Pächterin der Stoakoglhütte: „Die Alm hat ihre eigenen Gesetze“
Seit 20 Jahren hat Martina Gohla die 250 Jahre alte Stoakoglhütte auf der Sommeralm gepachtet. Sie erzählt, welche eigenen Gesetze die Alm schreibt und warum die Gastro ihr bester Lehrer war.
Der Wind faucht durch den kühlen Morgen. Kuhglocken läuten in der Ferne. Leer ist der Parkplatz – noch. Die Ruhe vor und nach dem großen Ansturm ist das, was Martina Gohla nicht missen möchte. „Es ist das Gefühl vor und nach den Menschen“, sagt sie. Seit 20 Jahren hat die gebürtige Linzerin die bekannte Stoakoglhütte auf der Sommeralm gepachtet.
35 Jahre Gastro-Erfahrung bringt sie mit. Sie hat die Hotelfachschule absolviert, war auf Saison, auch im Ausland. Das Jus-Studium ließ Gohla für die Stoakoglhütte sausen. „Mein Mann und ich, wir sind mittlerweile getrennt, haben uns damals auf die Hütte beworben und den Zuschlag bekommen“, erzählt die 52-Jährige, die die Hütte seit drei Jahren alleine betreibt.

Einfach war der Anfang nicht. 14 Tage nach der Geburt ihrer ersten Tochter stand die heute zweifache Mama bereits wieder in der Hütte. Zwischenzeitlich hat die Familie auch über der Stube gewohnt. Mittlerweile wohnt Gohla in Weiz.
Geprägt habe sie die Zeit als Wirtin in der Almhütte vor allem menschlich. Zweifel wurden Gohla, die sich selbst oft als Fremde in der Steiermark fühlte, entgegengebracht. „Damit konnte ich aber gut umgehen und dachte mir: Jetzt erst recht“, sagt die 52-Jährige und lacht. „Ich musste viel improvisieren und profitiere heute von dem Netzwerk, das ich mir aufgebaut habe.“
Eigene Gesetze auf der Alm
Und das vor allem in den nicht so guten Zeiten: Das große Problem der Branche ist nach wie vor das Personal. „Die Ansprüche haben sich verändert. Wir haben früher im Hendlstall geschlafen. Heute hat das Personal schönere Zimmer als der Gast.“ Sie habe manchmal das Gefühl, Bewerber vergleichen die Arbeit auf der idyllischen Hütte mit Urlaub.
Auch Corona nahm die Branche in die Mangel. Gohla konnte der Ausnahmesituation aber auch Positives abgewinnen. „Die Gastro ist viel strukturierter geworden. Du musst nicht mehr 15 Stunden am Tag hier sein. Wir haben Öffnungszeiten, am Montag ist Ruhetag. Wir konzentrieren uns auf Frühstück und Mittag, sperren um 9 Uhr auf und um 17 Uhr zu“, sagt Gohla. Die Gäste hätten sich daran gewöhnt.
Trotz allem: „Die Alm hat ihre eigenen Gesetze. Man muss flexibel sein. Die Speisen müssen einfach, regional und frisch sein. Und ganz wichtig: Die Leute wollen den Chef sehen.“ Und ob die Hütte nun voll oder leer ist, bestimmt meist das Wetter. Gohla appelliert: „Jeder sollte einmal in der Gastro gearbeitet haben. Es prallen so viele verschiedene Situationen auf einen ein. Man lernt viel für sich selbst.“
Und über andere: „Bei uns im Almenland kehrt jeder ein. Vom Bauern, der gerade nach seinem Vieh sieht, bis zur Frau aus der Stadt mit High Heels.“ Ein Kontrast, den die Wahl-Steirerin nicht verurteilt: „Bewerte niemanden. Jeder hat seine Geschichte. Das hab ich hier gelernt.“
Platz gefunden
Was die Geschichte hinter der Stoakoglhütte ist und was sie mit der bekannten Musikgruppe, den Stoakoglern aus Gasen, zu tun hat? „Nicht viel. Die Hütte steht am Stoakogl (Anm.: Steinkogel, ein Nebengipfel des Plankogels)“, weiß Gohla und lacht. Doch eingekehrt seien die Stoanis schon mehrmals.
Die Hütte stammt aus dem 18. Jahrhundert und ist somit 250 Jahre alt. „Sie stand einst in Strallegg. Dort wurde sie ab-und auf der Sommeralm wieder aufgebaut.“ Während in der Hauptsaison zwischen April und November Gäste vor allem für die Knödel und den hausgemachten Waldbeerstrudel einkehren, kann es im Winter ungemütlich werden. „Die Hütte hat keine Dämmung. Geht der Wind, wackeln die Vorhänge“, sagt Gohla.
Was ihr am meisten fehlen würde, könnte sie nicht mehr in der Stoakoglhütte stehen, ist kein Ort, kein Platzerl, sondern ein Gefühl: „Am meisten würde ich die Leute und die Begegnungen vermissen. Den gewaltigen Sternenhimmel, den Start in den Tag und das Gefühl am Abend, wenn alles funktioniert hat.“
Nach 20 Jahren als Hüttenpächterin auf der Sommeralm hat die „Zuagroaste“ ihren Platz gefunden. Den möchte sie auch behalten. Anfang November feiert Gohla Saisonschluss sowie ihren Geburtstag. Dann startet sie ihren Winterjob als Skilehrerin, ehe es im Frühjahr wieder auf die Stoakoglhütte geht.