikum. Der Koalition fehlt bis heute die Zweidrittelmehrheit für eine Umwidmung der Flächen im Gemeinderat – weil in Graz die ÖVP gegen diese PV-Projekte ist.

Am „Masterplan PV“ hält die Koalition aber weiter fest. Herzstück davon: eine Großanlage beim Flughafen. 16 Megawattpeak Leistung sollen dort produziert werden. Dafür will man 24 Millionen Euro investieren. Naturschutz- und luftfahrtrechtliche Genehmigungen liegen mittlerweile vor, noch heuer soll das Vorhaben ausgeschrieben werden. Die Fertigstellung ist dann für 2028 geplant.

Auch die Energie Steiermark setzt weiter auf Sonnenstrom. In Feiting, Gemeinde Allerheiligen, entsteht ein Solarpark auf der gleichen Fläche wie in Dobl, allerdings mit mehr Modulen, die mehr Leistung schaffen. Das soll im Frühjahr 2027 fertig werden. Neue Projekte kommen laufend dazu.

Die Bauern, die die Fläche verpachtet haben, sind auf mich zugekommen, weil sie wollten, dass es von jemandem im Ort genutzt wird.

— Nino Sifkovits, Landwirt am Chianinahof

Derweilen surren in Dobl die elektronischen Kästen. Ein paar Schafe haben sich nicht fangen lassen. Das Chianinahof-Team wird es am nächsten Tag noch einmal versuchen. „Ich glaube, dass es total wichtig ist, eine junge Generation in der Landwirtschaft zu haben, die zeigt, dass es auch nachhaltig und hip geht“, sagt Thomas Kern, während die Vormittagssonne langsam über die Paneele zieht.