Kleine Zeitung als bevorzugte Google-Quelle hinzufügen.

Kärntner Experte für Trump-Zölle und Expansionspläne

Lukas Zitz berät als stellvertretender Wirtschaftsdelegierter Österreichs in New York österreichische Unternehmen beim Sprung über den Atlantik.

Skyline und Tracht: Für Lukas Zitz die Verbindung seiner beiden Lebenswelten
© KLZ / Privat
Skyline und Tracht: Für Lukas Zitz die Verbindung seiner beiden Lebenswelten
Elke Fertschey

Von Russland geradewegs nach Amerika – von Moskau mit kurzem Zwischenstopp in Wien nach New York. Vor dieser Herausforderung stand Lukas Zitz (34) als stellvertretender Wirtschaftsdelegierter Österreichs vor einigen Jahren. Gerade als er sich in Moskau eingelebt und Russisch gelernt hatte, wurde er ein Jahr nach Beginn des Ukraine-Krieges wie - andere Diplomaten ausländischer Vertretungen – als unerwünschte Person ausgewiesen. Es war die Reaktion auf die Ausweisung russischer Diplomaten aus Österreich.

Nachdem er in Moskau österreichische Unternehmen zu Sanktionsfragen und Bedingungen eines Marktausstiegs beraten hatte, macht er nun im „Außenwirtschafts Center New York“ der Österreichischen Wirtschaftskammer das Gegenteil: Er erleichtert österreichischen Firmen den Markteintritt. Zur Verfügung gestellt wird ihnen BootCamp USA, ein viertägiges Intensivprogramm mit Workshops zu Recht, Steuern und Standortwahl mit Einzelberatung und Kontakten zu US-Partnern. Dieses wichtige Instrument des Centers hat der Wirtschaftsdiplomat, der aus dem „300-Seelen-Ort“ Klein St. Veit stammt, maßgeblich mitentwickelt. Seit 2022 gab es siebzehn Durchgänge in New York, Atlanta, Chicago und Miami mit rund 125 österreichischen Unternehmen.

Den Markteintritt zu ermöglichen, ist die zentrale Aufgabe von Zitz
© KLZ / Privat
Den Markteintritt zu ermöglichen, ist die zentrale Aufgabe von Zitz

Die Austrian Trade Commission in der Third Avenue umfasst als Zuständigkeitsbereich neben den USA auch die Amerikanischen Jungferninseln, die Bahamas, die Bermuda-Inseln und Puerto Rico und versucht, österreichische Firmen aufzuklären, wie anders der US-Markt funktioniert. „Viele kommen mit einem starken Produkt, aber ohne realistischen Plan für die Umsetzung“, muss der Betriebswirt oft erfahren. „Die schwierigste Aufgabe ist, in den USA eine qualifizierte Belegschaft aufzubauen und zu halten.“ Hohes Ansehen genieße in den USA, einem für Österreich sehr wichtigen Handelspartner, die österreichische Lehre, die als Erfolgsschlüssel für die Mitarbeiterausbildung gilt.

„Ich habe noch nirgends so viele hochintelligente und erfolgreiche Österreicher getroffen, wie in New York.

— Lukas Zitz, Stellvertretender Handelsdelegierter

„In den USA ist Österreich als Nischenplayer sehr erfolgreich“, sagt Lukas Zitz. Ein Beispiel dafür sei die Kärntner Kostwein Group, die Maschinen für die Verpackungsindustrie liefert. Gefragt sei heimisches Know-how vor allem in der Automatisierung, im Maschinenbau und in der Holzindustrie. Er habe „noch nirgends so viele hochintelligente und erfolgreiche Österreicher“ wie in New York kennen gelernt, erzählt der Weltkärntner. In den USA betrachte man Konkurrenz als belebend und beurteile Menschen nach dem Erfolg. „Das Alter spielt dabei keine Rolle“.

Die Leidenschaft für die Ziehharmonika nahm er mit nach Amerika
© KLZ / Privat
Die Leidenschaft für die Ziehharmonika nahm er mit nach Amerika

Der „Überlebenskünstler an jedem Ort“ wohnt ganz in der Nähe seines Büros in Midtown East, einer Gegend, in der viele leben, die einen kurzen Arbeitsweg schätzen. Hier zeige sich New York, wie man es kennt, erzählt er: laute Sirenen, reges Treiben, sobald man vor die Tür tritt und die hellen Lichter der Hochhäuser rundherum. „Der Schlaf leidet dadurch sicher ein wenig, aber es ist unglaublich spannend, in dieser pulsierenden Stadt zu leben“, sagt er. Besonders begeistert ihn, dass in New York Menschen aus der ganzen Welt leben und man buchstäblich jede Küche des Globus direkt vor der Haustür findet. „Mein persönlicher Favorit ist die thailändische Küche“. Auch das Kunst- und Kulturangebot findet er herausragend. „Besonders beeindruckend ist die jährliche Zauberflöten-Inszenierung an der Metropolitan Opera“.

Zum Studieren ins Ausland

Der Weg in die internationale Welt begann für den Tennis- und Skisportfan schon während der Schulzeit in Klagenfurt, wo er an der HAK 2 International den Zweig Digital Business und Spanisch als Freifach wählte, beim Sprachenwettbewerb Bundessieger wurde und als Einziger in Spanisch maturierte. Darauf folgten Auslandspraktika auf Gran Canaria und in Costa Rica. Neben dem Studium der Internationalen Betriebswirtschaft in Wien lernte er Portugiesisch, was er in São Paulo erprobte. Den Master in Internationaler Politik schloss der polyglotte Akademiker an der City University of London mit Auszeichnung ab. Seine Master-Arbeit bezog sich auf die wirtschaftliche Integration Europas durch den Euro.

Zitz bezeichnet sich selbst als „Überlebenskünstler an jedem Ort“
© KLZ / Privat
Zitz bezeichnet sich selbst als „Überlebenskünstler an jedem Ort“

Beruflich führte ihn der Weg zunächst als parlamentarischer Mitarbeiter im Bereich Digitalisierung, Forschung und Innovation nach Wien, danach in die Unternehmensberatung, wo er unter anderem grenzüberschreitende Übernahmen und Standortanalysen begleitete. Als er eines Tages einen Zeitungsartikel über einen Wirtschaftsdelegierten las, wusste er, was er werden wollte. Prägend war für den Wirtschaftsdiplomaten auch die Landjugend, für ihn ein „Super-Verein für den ländlichen Raum“. In New York spielt Lukas Zitz noch immer gerne Ziehharmonika und hat einen vierstimmigen Kärntner Chor gegründet, gemeinsam mit zwei Österreichern und einem Amerikaner. „Der Heimat fühle ich mich immer noch sehr verbunden“.

Die Redegewandtheit erprobte er schon bei der Landjugend
© KLZ / Privat
Die Redegewandtheit erprobte er schon bei der Landjugend