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Hotelier der Stars: „David Bowie hat sein Bett selbst gemacht“

Manfred Stallmajer zog aus Fürstenfeld aus, um die Welt(stars) in seinen Häusern in Wien willkommen zu heißen. Was der Geschäftsführer des „The Guesthouse Vienna“ bei Hotelaufenthalten selbst am meisten schätzt und warum Johnny Depp seinen Blutdruck steigen ließ.

„Ein guter Hotelier ist verschwiegener als ein Pfarrer“: Manfred Stallmajer in der neu gestalteten „Piccolina Filmbar“
© Tina Herzl
„Ein guter Hotelier ist verschwiegener als ein Pfarrer“: Manfred Stallmajer in der neu gestalteten „Piccolina Filmbar“
Carmen Oster
Regionalbüro Oststeiermark und Garten

Herr Stallmajer, Sie kommen aus Fürstenfeld, sind aber schon jahrzehntelang in Wien Gastgeber mit Leib und Seele. Sie führen unter anderem das Boutiquehotel „The Guesthouse Vienna“ gegenüber der Albertina sowie die „Piccolina Filmbar“, die neu gestaltet wurde. Wie oft geht sich ein Besuch in der Oststeiermark aus und wo trifft man Sie, wenn Sie dort sind?

Ich bin immer noch in engem Austausch mit Freunden und daher immer wieder einmal in Fürstenfeld. Wenn ich da bin, gehe ich gerne zum Buschenschank Tauchmann in Söchau. In Fürstenfeld gibt es ja leider nicht mehr so viele Möglichkeiten. „Das Hermanns“ und „Beim Borckenstein“ sind aber sehr gut.

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© Gerald Berghammer

Sie sind Quereinsteiger. Sie haben nach der Matura als Überbrückung als Nachtportier im SAS Palais Hotel am Ring in Wien gestartet und sind dann in dem Unternehmen gleich die Karriereleiter hoch. Doch zurück zum Start – was erlebt man als Nachtportier?

Viel, denn ein Hotel lebt 24 Stunden. Aber ein guter Hotelier ist verschwiegener als ein Pfarrer. Er bekommt die Geschichten ‚nur‘ erzählt, wir erleben sie live. Einige Anekdoten habe ich dann aber doch in meinem Buch „Hotel Rock‘n‘Roll“ verraten.

Der erste Star, der im „Das Triest“ – wo Sie Hoteldirektor waren – abgestiegen ist, war Joe Cocker. Er hat Ihnen aber auch einiges an Nervenkitzel beschert.

Ja, und zwar weil er nicht zum Pressetermin erschienen ist. Er lag betrunken in seinem Zimmer. Es ist sich aber alles ausgegangen und er hat alles bravourös gemeistert.

Manfred Stallmajer startete seine Karriere als Nachtportier in einem Hotel am Ring in Wien. Was man hier erlebt? „Viel, denn ein Hotel lebt 24 Stunden“
© Tina Herzl
Manfred Stallmajer startete seine Karriere als Nachtportier in einem Hotel am Ring in Wien. Was man hier erlebt? „Viel, denn ein Hotel lebt 24 Stunden“

Zur Person

Manfred Stallmajer (geboren 1967 in Fürstenfeld) ist Geschäftsführer des „The Guesthouse Vienna“, der „Piccolina Filmbar“ sowie Co-Geschäftsführer des Café Prückel welches 2024 mit drei Gesellschaftern übernommen wurde.
Er startete seine Karriere als Nachtportier im damaligen SAS Palais Hotel am Ring.
Mit 24 Jahren war er bereits Director of Sales & Marketing eines Ringstraßenhotels in Wien, mit 27 Jahren stellvertretender Direktor.
1997 übernahm Stallmajer als Direktor „Das Triest“ welches ein Jahr zuvor als erstes Designhotel in Wien eröffnet wurde und leitete es für 15 Jahre; 2000 bis 2002 führte er parallel das Hotel im Palais Schwarzenberg.
2013 eröffnete er als Direktor und Betreiber das „Guesthouse Vienna“ gegenüber von der Albertina in Wien.
Vor Kurzem im neuen Design eröffnet – die „Piccolina Filmbar“, eine Aperitivo Bar.

Die „Piccolina Filmbar“ wurde vor Kurzem in neuem Design eröffnet
© Tina Herzl
Die „Piccolina Filmbar“ wurde vor Kurzem in neuem Design eröffnet

Auch David Bowie war unter Ihren Gästen. Er war der Liebling der Stubenmädchen, weil er sein Bett selbst gemacht hat. Seine „Tagesdosis“ – 20 Espressi und 40 Marlboro. Zu blöd nur, dass das Hotel empfindliche Rauchmelder hatte…

Ja, Bowie hat sein Bett immer selbst gemacht – so wie Al Jarreau. Zu den Rauchmeldern: Sie sind und waren immer ein Thema. Wir konnten die Feuerwehr aber immer früh genug abbremsen, so dass sie nicht in die Zimmer der Stars gestürmt ist. Eine Evakuierung haben wir aber nicht verhindern können. Und die war wegen Johnny Depp.

