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53 gegen einen! Kärntner liefen „Halbmarathon-Weltrekord“

Geoffrey Ronoh benötigte 2014 für 21,1 Kilometer unglaubliche 59:45 Minuten. Kleine Zeitung und KLC schickten 53 Läuferinnen und Läufer gemeinsam auf Rekordjagd. Was als verrückte Idee begann, endete mit einer noch verrückteren Zeit: 55:51 Minuten.

53 Läufer liefen 53 Runden – und blieben unter dem Halbmarathon-Weltrekord
© Peter Rass
53 Läufer liefen 53 Runden – und blieben unter dem Halbmarathon-Weltrekord
Joschi Kopp

Jahr für Jahr kommt in der heimischen Laufszene irgendwann die Sprache auf diesen einen Lauf. Geoffrey Ronoh, 24. August 2014, Kleine Zeitung Wörthersee Halbmarathon: 59:45 Minuten für 21,1 Kilometer. „Ein Jahrhundertlauf“, sagt Österreichs Laufsport-Legende Michael Buchleitner noch heute.

Wie schnell Ronoh damals wirklich war? 2:50 Minuten pro Kilometer. Mehr als 21 km/h – von Velden bis Klagenfurt. Und Jahr für Jahr dieselbe Frage: Wer soll diesen Rekord jemals brechen? Die Antwort war eigentlich immer dieselbe: Einer allein wohl nicht.

„Vielleicht zehn Läufer, jeder macht 2000 Meter?“, überlegten Kleine-Sportchef Albin Tilli und Betina Germann, 20-fache Staatsmeisterin und mittlerweile Obfrau des Klagenfurter Leichtathletik Clubs KLC. Germanns Antwort: „Nie.“ 21 Läufer, jeder einen Kilometer? „Keine Chance.“

Also runter mit der Distanz. 400 Meter. Eine Stadionrunde. Vollgas. Um Ronoh zu schlagen, müsste man 53 solcher Runden hintereinander in jeweils rund 68 Sekunden abspulen. „Das zeigt erst, wie irre Ronoh gelaufen ist“, sagte Germann. „Ein Mann. 53 Runden. 68 Sekunden. Immer wieder. Für uns wird es schwer – aber machbar.“ Also: Gehen wir es an.

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Kärnten läuft - 53 Läufer 53 Runden, Leopod Wagner Arena
Kärnten läuft - 53 Läufer 53 Runden, Leopod Wagner Arena © Peter Rass

Das war am Samstag vor „Kärnten läuft“. Fünf Tage später sollte in der Leopold-Wagner-Arena tatsächlich die Uhr laufen. Schon 53 Frauen und Männer zu finden, die derart kurzfristig Zeit hatten – und vor allem schnell genug waren –, wurde für Germann, Tilli und Leichtathletik-Legende Robert Kropiunik zur ersten Disziplin des Rekordversuchs. „Es war sensationell, wie viele sofort zugesagt haben“, sagt Germann. Ganz auf 53 kamen sie dennoch nicht. Einige erklärten sich deshalb bereit, zweimal anzutreten. Hauptsache, am Ende standen die 21,1 Kilometer.

Während Germann und Tilli noch Ronohs 59:45 im Visier hatten, legte Kropiunik die Latte plötzlich höher. „Wir haben so viele richtig gute Läuferinnen und Läufer dabei. Vielleicht geht sich sogar der Weltrekord aus.“ Und der war gerade erst am 23. August auf 56:51 Minuten gedrückt worden.

„Sensationell, ein Wahnsinn“

Was dann nach den 53 Runden auf der Anzeigetafel der Leopold-Wagner-Arena stand, hätte sich Germann „nicht einmal zu träumen gewagt“: 55:51 Minuten! Ronoh geschlagen. Und selbst die Weltrekordmarke wurde um 59 Sekunden unterboten. „Unglaublich! Natürlich ist das kein echter Weltrekord“, sagt Germann. „Aber was unsere Teilnehmer geleistet haben, war ein Wahnsinn.“ Spätestens in der Schlussphase hielt es kaum noch jemanden ruhig. Es wurde mitgefiebert, mitgezittert und geschrien. ORF-Mann Joe Kohlhofer trieb die Aktiven übers Mikrofon zusätzlich an. „Wie vor allem auch die jungen Mädchen über die Bahn marschiert sind – sensationell“, sprudelt es aus Germann heraus.

