steirischer herbst ’26: Die „Red Flags“ unserer Zeit
Unter dem Titel „Red Flags“ lädt der steirische herbst ’26 von 24. September bis 18. Oktober dazu ein, gesellschaftliche Entwicklungen aus ungewohnten Perspektiven zu betrachten. Zwischen Performances, Ausstellung, Literatur, Musik und Diskussionen gibt es einiges zu entdecken.

„Red Flags“ kennen viele heute vor allem aus der Dating-Welt. Darunter versteht man Verhaltensweisen, bei denen besser die Alarmglocken schrillen sollten. Doch Warnsignale gibt es längst nicht nur in zwischenmenschlichen Beziehungen. Was passiert, wenn gesellschaftliche oder politische Entwicklungen Grund zur Sorge geben? Wann ist Misstrauen angebracht und wann verhindert Vorsicht gerade jene Auseinandersetzung, die notwendig wäre?
Diesen Fragen widmet sich die 59. Ausgabe des steirischen herbst. Das Festival nimmt aktuelle Konflikte und gesellschaftliche Verschiebungen zum Ausgangspunkt für neu in Auftrag gegebene Performances, Installationen und Diskussionen. Dabei geht es unter anderem um Meinungsfreiheit, Solidarität, Erinnerungskultur und politische Polarisierung.
Ein Auftakt zwischen Wrestling, Tanz und Philosophie
Wer in das Festival eintauchen möchte, hat gleich zu Beginn mehrere Gelegenheiten dazu. Am 24. September startet das Programm um 17 Uhr bei freiem Eintritt am Karmeliterplatz. Nach der Eröffnungsrede von Intendantin Ekaterina Degot verbindet Julian Warner in „Paradise Lost: Dieser Kampf ist kein Zeichen“ Wrestling, Konzert und Storytelling.

Am Abend übersiedelt das Geschehen in die Helmut List Halle: Alex Baczyński-Jenkins beschäftigt sich in „Angelic Conversations“ mit dem politischen und utopischen Potenzial der Figur des Engels und verbindet dafür Tanz, Licht und Klang.
Wo endet die Freiheit des Sagbaren?
Eine Frage, die derzeit weit über den Kulturbetrieb hinausreicht, steht am 9. Oktober im Palais Attems zur Diskussion. Beim „herbst Deathmatch“ treffen Philosoph und Kulturpublizist Konrad Paul Liessmann und „Falter“-Chefredakteur Florian Klenk unter dem Titel „Die Grenzen des Sagbaren?“ aufeinander. Das Besondere am Format ist hierbei, dass das Publikum immer das letzte Wort hat. Der Eintritt ist frei.

Ein ungewöhnlicher Ausstellungsort mitten in Graz
Ein Besuch am Griesplatz lohnt sich heuer besonders: Die zentrale Ausstellung zieht in ein Gebäude aus dem 17. Jahrhundert am Griesplatz 34. In der ehemaligen Gaststätte entsteht ein Labyrinth aus fragmentarischen Erzählungen. Detektive, Tradwives, Sektenmitglieder, Camgirls und Vampire bevölkern die künstlerischen Arbeiten. Der scheinbare Rückzug ins Private wird dabei selbst zur politischen Frage.
Im selben Gebäude befindet sich heuer auch das herbstcafé. Es dient als Anlaufstelle für Festivalbesucherinnen und -besucher, bietet Speisen und Getränke und wird an den Wochenenden mit Live-Musik und DJ-Sets selbst zum Veranstaltungsort.

Zwei Festivals im Festival
Wer Literatur oder zeitgenössische Musik bevorzugt, findet ebenfalls eigene Programmschwerpunkte. Das Literaturfestival „Out of Joint“ beschäftigt sich von 29. September bis 3. Oktober unter dem Titel „dissident“ mit Widerspruch und dem Absetzen von politischen Vorgaben. Mit dabei sind unter anderem Lisz Hirn, Michal Hvorecký, Şeyda Kurt, Robert Misik und Florian Scheuba.
Das ORF musikprotokoll steht 2026 unter dem Titel „supernova“. Ein besonderer Programmpunkt erwartet Sie am 3. Oktober: Anlässlich des 90. Geburtstags des Minimal-Music-Pioniers Steve Reich werden seine Werke im Rahmen einer 24-Stunden-Performance an 25 verschiedenen Orten in Graz aufgeführt.
steirischer herbst ’26 – Red Flags
Wann: 24. September bis 18. Oktober 2026
Wo: verschiedene Spielstätten in Graz, zentrale Ausstellung und herbstcafé am Griesplatz 34, 8020 Graz
herbstcafé: 15. September bis 18. Oktober; Di–Do 11–19 Uhr, Fr und Sa 11–2 Uhr
Tickets & Information: www.steirischerherbst.at
Das Programmbuch in deutscher und englischer Sprache liegt im herbstcafé sowie an den Veranstaltungsorten kostenlos auf. Für die zentrale Ausstellung gibt es zusätzlich einen kostenlosen Ausstellungsführer.
Entstanden in Kooperation mit steirischer herbst, Festival GmbH.