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Quereinsteigerin erzählt: „Was zieht Sie in die Schule?“

Anna Wilms ist seit fünf Jahren Quereinsteigerin in der Schule. Was sie dazu bewegt hat, welche Hürden es gibt und warum sie als Lehrerin in Pension gehen möchte.

Das Bild zeigt Anna Wilms
© KLZ / Veronika Teubl-Lafer
Anna Wilms ist seit fünf Jahren als Quereinsteigerin in der Schule tätig
Marie Miedl-Rissner
Redakteurin Bundesland Steiermark

Wenn man mit Anna Wilms spricht, wird einem schnell klar, sie brennt für die Schule. Für ihre Schülerinnen und Schüler, für die Wissensvermittlung und dafür selbst immer dazuzulernen. Die frühere Controllerin unterrichtet als Quereinsteigerin wirtschaftliche Fächer. Die Entscheidung Lehrerin zu werden, hat sie vor fünf Jahren getroffen. Eine Woche vor Schulbeginn. Die Entscheidung war kurzfristig, der Wunsch mit Jugendlichen zu arbeiten nicht.

Sie ist als Quereinsteigerin Teil des Pflasters, das seit Jahren eine klaffende Wunde im Schulsystem zusammenhält. Über Jahre gab es kaum ein anderes Thema als den Lehrermangel. Heute ist davon keine Rede mehr – auch in diesem Schuljahr wird man laut der Bildungsdirektion Steiermark bis zum Schulbeginn alle Stellen besetzen können. Ohne Quereinsteigerinnen wäre das wohl anders. Denn in steirischen Schulen sind aktuell 372 Quereinsteigerinnen angestellt. Für das neue Schuljahr haben sich zudem 282 auf ausgeschriebene Stellen beworben. Damit sind sie nicht mehr nur eine Stütze des Systems, sondern ein Teil des Fundaments.

Arbeit mit Jugendlichen als Ansporn

Wilms Anfänge in der Schule fielen mitten in die Coronazeit. Eine Zeit, in der zu den ohnehin vielfältigen Herausforderungen an Schulen eine weitere dazukam. Corona ist vergangen, die übrigen Herausforderungen nicht. Eine Frage , die sich damit unweigerlich stellt: Was bewegt jemanden in diesen Beruf zu wechseln?

Anna Wilms hat darauf eine klare Antwort. Die Arbeit mit den Jugendlichen, das Gefühl ihnen Wissen vermitteln zu können und sie für ihre Zukunft vorzubereiten. Eine Leitplanke zu sein. Nicht immer eine leichte Aufgabe. Wilms erinnert sich noch gut an ihren ersten Schultag, als sie nervös vor die Klasse trat. Ohne pädagogische Erfahrung und mit wenig Vorlaufzeit. Die erste Woche war geprägt von Kennenlernspielen. Einerseits, um die Klassengemeinschaft zu stärken, andererseits, um sich selbst Zeit zu kaufen. Heute ist der Schritt vor die Klasse Normalität, braucht keine Überwindung mehr.

Von der Privatwirtschaft in die Schule

Etwas, das ihr schnell bewusst wurde: Schule und Privatwirtschaft lassen sich nicht vergleichen. Wo bei einem Bürojob eine klare Trennung zwischen Arbeitszeit und Freizeit ist, verschwimmen in der Schule die Grenzen. Auch die Ansprüche sind unterschiedlich. „Ich habe schnell gemerkt, dass es Anknüpfungspunkte braucht, an denen man die Schüler abholt, nur dort fangen sie an zuzuhören.“ Im neuen Schuljahr möchte sie genau das mit einem neuen Konzept schaffen. Ihr gesamter betriebswirtschaftlicher Unterricht dreht sich um eine fiktive Pizzeria.

Ich liebe es. Aus heutiger Sicht werde ich als Lehrerin in Pension gehen

— Anna Wilms, Quereinsteigerin

Für Wilms zählt in der Klasse aber nicht nur die Leistung. Es geht auch um persönliche Probleme der Jugendlichen, um Konflikte die nicht ausbleiben und manchmal den Schulrahmen sprengen. Das gehört dazu, genauso wie die Überforderung. „Da kommen schon grobe Sachen, die auch nur mehr mithilfe von höheren Instanzen zu lösen sind.“ Umso dankbarer ist sie, in diesen Situationen die Verantwortung abgeben zu dürfen.

„Werde als Lehrerin in Pension gehen“

Bereut hat sie ihre Entscheidung jedenfalls nie. „Ich liebe es. Aus heutiger Sicht werde ich als Lehrerin in Pension gehen“, sagt sie. Eine Sicherheit, die sie nicht von Beginn an hatte. Das erste Jahr als Lehrerin war ein Versuch. Deshalb hat sie auch erst nach dem ersten Schuljahr mit der zweijährigen, verpflichtenden Zusatzausbildung begonnen.

Ich mache den Job gerne, wie das von anderen gesehen wird, hat für mich keine Relevanz

— Anna Wilms, Quereinsteigerin

Was sie heute so sicher sein lässt sind vor allem die vielen schönen Momente. Momente in denen Inhalte wirklich angekommen, oder das Zwischenmenschliche sichtbar wird. „Ich habe von einer Maturantin einen Brief zum Abschied bekommen, das rührt einen schon.“ Eine Anerkennung die von außen oft fehlt. Für Wilms ist das heute nebensächlich. „Ich mache den Job gerne, wie das von anderen gesehen wird, hat für mich keine Relevanz.“

Schulstart bringt Neuanfang

Mit dem neuen Schuljahr beginnt für sie abermals eine neue Reise. Denn sie wechselt von der MedienHAK in Graz an die HAK in Weiz. „Ich würde schon behaupten, dass ich heute eine bessere Lehrerin bin als noch vor fünf Jahren und ich hoffe, dass ich das in fünf Jahren wieder sagen kann“, sagt sie.