Kleine Zeitung als bevorzugte Google-Quelle hinzufügen.

Taucher nach Leichenfund im Wörthersee: „Jeder geht anders damit um“

Sylvester Kraßnig fand Leiche im Wörthersee. Wie sucht man überhaupt nach Vermissten, was sind die Herausforderungen und wie verarbeitet man das?

Einsatztaucher im Wasser
© APA / Siegfried Ullrich
Das Bergen von Leichen ist für jeden Einsatztaucher eine Herausforderung (Symbolbild)
Lukas Moser
Kärnten Ressort

Am Donnerstagvormittag endete die Suche nach einer vermissten Frau im Wörthersee tragisch: Ihr lebloser Körper wurde zwischen Loretto und Maiernigg in 13,5 Metern Tiefe gefunden. Vorausgegangen war eine mehrstündige Suchaktion. Sylvester Kraßnig war jener Einsatztaucher, der die Leiche in den Tiefen des Wörthersees gefunden hat.

Sicht als großes Problem

„Die Einsatzkräfte wussten, welche Strecke die Frau üblicherweise geschwommen war, und richteten daran das Suchgebiet aus“, erklärt er im Gespräch mit der Kleinen Zeitung. Unter Wasser werden dafür sogenannte Grundleinen gelegt. Sie dienen den Tauchern als Orientierung und ermöglichen es, einen Bereich systematisch abzusuchen. „Diese Leine war am Seeboden zwischen Loretto und Maiernigg gespannt. Mehrere Taucher bewegen sich nebeneinander entlang dieser Linie, beim aktuellen Einsatz auch mithilfe von Unterwasser-Scootern.“

Sylvester Kraßnig gehört zu den erfahrensten Einsatztauchern Kärntens
© Helmuth Weichselbraun
Sylvester Kraßnig gehört zu den erfahrensten Einsatztauchern Kärntens

Das klingt präzise – unter Wasser sind die Möglichkeiten aber begrenzt. Vor allem die Sichtweite entscheidet darüber, wie breit ein Bereich tatsächlich abgesucht werden kann. Relevant dabei: die sogenannte Sprungschicht. „Sie liegt meist zwischen sieben und 15 Metern, dort sieht man fast nichts“, sagt Kraßnig. Auch am Donnerstag war die Sicht zeitweise äußerst schlecht.

Leichen finden? „Immer ein Schock“

Umso unvermittelter kann ein Fund kommen. „Auf einmal siehst du einfach nur die Hand“, beschreibt Kraßnig den Augenblick, als er auf den leblosen Körper stieß. Für unerfahrene Taucher könne das ein Schock sein. Er selbst habe sich über viele Jahre einen professionellen Umgang damit angeeignet. Eine zweistellige Zahl an Verstorbenen habe er bereits bei Taucheinsätzen gefunden.

Mit dem Fund ist ein Einsatz allerdings längst nicht beendet. Gerade wenn zunächst ungeklärt ist, wie ein Mensch ums Leben gekommen ist, dürfen die Gegebenheiten unter Wasser nicht einfach verändert werden. Im aktuellen Fall wurde der Bereich deshalb zunächst markiert. Ein weiterer Tauchtrupp dokumentierte die Fundstelle, bevor der Körper geborgen wurde. Solche Abläufe werden mit Polizei und anderen Einsatzorganisationen abgestimmt.

Auch die Tiefe entscheidet darüber, wie die Bergung erfolgt. In geringerer Tiefe könne ein Körper von einem oder zwei Tauchern kontrolliert mit an die Oberfläche genommen werden, erklärt Kraßnig. Bei größeren Tiefen werde der Verstorbene hingegen in der Regel gesichert und anschließend mithilfe einer Bergungsleine nach oben gebracht. Der gemeinsame Aufstieg wäre sonst wegen Luftvorrat, Tauchzeit und körperlicher Belastung wesentlich anspruchsvoller.

„Jeder geht anders damit um“

Dass ein untergegangener Körper irgendwann automatisch wieder an die Oberfläche kommt, wie man das landläufig oft hört, sei zudem keineswegs garantiert. Zwar können sich mit der Zeit Gase bilden, die einen Körper aufsteigen lassen. Ob und wann das geschieht, hängt aber unter anderem von Wassertemperatur, Tiefe und Lage des Körpers ab. In größerer Tiefe ist das Wasser kalt, entsprechend langsam können solche Prozesse ablaufen.

Sylvester Kraßnig (links; hier mit Kollege Bernhard Sumper): „Ich gehe nach erfolgter Bergung noch einmal zu den Verunglückten hin und verabschiede mich.“
© Helmuth Weichselbraun
Sylvester Kraßnig (links; hier mit Kollege Bernhard Sumper): „Ich gehe nach erfolgter Bergung noch einmal zu den Verunglückten hin und verabschiede mich.“

Für Einsatztaucher sind auch die Stunden nach einem solchen Einsatz wichtig. Jeder habe eine eigene Art, mit dem Gesehenen umzugehen. Kraßnig hat dafür ein persönliches Ritual entwickelt: „Ich gehe noch einmal zu den Verunglückten hin und verabschiede mich. Aber jeder geht anders damit um.“ Andere Taucher würden das Erlebte vor allem im Gespräch mit Kollegen verarbeiten.

„...es könnte ein Einsatztaucher sein“

Was in der Öffentlichkeit ebenfalls kaum wahrgenommen werde, beginne schon lange vor dem Eintauchen. Denn die Einsatztaucher der Wasserrettung sind Ehrenamtliche. „Vom Rechtsanwalt bis zum Gemeindemitarbeiter“ hätten sie ganz normale Berufe, sagt Kraßnig. Wird ein Taucheinsatz alarmiert, erreicht die Nachricht sie auf dem Privathandy. Dann müssen sie zunächst mit dem eigenen Auto zum Stützpunkt gelangen, bevor überhaupt der eigentliche Einsatz starten könne.

Kraßnig appelliert deshalb auch an andere Verkehrsteilnehmer zu mehr Aufmerksamkeit. „Wer von einem privaten Fahrzeug überholt wird, weiß nicht, ob darin möglicherweise ein First Responder oder ein Einsatztaucher auf dem Weg zu einem Einsatz sitzt“, erklärt er. Noch wichtiger sei das Verhalten gegenüber Einsatzfahrzeugen mit Blaulicht: Nicht abrupt abbremsen oder in einer unübersichtlichen Kurve stehen bleiben, sondern möglichst zügig weiterfahren, bis sich eine sichere Möglichkeit zum Ausweichen bietet.