Geheimnis der Fresken in Gitschtaler Kirche gelüftet
Während seines Kuraufenthalts in Weißbriach löste der aus Belgien stammende Kunsthistoriker Stefaan Missinne mehrere Rätsel in Bezug auf die Fresken in der Pfarrkirche.

Der aus Belgien stammende Stefaan Missinne war während seines Kuraufenthals in Weißbriach kunsthistorischen Geheimnissen der örtlichen katholischen Pfarrkirche auf der Spur und öffnete eine geheimnisumwitterte Zeitkapsel. Bisher war die örtliche Kirche in historischer Hinsicht nie ein bedeutendes Thema. Wohl aber der einst florierende Bergbau, der Weißbriach und dem Gitschtal zu einigem Wohlstand verhalf. Ab dem 16. Jahrhundert wurde vornehmlich im Gösseringgraben Gold und Silber geschürft, und das mit angeblich beträchtlicher Ausbeute. Später auch Eisenerze, die gleich in Öfen und Hammerwerken unter anderem zu Blechtafeln verarbeitet und an Werften an die Adria geliefert wurden.

Weißbriach blühte damals auf, der Bergbau lockte Knappen und Bergherren ins Tal. Davon profitierte auch die Pfarrkirche, die künstlerisch hochwertige, aber schwer lesbare Ausgestaltung birgt daher einige Geheimnisse. Etwa die Bedeutung des Sterngewölbes mit seiner besonderen Verzierung in Gelb für Gold und Grau für Silber, dazu die ausdrucksstarken, rätselvollen Fresken mit verschiedenen Jahreszahlen und die Herkunft der Künstler wollte sie weiterhin für sich behalten. Dabei wäre es wohl geblieben, hätte nicht diese Kirche mit dem leicht schiefen Wehrturm und den fensterlosen Schießscharten das besondere Interesse des Kunst- und Kartografiehistorikers Missinne, Kurgast im OptimaMed Kurhotel Weißbriach, erweckt.
„Da passte einiges nicht zusammen“
Der Experte, der zuletzt mit Amerikas ältester kartografischer Geburtsurkunde weltweites Aufsehen erregte, öffnete mit seinen Forschungen gleichsam die Zeitkapsel dieser Kirche. Missinne: „Vor allem die ornamentalen Renaissanceelemente in der Kirche erregten meine Aufmerksamkeit. Warum waren diese so unterschiedlich? Weshalb gibt es mehrere widersprüchliche Datumsangaben: 1520 direkt unter dem Kirchenschiff, aber Fresken mit Datumsangaben aus dem frühen 17. Jahrhundert. Da passte einiges nicht zusammen.“

Missinne suchte nach Erklärungen für die ikonografischen Aspekte dieser historischen Kirche – beginnend von den ornamentalen Rahmen der Spitzbogenfenster, der großen Seraphim- und Cherubim-Köpfe, den Fixsternen bis hin zu den hybrid geflügelten Wesen, die menschliche und tierische Züge vereinen. Mit ihrem reichhaltigen Licht zeigt diese Kirche die biblische Geschichte von Gottes Schöpfung zu Beginn des Zeitalters der Entdeckung der Neuen Welt, mit einer unglaublichen Fülle an Farben und Eindrücken. Ein Fresko zeigt das Fest des Herodes, darunter nicht zuordenbare Stifterporträts, aber auch die protestantische Familie des damaligen Landeshauptmannes Christoph Khevenhüller (1503 bis 1557), der im Gitschtal Bergbauinteressen verfolgte. „Ein Sohn fehlt darauf, der war am spanischen Hof und dazu katholisch“, weiß Missinne.
Er löste auch das Rätsel um die Bedeutung der Würfel am Wandfresko der Marterwerkzeuge beim Kreuz Christi. „Mit dem kreativen Bildspiel der Würfelzahlen hinterlässt der Künstler einen Hinweis auf das tatsächliche Entstehungsdatum des Wandgemäldes von 1530.“ Kirchenpatron Johannes der Täufer muss künftig wohl damit rechnen, dass sich angesichts der kunsthistorischen Bedeutung dieses Kleinodes die alten Angeln der Kirchentüre weit öfter drehen werden.
„Gibt noch zahlreiche Geheimnisse zu lüften“
Dank der großartigen, allerdings noch nicht vollendeten wissenschaftlichen Arbeit, die Weißbriachs Gast Stefaan Missinne, Mitglied des Royal Geographical Society in London, dem Kurort gewidmet hat. Missinne: „Es gibt noch zahlreiche Geheimnisse zu lüften.“ Angeblich ist der nächste Kuraufenthalt mit kunsthistorischer Freizeitbeschäftigung schon gebucht. Pfarrer Bernhard Grabowski, sein 88-jähriger Ministrant Peter Ebner sowie Pfarrgemeinderats-Obmann Harald Brenndörfer und die katholische Pfarrgemeinde sind allesamt jetzt noch mehr stolz auf ihre einzigartige Pfarrkirche.