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Brazilian Jiu Jitsu: Steirerin räumt auf der großen Bühne ab

Die 26-jährige Steirerin Inga Boruch erkämpft schon nach kurzer Zeit internationale Wettkampferfolge im Brazilian Jiu Jitsu – von Graz über Paris bis Rio de Janeiro.

Inga Boruch hält eine Medaille in die Kamera.
© privat
Die Grazerin Inga Boruch holt internationale Wettkampferfolge im Brazilian Jiu Jitsu
Michael Suntinger
Bundesland Steiermark | Graz

Mit beiden Händen packt Inga Boruch den Unterarm ihrer Gegnerin, hebelt ihn über ihre Hüfte, versucht ihn zu brechen. Dann spürt sie drei Klopfer – das Zeichen für Aufgabe. Der Kampfrichter hebt die Arme über den Kopf und winkt den Kampf ab. Alles ist so schnell vorbei, wie es begonnen hat. Boruch gewinnt die Brasileiros – die brasilianischen Meisterschaften im Brazilian Jiu Jitsu. In Rio de Janeiro, der Heimat des Sports.

„Ich sag es ehrlich, das war härter als die Europameisterschaft“, erzählt die 26-jährige Grazerin. „Die Menschen in Brasilien sind wahnsinnig stolz auf den Sport“, sagt sie. Jiu Jitsu ist für viele in Brasilien ein Ticket in die weite Welt. Wer gewinnt, hat die Chance, in den USA zu leben und zu trainieren. „Als Europäerin da rein zu kommen und zu gewinnen, war ein unglaubliches Gefühl“, meint Boruch.

Inga Boruch steht auf einem Podium auf dem ersten Platz und hält eine Urkunde. Um ihren Hals hängt eine Medaille.
© privat
Boruch konnte bereits mehrere Titel bei Europameisterschaften erkämpfen

Ein Gefühl, an das sich die Steirerin mittlerweile schon gewöhnt haben könnte. Denn Boruch räumt ab. Sie holt EM-Titel bei mehreren Verbänden. Am vergangenen Wochenende wurde sie Vizeweltmeisterin in ihrer Klasse. Dabei ist sie noch gar nicht lang dabei. „Jiu Jitsu mache ich erst seit etwas mehr als drei bis vier Jahren, aber ich bin auf der Matte aufgewachsen“, erzählt sie. Seit ihrer Kindheit macht Boruch Judo – Fähigkeiten, die ihr jetzt zugutekommen. Die beiden Kampfstile sind eng miteinander verwandt.

Zweitberuf Pädagogin

Wenn sie nicht versucht, Gelenke zu manipulieren oder Gegnerinnen zu würgen, studiert Boruch Erziehungs- und Bildungswissenschaften. Das mag für manche wie ein Widerspruch klingen, ist es aber gar nicht. In ihrem Verein leitet sie das Kindertraining. Im Training mit Kindern merkt sie, wie viel diese aus dem Sport mitnehmen, sagt sie.

„Kampfsport macht etwas mit Kindern und Jugendlichen“, meint Boruch. Wenn Kinder von klein auf lernen, im geregelten Rahmen zu kämpfen, kontrollieren sie ihre Emotionen, berichtet die Pädagogin. Sie müssten außerdem mentale Stärke entwickeln. „Du bekommst ein Gefühl für deine eigenen Grenzen und für die, deines Gegenübers. Das ist wichtig für die Entwicklung von Kindern und Jugendlichen“, sagt Boruch.

Als Frau in der Minderheit

Historisch betrachtet ist Kämpfen Männersache. Das ist bis heute so. „Egal in welches Gym du gehst, die Männer werden überwiegen“, berichtet Boruch. Sie ist in mehreren Studios in Graz und Wien aktiv. „Das Schöne ist: Es wird immer mehr“, sagt Boruch. In den letzten drei Jahren bemerkt sie, dass mehr und mehr Frauen sich fürs Kampfsporttraining interessieren würden. „Ich glaube, dass das sehr wichtig ist. Gerade Frauen profitieren enorm davon, kämpfen zu können“, sagt sie.

Parallel zu einem Studium kann Boruch ihren Sport auch deshalb auf einem so hohen Leistungsniveau betreiben, weil sie vom Polizeisportverein unterstützt wird. Anfang Oktober macht sich Boruch mit ihrem Team auf nach New York, um dort an den panamerikanischen Meisterschaften, den „Panams“, teilzunehmen.