Den Anfang machte mit KLC-Athlet Lukas Pullnig gleich ein Doppel-Staatsmeister. „Und wir waren vom Start weg schneller als der Weltrekord“, grinste Kropiunik. Der ehemalige österreichische Sprint-Star musste selbst zweimal ran – und bekam dabei zu spüren, dass 400 Meter auch für einen Sprinter verdammt lang werden können. „Wir trainieren normalerweise keine solchen Distanzen. Für die 100 Meter laufen wir maximal 150, für die 200 maximal 220 Meter. Die Stadionrunde hat mich richtig geschafft.“ Bereut hat er trotzdem nichts: „Ich habe die Idee supercool gefunden. Da mache ich gerne mit.“

Auch Herzog war mit dabei

Eine Frau hob Germann besonders hervor: Eisschnelllauf-Weltmeisterin Vanessa Herzog. Die Sprinterin des LAC Klagenfurt erklärte sich spontan bereit, ein zweites Mal anzutreten – und bekam die ehrenvolle, aber nicht ganz schmerzfreie Aufgabe der Schlussläuferin. Herzog bog auf die Zielgerade ein, die anderen Teilnehmer bildeten ein Spalier, die Uhr lief – und nach 55:51 Minuten war aus einer ziemlich verrückten Idee tatsächlich ein Rekord geworden.

Herzog hatte nicht lange überlegen müssen, als die Anfrage kam. „Albin hat mich gefragt, ob ich mitmache. Ich bin gerade vor zwei Wochen einen 400-Meter-Lauf gelaufen und wusste daher: Das geht, ich bin dabei.“ Dabei steckt die 30-Jährige längst mitten in der Vorbereitung auf die neue Eissaison. Rad-Einheiten, Krafttraining, Sprünge und Skating stehen derzeit auf dem Programm. Vor allem eines stimmt Herzog zuversichtlich: „Mein Rücken hält, ich kann das volle Programm absolvieren. Bisher läuft es heuer bestens.“ Im September geht es für die Wahl-Ferlacherin in Inzell wieder aufs Eis. Und Herzog denkt bereits weiter: „Wenn es keine Verletzungssorgen gibt, kann ich mir vorstellen, bis Olympia 2030 auf dem Eis zu stehen. Dann bin ich 34 – für eine Eisschnellläuferin im besten Alter.“

Eine Stadionrunde Vollgas?

Für Landessportdirektor Arno Arthofer war das eher fremdes Terrain. „Mein Fokus liegt auf zehn und 21 Kilometern. Mit Sprint habe ich nichts am Hut.“ Umso mehr beeindruckte ihn die Dimension des Versuchs: „Dass hier mehr als 50 Leute versuchen, einen Rekord zu schlagen, den ein Einzelner aufgestellt hat, zeigt erst, wie gut die Zeit von Ronoh wirklich war.“ Und noch etwas nahm der Viktringer aus der Leopold-Wagner-Arena mit: „Fast alle hier sind Leistungssportler aus den verschiedensten Teilen des Landes. Das zeigt wieder einmal: Kärnten ist ein Sportland.“

Die Halbmarathon-Weltrekord-Brecher

Vanessa Herzog, Lukas Pullnig, Sebastian Kofler (400 Meter in 50 Sekunden), Fabian Grassl (52), Matthias Altenberger (54), Florian Tschech, Fabian Grassl, Leon Ivantschitsch (alle 55), Elias Berger, Markus Brunner, Matteo Cuoni, Julie Demarne, Maxi Feichter, Elisabeth Golger, Mathias Huber, Merci Kifle, Magdalena Kullnik, Michael Moritz, Marco Ninaus, Tobias Oblak, Manuel Patterer, Andreas Petschar, Nicolas Podgornik, Nikolai Potemkin, Emil Rheina-Wolbeck, Patrick Riepl, Federico Sardei, Christian Schussmann, Felix Schweiger, Siamack Soleymani, Jenny Tilly.