Das Bergfestival an der Petzen begann stürmisch
Wer ein Open-Air-Festival in den Bergen veranstaltet, ist den Elementen ausgeliefert. Wie man organisatorisch gerrüstet damit umgeht, zeigt das ausverkaufte Fuzzstock.

Der Himmel vom Saharastaub eingetrübt, pfeifen warme, teils heftige Sturmböhen über das Festivalgelände und die angrenzenden Park- und Campingplätze des ausverkauften Fuzzstock Bergfestivals. Es ist kurz nach 18 Uhr, die Temperaturen kaum unter 30 Grad. Eine Handvoll Besucher schwimmen im kleinen See neben dem Chalet-Dörfchen, das „Baden verboten“-Schild so mit schwarzem Klebeband umgestaltet, dass sich seine Botschaft umkehrt. Viele Grazer und andere steirische Nummerntafeln sind zu sehen, einige aus Wien, Niederösterreich und darüber hinaus. Vor dem Eingang bildet sich eine Schlange. Dahinter ertönt bereits Musik. Drinnen emsiges Gewusel. Einzelne Bauelemente hat der Wind bereits umgeschmissen – ein schlechtes Vorzeichen für diesen Freitagabend am Fuße der Petzen.

Seit 2019 gibt es das Fuzzstock bereits. Zuerst am Klippitztörl, seit 2023 bei der Talstation der Petzen-Bergbahnen. Mit alpinen Wetterkapriolen hat man Erfahrung. Dennoch macht sich unter den Veranstaltern und Bühnentechnikern angesichts wild im Wind flatternder Bühnenelemente sichtlich Unbehagen breit. Zumindest besteht Handlungsbedarf. Der Auftritt der Band The Zew auf der Hauptbühne wird jäh abgebrochen, das Publikum von Festivalvater Herwig „Fuzzman“ Zamernik auf den Ernstfall eingeschworen: Man möge sich im Fall eines Unwetters gesittet zu den Autos bewegen und darin der Dinge harren. „Wer noch Platz im Auto hat, bitte mittels Warnblinker signalisieren“, ergänzt der Kärntner Musiker (Fuzzman & The Singing Rebels, Naked Lunch).

Video: Sturmböhen und Regen am Fuzzstock
Doch dazu sollte es nicht kommen. Erst gegen 23.15 Uhr beginnen die zwischenzeitlich abgeflauten Sturmböhen mit neuer Kraft den ersten Regen übers Gelände zu peitschen, was viele Gäste dieses teils fluchtartig verlassen beziehungsweise Schutz und Unterstand suchen lässt. Der Auftritt von Endless Wellness war davor schon in den sogennanten Murmale Bau verlegt worden. Der ursprüngliche Zeitplan ist schon längst vom Winde verweht. Dennoch brodelt im Zelt ungetrübt die Stimmung. Nach Nothing Works und Endless Wellness spielen drei Mitglieder von Harsh Response statt des angekündigten Bandauftritts ein alternatives Set.

Doch der geneigte Festivalbesucher lebt nicht von Musik allein. So lobt die Sängerin von Nothing Works die vegan-vegetarischen Optionen am Gelände. Neben zwei Bars, dem Petzen-Nest, einem Kaffeewagen und einem Sauerteigbrotstand wartet ein großer Essensstand mit Veggie-Gyros, Pommes, Linsen-Dal, Kärntner Kasnudeln und pikanten Waffeln auf – interessanterweise betrieben von einer Grazer Softwarefirma mit eigens fürs Fuzzstock angemeldetem Gastrogewerbe. „Wir haben das Gastrogewerbe für drei Tage im Jahr“, erklärt Geschäftsführer Karl Kling, während er emsig Sojastreifen anbrät und Gyros-Wraps rollt. Diese sind gefragt. „Das artet in Arbeit aus“, scherzt er.

Am Sonntag, dem 30. August, endet das mittlerweile weit über die Landesgrenzen hinaus bekannte und zum zweiten Mal ausverkaufte Bergfestival der Alternative-Musik, bei dem vor allem lokale Helfer kräftig mitanpacken. Aber ein Jahr vergeht schnell.
Zum Durchklicken: Fotos vom Fuzzstock 2026
