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Mysteriöse Verkaufsanzeige für Schloss Bayerhofen in Wolfsberg

Schloss Bayerhofen in der Wolfsberger Innenstadt hat Landwirt Franz Tatschl 2019 gekauft und plante ein Hotel und Restaurant. Dass es nun um 6 Millionen Euro zum Verkauf stehen soll, davon weiß er nichts.

Ein gelbes Schloss umgeben von einer hohen Mauer, daneben sieht man den Turm der Markuskirche
© Bettina Friedl
So präsentiert sich Schloss Bayerhofen im Stadtzentrum von Wolfsberg heute
Bettina Friedl
Teamleiterin Regionalredaktion Lavanttal & Völkermarkt

Ein Immobilien-Exposé, gehalten in englischer Sprache, heizt die Gerüchteküche an: Mit dem Titel „Historical City-Castle with Park“ (übersetzt: Historisches Stadt-Schloss mit Park) wird Schloss Bayerhofen in Wolfsberg um 6 Millionen Euro netto zum Kauf angeboten. Die Gesamtfläche ist mit 13.000 Quadratmetern angegeben, die Schlossfläche selbst mit 2420 Quadratmetern, verteilt auf zwei und stellenweise drei Geschoße. Interessenten können sich schriftlich an ein Unternehmen mit Sitz in den Vereinigten Arabischen Emiraten wenden, ein Nachweis über die Kreditwürdigkeit wird verlangt. So steht es im 11-seitigen Exposé, das der Kleinen Zeitung zugespielt wurde. Öffentlich zu finden ist es nicht, offenbar wird es „finanzkräftigen“ Personen exklusiv zugestellt.

„Keinen Verkaufsauftrag erteilt“

Auch Entwicklungsmöglichkeiten sind darin enthalten: Angefangen von einem Restaurant über ein Hotel bis hin zu einer Tiergarage mit 120 Stellplätzen. So weit, so gut. Aber: Der Besitzer weiß nichts davon. „Das Schloss Bayerhofen ist seit 2019 in meinem Besitz und ich habe keinerlei Verkaufsabsichten. Und ich habe auch niemandem einen Verkaufsauftrag erteilt“, stellt Landwirt Franz Tatschl aus St. Paul gegenüber der Kleinen Zeitung klar und bittet um die Weiterleitung der Verkaufsanzeige.

An der Fassade von Schloss Bayerhofen nagt der Zahn der Zeit
© Bettina Friedl
An der Fassade von Schloss Bayerhofen nagt der Zahn der Zeit

Beim Telefonat am nächsten Tag sagte Tatschl: „Ich habe das angegebene Unternehmen angeschrieben und aufgefordert, das zu unterlassen. Immerhin habe ich mit niemandem eine Vereinbarung und beabsichtige auch nicht, Schloss Bayerhofen zu verkaufen“, so der Landwirt, der mit dem Hof vulgo Weninger beziehungsweise der „Tatschl Produktions GmbH“ in St. Paul mit 85.000 Hühnern als einer der größten Eierproduktions- und Legehennenbetriebe Kärntens gilt.

Mit 6 Millionen kriegt man keinen Käufer. 

— Franz Tatschl, Schlossbesitzer

Vor wenigen Tagen habe Tatschl einen Anruf bekommen – „von jemandem, der Hotelausstattungen macht. Ich habe mich noch gewundert, wieso ich jetzt angerufen werde“, so der Schlossbesitzer, der sich den Anruf nun mit der Verkaufsanzeige erklärt. Inzwischen weiß Tatschl, wer hinter der Anzeige steckt: „Vor einem Jahr hat sich dieses Unternehmen gemeldet, weil sie in das geplante Hotel im Schloss investieren wollten. Präsentiert haben sie sich damals als Investoren aus Dubai, aber scheinbar sind sie Immobilien-Vermittler und wollen mitschneiden“, sagt der Landwirt, der außerdem die geforderten 6 Millionen Euro übertrieben findet. Um wie viel er das 1239 erstmals urkundlich erwähnte Schloss im Jahr 2019 erworben hat, ist nicht bekannt. Aber: „Mit 6 Millionen kriegt man keinen Käufer.“ Nachdem ich die Herrschaften nun angeschrieben habe, dass sie das zu unterlassen haben, werden sie die Verkaufsanzeige wohl löschen“, sagt Tatschl.

