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In die Villa Marienheim in Gmünd zieht wieder Leben ein

50 Jahre lang lag die 1912 errichtete Villa im Dornröschenschlaf. Erbin Gerda Kohlmayr fing an sie zu restaurieren und öffnet sie nun für Kunst und Kulinarik. Auch ein Museum soll entstehen.

Mehr als ein halbes Jahrhundert war es still in der Villa Marienheim in Gmünd
© Willi Pleschberger
Mehr als ein halbes Jahrhundert war es still in der Villa Marienheim in Gmünd
Willi Pleschberger

Mehr als ein halbes Jahrhundert war es still in der Villa Marienheim. Jetzt öffnet Gerda Kohlmayr die Türen des Gmündner Familienhauses. Die Künstlerin macht daraus einen kleinen, feinen Treffpunkt für Kunst, Kultur und Kulinarik. Errichtet wurde die Villa am Waschanger 1912 von ihren Urgroßeltern Maria und Franz Kohlmayr, nach Maria wurde das Haus auch benannt. Franz Kohlmayr war Wirt des Gasthofes Kohlmayr auf dem Gmündner Hauptplatz. Nachdem Kohlmayrs Großmutter Anna 1973 gestorben war, blieb das Haus über Jahrzehnte ungenutzt. Seit Beginn dieses Jahres wird nun Schritt für Schritt renoviert. „Mein Traum als Erbin der Villa: Es soll zukünftig ein offenes Haus sein“, sagt Kohlmayr. Dabei denkt sie nicht an einen großen Kulturbetrieb. Kunst und Handwerk, Ausstellungen, Lesungen, Musik, Workshops und ein Kulturcafé sollen in einem persönlichen Rahmen Platz finden.

Gerda Kohlmayr öffnet die Türen für Kunst und Kultur
© Willi Pleschberger
Gerda Kohlmayr öffnet die Türen für Kunst und Kultur

Kohlmayr bringt jahrzehntelange Erfahrung mit. Die 1961 in Wien geborene Künstlerin studierte unter anderem Sportwissenschaften, Kunstgeschichte und Völkerkunde sowie Textiles Gestalten, Werkerziehung und Grafik an der Hochschule für angewandte Kunst in Wien. 1987 schloss sie ihr Diplom in der Meisterklasse für Grafik ab. Seit den 1980er-Jahren ist sie freischaffend tätig. Textilkunst, Grafik, Kostümgestaltung, Ausstellungen und Workshops ziehen sich ebenso durch ihre Biografie wie Kunsttherapie und Kulturorganisation.

Ihre Verbindung zu Gmünd wurde in den vergangenen Jahren wieder stärker. 2016 arbeitete sie während eines Sommerateliers in der Künstlerstadt, 2024 schuf sie sich wieder ein Standbein bei ihren väterlichen Wurzeln in Gmünd. Im Vorjahr folgte eine Textilkunst-Sommergalerie, und heuer rückte sie die Villa Marienheim ins Zentrum.

Eine tragende Säule der sechswöchigen „Probezeit“ sind die Kulturcafés am Montag. Jeweils ab 17 Uhr wird die Villa zum ungezwungenen Treffpunkt. Kulinarische Schmankerln werden mit Literatur, Musik, Film und spontanen Begegnungen verbunden. Vieles spielt sich bei Schönwetter unter den schattigen Bäumen im Garten ab. Finanziert werden die Kulturcafés und die auftretenden Künstler über freiwillige Spenden.

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Ein Rundgang durch die über einhundert Jahre alte Villa
Ein Rundgang durch die über einhundert Jahre alte Villa © Willi Pleschberger

Die ersten Abende zeigten bereits die Bandbreite: Buchkunst nach Ernst Jandl, Erinnerungen und Fundstücke aus der Familie Kohlmayr, „G’schichtln rund um die Küche“ samt gemeinsam zubereiteten Kärntner Nudeln sowie eine szenische Lesung des Duos WORT:SPIEL standen auf dem Programm. Und es geht weiter: Am 31. August zeigt Künstler und Musiker Hubert Sielecki seine Experimentalfilme. Zuvor wird feiner Käse serviert, musikalisch begleitet von Sielecki am Dudelsack.

Am 7. September liest der Schriftsteller Thomas Sautner aus seinem Roman „Großmutters Haus“. Dazu gibt es Erdäpfelschmankerln und Wein. Am 3. September lädt Kohlmayr zum Workshop „Materialdruck mit textilen Fundstücken“, bei dem alte Stoffe aus der Villa zu neuen grafischen Arbeiten inspirieren.

„Textilkunst“ im Garten am 12. und 13. September

Einen weiteren Höhepunkt bildet am 12. und 13. September „Textilkunst im Garten“. Jeweils von 10 bis 18 Uhr verwandelt sich das Areal in eine kleine Freiluftgalerie. Textildesigner präsentieren ihre Unikate und zeigen die Vielfalt zeitgenössischer Textilkunst. Auch abseits der Veranstaltungen lohnt sich der Blick in das Haus. Im Erdgeschoß werden Textildesign, grafische Arbeiten und Fundstücke präsentiert. Im ersten Stock entsteht unter dem Motto „So wie es war“ ein kleines Privatmuseum über die Villa und ihre Bewohner zwischen etwa 1915 und 1973.

Die Villa soll kein Museum werden, in dem die Zeit stehen geblieben ist. Vielmehr dient ihre Geschichte als Ausgangspunkt für Neues. Parallel zum Kulturbetrieb wird weiter renoviert. Um das finanziell zu stemmen, verkauft sie einen 500 Quadratmeter großen Teil des Grundstücks. Aus einem Haus, in dem mehr als 50 Jahre Stillstand herrschte, soll dauerhaft ein Ort werden, an dem Menschen zusammenkommen. Aus einem Stück Familiengeschichte wird damit Schritt für Schritt ein neues Stück Gmünd.