Wo in Leibnitz Kinder „Geschichte“ geschrieben haben
Drei Tage lang wurde die Stadtbibliothek Leibnitz zum Freiraum für Kreativität. In der Sommerschreibwerkstatt tüftelten Kinder an ihren eigenen Geschichten.

Alles beginnt hoch oben in den Baumkronen: Ein kleiner Apfel gedeiht und wächst. Als er gerade eine Ameisenstraße auf dem Baumstamm beobachtete, stört ein kräftiges Rütteln seinen Frieden. „Irgendwas packt mich und wirft mich in einen Behälter voller Kollegen“, liest Elena Hörmann. „Und dann passiert es: Ich spüre, wie eine riesige Wucht mich in Stücke reißt. Das ist mein Ende, denke ich.“ Aus ihm wird Apfelmus gemacht.
Schon seit Montag feilt Elena Hörmann aus Wagna an der Geschichte. „Da hab ich in der Früh Apfelmus zum Frühstück gegessen – deswegen die Idee", so Elena. In der kostenlosen Sommerschreibwerkstatt in der Stadtbibliothek Leibnitz konnten Kinder drei Tage lang Ideen sammeln, Handlungsstränge entwickeln und der Fantasie freien Lauf lassen. Organisiert wurde der Workshop von der Jugendliteraturwerkstatt Graz.
Dem Verbrechen auf der Spur
Zwischen Fantasyromanen, Sachbüchern und Comics rauchte auch bei Noelia Fuchs aus Kaindorf der Kopf. Von Anfang an war klar: Es soll ein Krimi werden – es ist ihr Lieblingsgenre. „Meine Oma hat mich dazu gebracht“, erzählt die 10-Jährige. In ihrer dreiseitigen Geschichte dreht sich alles um Jonas Smith, dessen Familie vor zehn Jahren spurlos verschwand. Er will das Verbrechen auf eigene Faust aufdecken. Ganz fertig ist der Text noch nicht – für das Buchcover hätte die Jungautorin aber schon eine Idee: „Es soll eine verlassene Nachbarschaft zeigen und davor Jonas Smith – er hat braune Haare, blaue Augen – und einen kleinen Bart.“

Unterstützt wurden die Kinder von den Workshop-Leiterinnen Lydia Gebker und Marie Pichler. In Vorleserunden gaben die geübten Schreiberinnen konstruktives Feedback. „Manche Details haben sie schon im Kopf, wie Ort oder eine Perspektive, aber noch nicht am Papier. Da helfen wir“, meint Gebker, die selbst in der Jugend an der Schreibwerkstatt teilgenommen hat. Marie Pichler, auch ehemalige Jungautorin, sieht vor allem in der Gemeinschaft das Besondere der Workshop-Tage: „Es ist ein Hobby, das man eigentlich alleine macht. Hier kann man es mit anderen teilen – es entstehen richtige Freundschaften.“

Den Kindern wird weder Thema noch Länge vorgeschrieben – sie sind in ihrer Kreativität völlig frei. Maila Haindl hat am letzten Workshop-Tag mit einer neuen Idee begonnen, eine Erzählung über ihre beiden Katzen. „Die haben wir aus einem Tierheim geholt und ich will erzählen, wie das alles so abgelaufen ist", sagt die 10-Jährige aus Gralla. Meistens schreibt sie aber über Menschen, wie sie erzählt. Ideen holt sie sich dafür in ihren Lieblingsbüchern, wie zum Beispiel der Harry-Potter-Reihe, Krabat oder auch dem Klassiker „Die Wolke“. „Die Bücher sind ja eigentlich schon für ältere Kinder – aber die Mama hat gesagt, wenn ich die Bücher lese, darf ich auch die Filme schauen“, schmunzelt sie.

Nach drei kreativen Tagen kommt das Beste zum Schluss: Im Beisein der Eltern wurden die Geschichten der Jungautoren vorgelesen. „Nächstes Jahr will ich dann meine Geschichte über den Apfel weiterschreiben – die ist noch lang nicht fertig", meint Elena Hörmann.
