Ex-Kika/Leiner-Chef Hermann W. fordert Entlassung aus U-Haft
Sein Anwalt sieht eine mediale Vorverurteilung. Die Staatsanwaltschaft hingegen sagt, Hermann W. habe die Notlage von Hochwasseropfern im September 2024 in betrügerischer Absicht ausgenutzt.
Der frühere Kika/Leiner-Geschäftsführer Hermann W. bestreitet, an Malversationen rund um die Pleite des Möbelhauses beteiligt gewesen zu sein. Er sitzt seit 30. August wegen Betrugsverdachts in U-Haft. Der Vorwurf der Staatsanwaltschaft lautet, die Notlage von Hochwasseropfern im September 2024 in betrügerischer Absicht ausgenutzt zu haben. Sein Anwalt weist die Vorwürfe zurück. Er spricht von einer „medialen Vorverurteilung“ und fordert eine „unverzügliche Enthaftung“.
Die Wirtschafts- und Korruptionsstaatsanwaltschaft (WKStA) hingegen sieht einen erheblichen Schaden für die Kunden, die in gutem Glauben nach dem Hochwasser neue Möbel angezahlt hatten, aber keine Einrichtungsgegenstände erhielten, und auch keine Rückzahlung ihrer Anzahlungen. Laut Oberstaatsanwältin Alexandra Völkel sind zumindest 4700 Kundinnen und Kunden betroffen, die Gesamt-Schadensumme liege bei mindestens 15 Millionen Euro.
Unwetter-Rabatt lockte Kunden
Zur Vorgeschichte: Vor fast zwei Jahren sorgten massive Unwetter für Schäden von über einer Milliarde Euro. Kika/Leiner bot damals unter Geschäftsführer Hermann W. einen Unwetter-Nachlass für Kundinnen und Kunden von 20 Prozent an. Laut WKStA zu einem Zeitpunkt, als die Pleite des Einrichtungshauses schon evident war.
Die mittlerweile pleitegegangene Signa des aktuell ebenso in U-Haft sitzenden René Benko hatte die Kika/Leiner-Immobilien 2023 an den Grazer Immobilienentwickler Supernova verkauft und das operative Möbelgeschäft an den Handelsmanager Hermann W. abgegeben. Kurz darauf meldete das Unternehmen zum ersten Mal Insolvenz an. Nach der zweiten Insolvenz im November 2024 konnte W. weder frische finanzielle Mittel noch einen Investor auftreiben.