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Markus Schirmer, ein alter Soul-Bruder

Der Pianist Markus Schirmer hat sich einmal als Hit-Schreiber betätigt. Beim heurigen Arsonore-Festival in Graz wird dem Rechnung getragen.

Der Pianist Markus Schirmer leitet das Festival Arsonore in Graz
© Christian Jungwirth
Der Pianist Markus Schirmer leitet das Festival Arsonore in Graz
Martin Gasser
Von   und Andreas Stangl

Ab Mittwoch (2. September) ist der Planetensaal im Schloss Eggenberg zum zwölften Mal Schauplatz von Arsonore, dem „internationalen Musikfest der Überraschungen“. Der Abschlussabend am 6. September in der Grazer Oper wartet diesmal mit einer weithin unbekannten Seite von Festivalgründer Markus Schirmer als Komponist von Pop-Hits auf. Eine gute Gelegenheit, ihn in einer Grazer Innenstadtkonditorei zu treffen und ihm diesbezüglich Erhellendes zu entlocken.

Herr Schirmer, die diesjährige Ausgabe von Arsonore steht unter dem Motto „All You Need Is Love“. Die Styriarte hatte heuer „Licht“. Gehen solche Proklamationen nicht ein bisschen an der Realität unserer Welt vorbei?

Markus Schirmer: Überhaupt nicht. Ich stolpere im Internet täglich über Postings. Da geht es nur darum, sich gegenseitig zu beschimpfen, anzugreifen, zu verletzen. Es ist nicht mehr möglich, eine Gesprächskultur zu finden, die sachbezogen ist. Diese Beflegelungen haben eine negative Vorbildwirkung. Genau da müssen wir ansetzen. Es ist mein innerster Wunsch, dem entgegenzuwirken. Nicht spaltende Dinge tun, sondern etwas gemeinsam. Es geht sehr wohl, wenn man will.

Am letzten Abend des Festivals outen Sie sich als hinter einem Pseudonym versteckter Co-Autor von Popsongs, die Sie gemeinsam mit verschiedenen musikalischen Wegbegleitern präsentieren werden. Im Programm ist auch von Hits die Rede. Was waren das für welche?

Zum Beispiel Niddl mit „Perfect Attitude“ – sie war ja eine bekannte Größe bei „Starmania“. Damit waren wir in der Ö3-Hitparade. Dann waren da drei Songs in „Meine Schwester das Biest“ von Reinhard Schwabenitzkiy, gesungen von Sandra Pires, die damals auch die Hauptrolle gespielt hat. Wir hatten sogar einen Song im thailändischen oder vietnamesischen Werbefernsehen. Und noch einiges mehr.

Sie unterhielten eine Songwriter-Partnerschaft mit Kabarettist Gernot Haas als Texter?

Das war vor ungefähr 25 Jahren. Wir sind einfach in medias res gegangen. Ich hatte jenseits der Klassik eine große Platten- und CD-Sammlung, ich mochte damals sehr diese großen, opulent arrangierten Balladen von Whitney Houston, Celine Dion oder Mariah Carey. Ich habe mich beispielsweise für die Songs von Diane Warren, die viel für Toni Braxton geschrieben hat, begeistert. Und irgendwie glaube ich, dass ich ebenfalls sehr, sehr gute Songs geschrieben habe. Wären wir in Amerika gewesen bzw. hätten wir einen guten Agenten gehabt, wären die Songs vielleicht von dem einen oder anderen Künstler genommen worden.

Sie schrieben die Songs damals unter dem Pseudonym Bob Mendelsson. Steckt da eine Anspielung auf Bob Dylan drinnen?

Nein, der steckt nicht drinnen, obwohl ich ihn selbstverständlich auch mag. Aber ich war lustigerweise immer eher im R&B und Soul-Bereich zuhause. Ich habe auch in meiner Freizeit immer wieder mit ein paar Leuten zusammengespielt, auf einem E-Piano. Das war die große Zeit von Earth, Wind & Fire, von George Duke und Herbie Hancock, diese Jazz-Funk-Geschichten und später eben dann diese Balladen und die aufwendig produzierten Sachen von Leuten wie Walter Afanasieff oder David Foster – das hat mich sehr fasziniert.

Zur Person

Markus Schirmer wurde 1963 in Graz geboren. Seit vielen Jahren als Konzertpianist erfolgreich. Seit langem auch Klavierprofessor an der Kunstuniversität Graz. Zahlreiche Platten, solo und mit der Formation Scurdia.
Er leitet das Festival Arsonore, das am Mittwoch auf Schloss Eggenberg beginnt.

Warum überhaupt das Pseudonym?

Ich war beim Publikum eindeutig im klassischen Lager verortet. Die Leute hätten damals nicht viel damit anfangen können, dass ich auf einmal Pop-Komponist bin. Heute ist das weit weniger schlimm – im Gegenteil: Es ist vielleicht sogar spannend, wenn man jemanden sieht, der ein bisserl mehr drauf hat.

Sie haben ja immer schon gerne über den Tellerrand geblickt, Ihr Weltmusik-Projekt Scurdia gibt es seit über 30 Jahren, Sie haben mit Wolfram Berger zusammen gearbeitet, mit Schiffkowitz von STS …

Ich mache so etwas nicht, weil es gerade populär ist oder weil jemand berühmt ist. Es muss einfach eine gute, persönliche, musikalische-künstlerische Wellenlänge geben. Und das kann ein ganz anderes Lager sein, bei Schiffkowitz war es zum Beispiel so. Das, was er macht, macht er bis heute toll, mit seinem Stirnband, mit der rauen Art, Gitarre zu spielen und zu singen. Er ist in jedem Fall authentisch. Das spricht mich an und dann weiß ich: Jetzt wird es lustig, wenn ich jetzt von meiner Seite dann mit meinem klassischen Klavierstil dazu komme, dann entsteht etwas ganz anderes, auch für ihn und letztlich für das Publikum.

Internationales Musikfest Arsonore – 2. bis 6. September, Schloss Eggenberg und Oper Graz; www.arsonore.at