US-Mutter erdrosselt ihre drei Kinder - und hat Hunderte Unterstützer
„Extreme Grausamkeit und Brutalität“ oder schuldunfähig? - Hunderte setzen sich für Angeklagte ein.

Ein Prozess gegen eine Mutter, die ihre drei Kinder tötete, hat in den USA eine breite Debatte über psychische Erkrankungen nach der Geburt ausgelöst. Nach vier Wochen Verhandlung stritten Anklage und Verteidigung in ihren Schlussplädoyers darüber, ob die Angeklagte Lindsay C. bei der Tötung ihrer Kinder schuldfähig war.
Lindsay C. hat im Jänner 2023 ihre drei Kinder im Alter von 5 Jahren, 3 Jahren und 8 Monaten im Keller ihres Hauses mit Fitnessbändern erdrosselt. Den Vater der Kinder hatte sie vorher gebeten, Abendessen und Medizin zu besorgen.

Sie selbst fügte sich laut Aussagen bei Gericht Schnittwunden zu und stürzte sich aus dem Fenster ihres Einfamilienhauses, überlebte und sitzt seither im Rollstuhl. Während der vierwöchigen Verhandlung brach die 36-Jährige wiederholt schluchzend zusammen – etwa, als eine Gerichtsmedizinerin erklärte, wie der Tod durch Erdrosselung vonstattengeht.
„Extreme Grausamkeit und Brutalität“ oder schuldunfähig?
Die Staatsanwaltschaft argumentiert, C. habe die Morde an ihren Kindern geplant, ohne zu bestreiten, dass die Angeklagte psychisch krank sei. Die Taten zeugten von „extremer Grausamkeit und Brutalität“, so die Staatsanwältin. Die Verteidigung argumentierte, sie sei schuldunfähig. Im Schlussplädoyer argumentierte der Anwalt, sie sei übermedikamentiert gewesen und habe an einer schweren Wochenbettpsychose gelitten. Nun beraten die Geschworenen über eine Entscheidung. Sie könnte zu lebenslanger Haft verurteilt werden.
Experten zufolge ist die Wochenbettpsychose die schwerste Form der psychischen Erkrankung nach der Geburt und recht selten. Von 1.000 Müttern sind etwa ein bis zwei betroffen. Mehrere Zeugen sagten aus, die Angeklagte habe ihnen nach der Tat gesagt, eine Männerstimme in ihrem Kopf habe sie dazu aufgefordert, die Tat zu begehen.
Hunderte setzen sich für Angeklagte ein
Vor Gericht hatte der Vater der Kinder und mittlerweile Ex-Mann der Angeklagten ausgesagt, Lindsay C. habe seit der Geburt der Kinder mit Depressionen und Angstzuständen gekämpft und Medikamente genommen, am Tag der Tat aus seiner Sicht aber einen ihrer „besten Tage“ gehabt. Sie habe „glücklich“ auf ihn gewirkt und viel mit den Kindern gespielt. Er fand seine Frau mit Schnittwunden vor dem Haus und die toten Kinder im Keller des Hauses, nachdem er von Besorgungen zurückgekehrt war.
Der Fall hat in den USA große Wellen geschlagen. Tausende Menschen - hauptsächlich Frauen - drückten Lindsay C. im Netz ihr Mitgefühl aus und berichteten von eigenen Erfahrungen mit psychischen Problemen nach der Geburt. Vor dem Gerichtsgebäude versammelten sich zuletzt Hunderte Unterstützerinnen, viele von ihnen in Rosa gekleidet. Viele von ihnen argumentieren, Lindsay C. sei vor der Tat nicht ausreichend geholfen worden.