Zu Schloss Bayerhofen gehört eine große Parkanlage
© Bettina Friedl
Zu Schloss Bayerhofen gehört eine große Parkanlage

Verkaufen will Tatschl das Schloss Bayerhofen also nicht. Den Kauf sah er damals „als Herausforderung, ein ehrwürdiges Schloss mit bewegter Geschichte mit neuem Leben zu erfüllen“. Aber wie steht es mit den Umbauplänen? Immerhin war in der Vergangenheit von einer 22-Millionen-Euro-Investition in ein 180-Betten-Hotel, in Wohnungen und in ein Restaurant mit 100 Sitzplätzen die Rede. Inzwischen ist der Unternehmer ernüchtert. Mit mehreren Plänen sei er bei den Behörden abgeblitzt, außerdem hätten Genehmigungsverfahren immer wieder für Verzögerungen gesorgt. Und auch das Bundesdenkmalamt hat ein Wörtchen mitzureden – immerhin steht ein Teil des historischen Gemäuers unter Denkmalschutz.

Das Schloss Bayerhofen ist seit 2019 in meinem Besitz und ich habe keinerlei Verkaufsabsichten. 

— Franz Tatschl, Schlossbesitzer

Wie es weitergehen soll? „Es wird jetzt einmal alles so stehen gelassen und abgewartet. Die Politik hat alles zerstört, immer wieder gehen Bauträger und Immobilienfirmen pleite. Der ganze Immobilien-Markt bricht gerade ein, deshalb können wir nicht abschätzen, was in zwei Jahren benötigt wird“, sagt Taschl. „Die Auflagen werden immer größer, mit der Finanzierung wird’s immer schwieriger, die Banken stellen Kredite fällig“, zählt der Landwirt auf, der auch bei anderen Immobilien-Objekten beteiligt ist. „Wir werden den Markt beobachten und dann entscheiden, was wir umsetzen wollen. Seit der Corona-Pandemie haben wir immer auf einen Aufschwung gehofft, aber die Politik hat alles vernichtet“, wiederholt er, um seinen Grant auf die politischen Entscheidungsträger zu betonen.

„Für Hotel und Restaurant hatten wir bereits interessierte Betreiber, aber sie haben sich zurückgezogen. Momentan ist die Zeit für Investitionen schlecht, immerhin stehen derzeit viele Hotels zum Verkauf“, erklärt der Landwirt und fügt hinzu: „Das Schloss Bayerhofen ist jetzt die letzten 800 Jahre hier gestanden, wenn jetzt noch ein paar Jahre nichts passiert, ist es auch schon wurscht. Mir ist wichtig, dass das Dach dicht, der Garten gemäht und alles sauber ist. Mehr wird in nächster Zeit nicht passieren.“

Das Schloss Bayerhofen ist jetzt die letzten 800 Jahre hier gestanden, wenn jetzt noch ein paar Jahre nichts passiert, ist es auch schon wurscht.

— Franz Tatschl, Schlossbesitzer
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Früher war Schloss Bayerhofen besser einsehbar, doch in den 90er-Jahren wurde der Holzlatten-Zaun durch eine hohe Mauer ersetzt
Früher war Schloss Bayerhofen besser einsehbar, doch in den 90er-Jahren wurde der Holzlatten-Zaun durch eine hohe Mauer ersetzt © Museum im Lavanthaus/Das Lavanttal in alten Ansichten