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Kölnerin bringt Second-Hand-Mode ins alte Postamt Straß

Im leeren Postamt von Straß in der Steiermark ist neues Leben eingekehrt: „Bettis Kleidergalopp“ verbindet Second-Hand, Reitsport und regionales Handwerk.

Bettina Pražnikar eröffnete im alten Straßer Postamt „Bettis Kleidergalopp“
© KLZ / Sarah Romauch
Bettina Pražnikar eröffnete im alten Straßer Postamt „Bettis Kleidergalopp“
Sarah Romauch
Redakteurin Regionalredaktion Leibnitz und Deutschlandsberg

Dass hier einmal Briefe aufgegeben und Pakete abgeholt wurden, daran erinnert auf den ersten Blick kaum noch etwas. Pullover, Hosen, T-Shirts stehen gestapelt in Regalen, links neben dem Eingang hängt ein Brett, an dem Häferl getauscht werden können, gleich gegenüber liegen Spiele. Das frühere Postamt in Straß in der Steiermark steht nicht mehr leer – denn „Bettis Kleidergalopp“ ist eingezogen.

Ein Second-Hand-Laden mit Fokus auf Kinder- und Jugendbekleidung und Reitaccessoires: Die Idee dazu entstand, als Bettina Pražnikar auf der Suche nach einem passenden Standort auf das seit zehn Jahren leerstehende Gebäude stieß. „Ich bin ein echter Gefühlsmensch – und hier hat es einfach sofort bei mir gefunkt“, erzählt die 47-Jährige.

Kurz darauf kündigte sie ihren bisherigen Job als IT-Supporterin einer großen Autoglasreparatur. Vier Monate lang wurde täglich saniert, renoviert und eingerichtet.

Second-Hand und lokale Handwerkskunst

Seit Ende August finden sich im ehemaligen Schalterraum Kleidung für Babys und Kinder bis Größe 146, dahinter folgt die Jugendabteilung. Das Prinzip ist einfach: Die Besitzer bringen das Gewand vorbei, Bettina bietet es im Geschäft an, der Verkaufserlös wird anschließend geteilt. Auch die regionale Kreativszene findet Platz. Handwerkskünstler stellen ihre Produkte aus – Makramé, Bilder und kleine Figuren sind bereits zu sehen.

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Im ehemaligen Schalterraum befindet sich Second-Hand-Kleidung für Kinder
Im ehemaligen Schalterraum befindet sich Second-Hand-Kleidung für Kinder © KLZ / Sarah Romauch

Das „Galopp“ im Firmennamen kommt nicht von ungefähr: Weiter hinten im Geschäft dreht sich alles ums Pferd. Sättel, Zaumzeug, Reitstiefel, Pferdedecken und Reitbekleidung warten auf neue Besitzer. Bis auf die Sättel ist alles gebraucht. Gerade bei Kindern sei Second-Hand-Reitzubehör sinnvoll, meint Bettina: „Die wachsen da so schnell raus.“ Das weiß die gebürtige Kölnerin nur zu gut – mit neun Jahren begann sie selbst zu reiten. Als sie vor 15 Jahren beruflich in die Steiermark zog, war klar: der Reitsport kommt mit. Heute hält sie zuhause sechs Ponys.

Postamt neu gedacht

Den Charme des Gebäudes will Bettina aufrechterhalten: Die alten Telefonzellen des Straßer Postamts will sie zu Kleiderkabinen umfunktionieren. Im riesigen eingemauerten Safe im hinteren Teil des Ladens will sie Dinge ausstellen. „Da müssen wir aber zuerst noch den Schlüssel finden“, lacht Bettina. Künftig sollen vor Ort auch Workshops stattfinden – etwa Nähkurse, Kräuterworkshops oder Upcycling-Angebote.

Bettina sieht den Weg in die Selbstständigkeit als tapferen Schritt. „Ich bin einfach ein bisschen bekloppt – aber den Mutigen gehört eben die Welt.“

Die alten Telefonzellen sollen zu Umkleidekabinen umfunktioniert werden
© KLZ / Sarah Romauch
Die alten Telefonzellen sollen zu Umkleidekabinen umfunktioniert werden