Kleine Zeitung als bevorzugte Google-Quelle hinzufügen.

Kärntner Alkolenkerin mäht Bildstock nieder: Besitzer muss zahlen

Fahrerin zertrümmerte Bildstock. Versicherung der Alkolenkerin will nicht oder zu wenig zahlen. Besitzer droht, auf Kosten von über 20.000 Euro sitzen zu bleiben.

Trauriges Vorher-Nachher: Der Bildstock mit kleinem Altarraum und das, was davon übrig blieb
Trauriges Vorher-Nachher: Der Bildstock mit kleinem Altarraum und das, was davon übrig blieb
Manuela Kalser
Redakteurin, Bundesland Kärnten

Himmel! Eine Alkolenkerin krachte mit ihrem Auto frontal in einen Bildstock. Das historische Bauwerk mit Altarraum in Ludmannsdorf wurde komplett zertrümmert. Nichts blieb mehr übrig, außer ein Haufen Schutt und Beton. Ein halbes Jahr ist der Unfall mittlerweile her.

Doch bis heute konnte der Bildstock mit Bogendach nicht mehr aufgebaut werden. „Die Wiedererrichtung des Bildstocks mit mehreren Fresken würde laut Kostenvoranschlag rund 29.000 Euro kosten. Doch die KFZ-Haftpflichtversicherung der Alkolenkerin will nur einen kleinen Teil davon zahlen, nämlich 7377 Euro“, sagt Josef Partl, der Besitzer des Bauwerks. Er droht nun, auf Kosten von über 20.000 Euro sitzen zu bleiben.

Partl und sein Schwager Daniel Durnik sind verärgert. Eigentlich war für die beiden von Anfang an klar, dass sie den Bildstock, den ihre Vorfahren errichtet haben, wieder aufbauen werden. Doch nach zig Schreiben an die Versicherung der Alkolenkerin sehen die beiden schwarz. Der Bildstock namens „Mikvavc Kreuz“ wird vielleicht nie wieder aufgebaut, außer der Besitzer zahlt aus eigener Tasche kräftig dazu oder riskiert eine Klage gegen die Versicherung.

1 / 7
Daniel Durnik, der Schwager des Besitzers, nach dem Unfall im März
Daniel Durnik, der Schwager des Besitzers, nach dem Unfall im März © Kulmer

„Ich will wirklich nicht als Bittsteller dastehen. Aber wie komme ich dazu, ohne mein Verschulden, die Restfinanzierung der Wiederherstellung des Bildstocks in der Höhe von rund 22.000 zu übernehmen?“, fragt Partl. Die KFZ-Haftpflichtversicherung argumentiert im Wesentlichen damit, dass sie „nur“ den Zeitwert ersetzt – und der sei im konkreten Fall die 7377 Euro. Die KFZ-Haftpflicht meint mit Berufung auf ein Gutachten zum Bildstock Folgendes: „Da die maximale wirtschaftliche Nutzungsdauer von maximal 60 Jahren offensichtlich erreicht ist, liegt ein Totalschaden vor …“

„Das ist ein Kulturgut!“

Partl ist empört: „Der zerstörte Bildstock ist als Kulturgut anzusehen, Kulturgüter haben im klassischen Sinn keine begrenzte wirtschaftliche Nutzungsdauer.“ Es gebe Bildstöcke, die „mehrere hundert Jahre alt sind“. Nachsatz: „Es ist mir bewusst, dass eine KFZ-Haftpflichtversicherung in der Regel nur den Zeitwert ersetzt, aber ein Bildstock kann doch nicht mit normalen Gebäuden verglichen werden.“ Nachsatz: „Ich erwarte von der Versicherung der Lenkerin eine Nachbesserung der zu ersetzenden Schadenssumme, damit eine Wiederherstellung des Bildstocks überhaupt angedacht werden kann.“

Der Legende nach

Der Legende nach wurde das ursprüngliche Mikvavc-Kreuz übrigens zum Gedenken an ein während der Türkeneinfälle ermordetes weibliches Mitglied der Mikvavc-Familie aufgestellt. Und während des Zweiten Weltkrieges beteten die Dorfbewohner bei dem Kreuz für ihre Angehörigen, die im Krieg waren. „Alle sind wohlbehalten heimgekehrt“, steht auf der Homepage des Bildungswerkes Kleindenkmaeler.at. Wegen der Verbreiterung der Straße wurde das ursprüngliche Kreuz abgerissen. Vor 60 Jahren wurde dann der Bildstock errichtet – bis er auf irdische Art und Weise vernichtet wurde, nämlich durch eine Alkofahrt.

Bildstock

Die 26-jährige Unfallverursacherin, die in den Bildstock gekracht ist, war übrigens schwer alkoholisiert, wie es von der Polizei damals hieß. Sie musste mit Verletzungen ins Krankenhaus geflogen werden.

Der Bildstock wird auf kleindenkmaeler.at so beschrieben: Er hat eine bis zum Boden reichende Nische. Das Bogendach, auf welchem ein Kreuz steht, ist mit Blech verkleidet. Im Inneren befindet sich ein Altar mit Marienstatue, auf der Wand dahinter ist ein Heiligenschein aufgemalt. Der Bildstock ist nach Norden ausgerichtet und frei zugänglich.