Was ist passiert?

Es war am 8. Dezember 1998. Johnny Depp und seine Band haben den Feueralarm schon drei Mal vor ihrem Auftritt in den Sophiensälen ausgelöst. Dann meinten sie, es wäre eine gute Idee, den Rauchmelder ganz rauszudrehen. Dazu kam, dass die Wetterlage dazu führte, dass der Rauch des offenen Kamins genau dort hingeweht wurde, wo die Lüftungsanlage des Hotels die Luft angesaugt hat. Die Feuerwehr fand den Fehler nicht und deswegen wurde evakuiert. Wir waren ausgebucht – 120 Personen, die bei Minusgraden im Bademantel vor dem Hotel standen. Da steigt der Blutdruck als Hoteldirektor. Als die Gäste dann aber gesehen haben, dass auch Johnny Depp unter ihnen ist – fanden es die meisten schon wieder lustig.

Johnny Depp und David Bowie: Einblicke ins Gästebuch

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Zur Erklärung: Martin Ohler war der damalige Haustechniker und nach dem von Johnny Depp hervor gerufenen Feueralarm intensiv im Einsatz
Zur Erklärung: Martin Ohler war der damalige Haustechniker und nach dem von Johnny Depp hervor gerufenen Feueralarm intensiv im Einsatz © Schultz und Schirm Bühnenverlag

Es gibt auch tragische Geschichten. Zum Beispiel, wie Sie den Verfall von Amy Winehouse erlebt haben.

Ja, sie war drei Mal bei uns, und man konnte richtig sehen, wie sich ihr Zustand mit der steigenden Bekanntheit verschlechterte. Ganz tragisch: Genau an dem Tag, an dem sie wieder bei uns hätte einchecken sollen, ist sie in London verstorben.

Auch Boybands wie Take That, Backstreet Boys oder NSync waren bei Ihnen zu Gast. Was erlebt man in diesen Fällen mit den Fans?

Take That war schon sehr speziell. Die Hysterie war sehr groß, weil sie kurz vor ihrem Besuch bei uns verkündet haben, dass sich die Band auflösen wird. Jugendliche haben versucht, über die Kellerfenster einzusteigen oder mit der Müllabfuhr in den Müllraum zu kommen. Die Band musste in getarnten Autos wegfahren. Das war 24 Stunden Anspannung.

In wenigen Tagen feiern wir ein trauriges Jubiläum ­– 25 Jahre „9/11“. Auch diesen Tag haben Sie speziell erlebt ­– nämlich mit der Band Depeche Mode.

Ja, sie waren Gäste im Hotel ­– und sehr anspruchsvoll. Und an diesem Tag hörten wir, dass ein Flugzeug ins World Trade Center geflogen ist. Unser Veranstaltungsraum, in dem wir schon einen großen Bildschirm hatten, war gebucht. Ein einziges, sehr kleines Zimmer war frei. Das Personal und ich haben uns dort auf einem Röhrenfernseher die Sondersendungen angesehen. Rund 20 Personen auf 20 Quadratmetern. Und plötzlich steht auch Depeche Mode im Zimmer. Auf einmal gab es nur noch dieses Zusammengehörigkeitsgefühl und all die Aufregung, all die Beschwerden von zuvor, waren vergessen. Wir haben alle gespürt, dass man jetzt zusammenrücken muss.

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In seinem Buch schildert Stallmajer, wie sie nach einem Auftritt Robbie Williams in Wien „verloren“. „Er tauchte erst am nächsten Tag wieder auf. Er habe zwei Mädels kennen gelernt und bei denen sei er dann gewesen“
In seinem Buch schildert Stallmajer, wie sie nach einem Auftritt Robbie Williams in Wien „verloren“. „Er tauchte erst am nächsten Tag wieder auf. Er habe zwei Mädels kennen gelernt und bei denen sei er dann gewesen“ © Schultz und Schirm Bühnenverlag

Sie sprechen immer wieder vom „analogen Service“ – was darf man darunter verstehen?

Ich kriege jeden Tag E-Mails, wo mir irgendetwas mit KI angeboten wird. Dass das Telefon mit KI ersetzt werden kann oder dass die Fragen von Gästen durch die KI beantwortet werden, weil das ja alles besser und schneller ist. Ich oute mich jetzt: Ich halte davon in der Hospitality nichts. Man wird damit austauschbar. Dabei sollte man viel eher sein Profil schärfen.

Eine abschließende Frage: Wenn Sie im Hotel übernachten – worauf achten Sie?

Auf Sauberkeit und Freundlichkeit. Ich bin ein angenehmer Gast. Wenn etwas nicht stimmt, sage ich es direkt und nicht danach über eine Buchungsplattform.

Das Buch

In dem Buch „Hotel Rock‘n‘Roll“, das Manfred Stallmajer gemeinsam mit Autorin Martina Parker geschrieben hat, schildert er seine zahlreichen amüsanten Anekdoten aus dem Leben eines Hoteldirektors, der auch Weltstars zu seinen Gästen zählen darf. (Schultz und Schirm Bühnenverlag, 220 Seiten, 35,95 Euro)

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