Bachmann-Abend in Klagenfurt: Dialog mit einer Unbestechlichen
Das Theater Wolkenflug baut einen Ingeborg Bachmann-Abend in das Architektur Haus Kärnten.

„Es kommen härtere Tage. Die auf Widerruf gestundete Zeit wird sichtbar am Horizont.” Ingeborg Bachmanns Gedicht „Die gestundete Zeit” braucht keinerlei tagesaktuelle Querverweise. Es ist von zeitloser Gültigkeit. Im heurigen Jubiläumsjahr zum 100. Geburtstag der Dichterin (1926-1973) nimmt Ute Liepold mit ihrem Theater Wolkenflug den Faden auf. Im chronologisch angelegten Lyrikprojekt „Schatten Rosen Schatten” folgen zwei Stimmen und ein Cello Bachmanns frühem Lebensweg und zeichnen daneben ein Zeit- und Gesellschaftsbild.
Rund einstündiger Abend
„Assoziativ und schlicht, mit strengem Konzept“, beschreibt die Regisseurin den rund einstündigen Abend, für den sie sich in die neuesten biografischen Erkenntnisse reingekniet und die beiden Bachmann-Gedichtbände „Die gestundete Zeit“ (1953) und „Anrufung des großen Bären” (1956) gesichtet hat. Neben der Geradlinigkeit und Unbestechlichkeit, die Bachmanns Werk auszeichnet, „scheint mir in der Lyrik vor allem die Analyse des Micro-Faschismus des Alltags und die radikale Kritik am Patriarchat wichtig”, sagt Liepold. „Der Faschismus geht ja nach 1945 weiter, in der Sprache und in den Beziehungen.“
Kriegsangst, Verlust, Freiheit, Liebe
Katarina Hartmann und Magda Kropiunig bewegen sich durch „Alle Tage“ von „Abends frage ich meine Mutter” (1948) über „Erklär mir Liebe” und „Was wahr ist” (aus den 1950er-Jahren) bis zum hoffnungsvollen Ausklang mit „Böhmen liegt am Meer”. Die Gedichte, die von Kriegsangst, Verlust, Freiheit, Liebe, deren Scheitern und Selbstbestimmung erzählen, werden von Cellistin Alenka Piotrowicz begleitet mit Stücken (Schönberg, Schumanns „Kreisleriane”, Strauss-Walzer), die in Beziehung zu Bachmann-Texten stehen. Auch Rainer Maria Rilke, dessen Lyrik für Ingeborg Bachmann ebenso prägend war, wie Charles Baudelaires „Blumen des Bösen”, und natürlich Paul Celan, der zu Ingeborg Bachmanns 22. Geburtstag das im Duktus der Zehn Gebote gehaltene Gedicht „In Ägypten” geschrieben hat, sind Teil der losen Assoziationskette.
Zum Stück
„Schatten Rosen Schatten”. Architektur Haus Kärnten (Napoleonstadel) in Klagenfurt. Premiere: 12. Sept., 20 Uhr. Weitere Termine bis 26. Sept. Karten: Tel. 0681 819 26 317; kontakt@wolkenflug.at
