Menschen mit Farbsehschwäche stoßen im Netz oft auf Hürden
Aus Anlass des Tags der Farbenblindheit am kommenden Sonntag hat Accessiway, ein Anbieter für digitale Barrierefreiheit, auf die speziellen Probleme der von einer Farbsehschwäche betroffenen Personen im Internet aufmerksam gemacht. Laut Aussendung sind es 400.000 Menschen in Österreich, acht Prozent der Männer und ein Prozent der Frauen, die im Netz auf "unüberwindbare digitale Barrieren" treffen. Ein Beispiel dafür ist etwa eine rote Fehlermarkierung.

Das grundsätzliche Problem für Betroffene ist, dass sie nicht alle Farben unterscheiden können, am häufigsten treten Schwierigkeiten bei der Wahrnehmung von Rot und Grün auf. Diese Einschränkung kann dann laut Accessiway schnell zum großen Problem werden. "Besonders tückisch ist, dass es farbenblinde Menschen oft gar nicht bemerken, wenn sie eine Information verpassen, weil sie eine rein farbliche Markierung einfach nicht sehen können. Umso wichtiger ist es, weitere Erkennungsmerkmale zu verwenden", erläuterte Helena Selakovic, Expertin für digitale Barrierefreiheit bei Accessiway.
Zu den häufigsten Hürden gehören etwa Eingaben in Formularfelder, die nur durch rote oder grüne Färbung als fehlerhaft oder korrekt dargestellt werden, aber auch Hyperlinks, die sich nur durch eine leicht abweichende Farbe vom restlichen Text abheben. Ein weiteres Beispiel sind Online-Shops, in denen Produkte nur durch farbige Quadrate ohne Beschriftung zu filtern sind. Insgesamt gebe es für Betroffene Barrieren, die Bankgeschäfte unmöglich machen, notwendige Informationen vorenthalten oder Einkäufe verhindern.
Lösungen wären hingegen Icons bei falsch ausgefüllten Eingabefeldern, unterstrichene Links, beschriftete Farbfelder in Produktfiltern, gemusterte Flächen in Diagrammen und Grafiken. Auch hohe Kontraste zwischen verschiedenen Elementen helfen farbenblinden Menschen, Inhalte korrekt wahrzunehmen. "Das ist auch für Menschen hilfreich, die eine andere Sehschwäche haben oder einfach ihr Smartphone oder Tablet im grellen Sonnenlicht benutzen", so Selakovic.
Laut Accessiway würden viele Unternehmen auf KI-basierte Analysetools zurückgreifen, um so digitale Barrieren zu erkennen und zu beheben. "Diese automatisierten Tools können jedoch häufig nicht unterscheiden, ob eine farbliche Abhebung ohne weiteres Merkmal ein Problem darstellt oder ob diese durch eine ergänzende Beschriftung oder ein Icon völlig in Ordnung ist", warnte die Expertin. Es brauche stattdessen Verständnis für den Kontext einer Website. In der aktuellen Folge von "Ctrl + Alt + Include: The Accessible Podcast" wird die Thematik "barrierefreie Webdesigns für Nutzer mit Farbenblindheit und Sehbehinderungen" ebenfalls behandelt. Der Podcast kann auf Spotify oder YouTube gehört werden.