Nachtschwärmer Alexander Zverev hat mit Zweifeln zu kämpfen
Der Deutsche Alex Zverev kommt bei den US Open an seinen Spieltagen nie vor dem Morgengrauen ins Bett. Das könnte sich bald rächen.

New York ist die Stadt, die angeblich niemals schläft. Alexander Zverev kann das definitiv bestätigen. Nachdem der topgesetzte Deutsche bei den US Open sein Erstrundenmatch gegen den Italiener Lorenzo Sonego nach 4:53 Stunden mit einem 6:4, 3:6, 6:7, 7:5, 6:4-Sieg erst um 1:55 Uhr ins Trockene gebracht hatte, ging es für den Weltranglistenzweiten in der zweiten Runde im „Big Apple“ noch tiefer in die Nacht. So mühte sich der gebürtige Hamburger auch gegen den Franzosen Quentin Halys über fünf Sätze, ehe er nach 4:33 Stunden mit einem 6:4, 4:6, 7:6, 6:7, 6:3 um 2.15 Uhr den Sack zumachen konnte.
Bekanntlich ist es mit dem verwandelten Matchball aber nicht getan, es folgen kurze Platzinterviews, eine Dusche, bei Bedarf eine Massage oder Physio-Einheit, eine Pressekonferenz sowie die Fahrt ins Hotel. Kurz gesagt: Zverev kam an seinen bisherigen zwei Spieltagen nie vor dem Morgengrauen ins Bett. Ob er dann auch sofort ins Land der Träume entschwinden kann, ist nicht bekannt. Fakt ist, der Start in das letzte Grand Slam des Jahres lief für den 29-Jährigen nicht ideal. Natürlich, das Wichtigste war, jeweils als Sieger vom Platz zu gehen. Doch steht außer Frage, dass sich solche ausgedehnten Nachtschichten bei einem so kräfteraubenden Turnier rächen können.
„Ich bin glücklich, dass ich in der dritten Runde bin. Aber wenn ich so weiterspiele, werde ich das Turnier nicht gewinnen“, gab der 25-fache Turniersieger zu später Stunde noch zu Protokoll. Dabei bietet sich Zverev eine große Chance auf seine zweite Grand-Slam-Trophäe nach dem Triumph bei den heurigen French Open, wie er sie so schnell wohl nicht mehr vorfinden wird. Jannik Sinner konnte aufgrund einer Knieverletzung gar nicht in New York antreten, die Gesetzten Felix Auger-Aliassime (3), Novak Djokovic (4) und Alex De Minaur (6) haben sich bereits in den ersten beiden Runden verabschiedet und dass einer der Amerikaner nach mittlerweile 23-jähriger Durststrecke ausgerechnet heuer die US Open gewinnt, ist auch nicht zwingend zu erwarten.
Machbare Gegner bis zum Finale
In der dritten Runde trifft Zverev heute auf den gefährlichen Chilenen Alejandro Tabilo, im Achtelfinale könnte Luciano Darderi warten, im Viertelfinale Botic van de Zandschulp, im Halbfinale Flavio Cobolli oder Taylor Fritz. Unterm Strich also alles keine Hürden, die für ein Tennis-Kaliber wie Zverev nicht machbar wären – natürlich unter der Voraussetzung, dass dem Deutschen nicht schon zuvor die Luft ausgeht oder ihm aus Ermüdung die Augen zufallen. Aber: „Ich fühle mich körperlich gut, der tägliche Gang ins Gym macht sich bezahlt“, betonte der Deutsche vor dem Schlafengehen.
Ein weiteres und wohl entscheidendes Fragezeichen steht aber auch hinter der Form von Carlos Alcaraz. Als Titelverteidiger sollte der siebenfache Grand-Slam-Sieger eigentlich der klare Favorit auf die Trophäe sein. Wäre da nicht die Tatsache, dass der Spanier nach viereinhalbmonatiger Verletzungspause ohne jegliche Matchpraxis zum Tennisspektakel im Stadtteil Queens angereist ist. Zwar konnte „Carlitos“ bei seinen ersten Auftritten nach dem Abschütteln des Rostes durchaus schon wieder überzeugen, doch weiß nicht einmal der Iberer selbst, ob sein Körper schon bereit ist, erfolgreich über die kräftezehrende, zweiwöchige Distanz zu gehen.
Potapova fordert Anisimova
Auch aus österreichische Sicht wird es heute wieder spannend. Nachdem sich bei den Männern Jurij Rodionov in der zweiten Runde dem an Nummer 17 gesetzten Tschechen Jakub Mensik mit 3:6, 6:3, 2:6, 3:6 geschlagen geben musste, hält im Einzel nur noch Anastasia Potapova Österreichs Fahne hoch. Die 25-Jährige trifft in der dritten Runde auf Tagger Bezwingerin Amanda Anisimova.