Wiederkehr wegen KI für neue Leistungsbeurteilung an Schulen
In Österreich nutzt laut Umfragen schon die Mehrheit der Jugendlichen KI-Chatbots wie ChatGPT, um Arbeiten für die Schule zu erledigen. Wie diese selbst mit KI umgehen soll, will das Bildungsministerium in einer neuen KI-Strategie festschreiben. Neben Grundsatzfragen soll es darin darum gehen, welche Tools erlaubt sind oder welche Regeln bei Prüfungen gelten. Bildungsminister Christoph Wiederkehr (NEOS) will auch über Anpassungen bei der Leistungsbeurteilung diskutieren.

Hausaufgaben hätten durch die Möglichkeiten der KI weniger Bedeutung als früher. Im Gegenzug sei das Abprüfen, gemeinsame Argumentieren, Präsentieren und Diskutieren im Klassenzimmer viel wichtiger geworden. "Dort ist es auch wesentlich schwieriger, zu schummeln", so der Minister im Gespräch mit der APA. Die Möglichkeiten der Lehrkräfte sind derzeit allerdings beschränkt. In Schularbeitsfächern wie Mathematik etwa sind zusätzliche Überprüfungen wie das Rechnen von einzelnen Hausübungsbeispielen im Unterricht nicht erlaubt, wie AHS-Lehrergewerkschafter Georg Stockinger (FCG) zuletzt gegenüber der APA kritisiert hat.
Wiederkehr möchte den Schulen künftig mehr Freiheiten geben. "Auch ich sehe Anpassungsbedarf bei der Leistungsbeurteilungsverordnung, damit die Schulen hier flexibler und autonomer auch Leistungsbeurteilungen festlegen können", plädierte er für Änderungen. Erste Überlegungen dazu gebe es im Ministerium bereits. "Aber das muss noch breiter diskutiert und auch in der Koalition besprochen werden." Leistungsbeurteilung sei ein sensibles Thema.
Schon für den 6. November fixiert ist die Veröffentlichung der neuen KI-Strategie, die danach laufend angepasst werden soll. Die letzte Version stammt aus 2023. "Wir sehen, dass wir hier ständig adaptieren müssen, um die Chancen der KI fürs Lernen ins Klassenzimmer zu bringen und die Risiken zu minimieren." Unkritische Nutzung von KI könne neben der Lernleistung auch der psychischen Gesundheit schaden, warnte Wiederkehr mit Blick auf Forschung zum Thema. Ein Beirat aus Schüler-, Eltern- und Lehrervertretung sowie Experten soll für die neue KI-Strategie nicht nur die grundsätzliche Haltung zu KI-Tools vorgeben, sondern auch Antwort auf konkrete praktische Fragen liefern und damit den Lehrerinnen und Lehrern mehr Sicherheit geben.
"Grundsätzliche Linie von mir ist, vorher über die KI zu lernen, Kritikfähigkeit zu vermitteln und dann mit der KI zu lernen", so Wiederkehr. Aufklärung brauche es hier schon im Fach Digitale Grundbildung in der Mittelschule und AHS-Unterstufe. Die große Mehrheit der Jugendlichen nutze KI schon unter 14 und das oft auch bei heiklen Themen wie sozialen oder psychologischen Fragen. "Es ist deshalb wichtig, dass die Schule schon früh über KI informiert und die Schülerinnen und Schüler aufklärt." Die Lehrerinnen und Lehrer sieht er dafür gut gerüstet. Es gebe flächendeckende Fort- und Weiterbildungen des Ministeriums, die breit angenommen würden. Die neue KI-Strategie sei eine "zusätzliche Handreichung", die Fragen der Lehrkräfte und auch Schüler beantworten soll.