Pfarrer Vinzenz Schager: „Hätte gerne mehr Zeit für die Menschen“
Der gebürtige Leobener Vinzenz Schager übernahm im September 2025 mit 31 Jahren vier Ennstaler Pfarren. Bis heute ist er der jüngste Pfarrer der Steiermark.
Sie stehen nun seit einem Jahr den Pfarrgemeinden Gröbming, Kleinsölk, Öblarn und St. Martin am Grimming vor. Wie fällt Ihre Bilanz aus?
Die Zeit ist so schnell vergangen, ich kann gar nicht glauben, dass es schon ein Jahr ist. Meine Bilanz fällt sehr positiv aus, ich bin sehr dankbar. Ich hätte mir nicht gedacht, dass ich so schnell so viele Menschen kennenlerne. Mein Manko ist, dass ich mir Namen nicht so gut merke. Ich versuche jetzt, das zumindest bei denen, die sich in den Pfarren engagieren, hinzukriegen.
Viel weiter zurück als Ihr Amtsantritt im Ennstal liegt der Wunsch nach einer geistlichen Laufbahn? Können Sie sich noch erinnern, wann Sie diesen erstmals verspürt haben?
Es gibt eine Geschichte, an die ich mich selbst aber nicht erinnern kann. Wenn sie nicht stimmt, dann ist sie aber zumindest gut erfunden. Angeblich habe ich schon im Kindergarten einer Reinigungskraft erzählt, dass ich Pfarrer werden will. Meine erste wirkliche Erinnerung an den Wunsch stammt aus der Volksschulzeit. Am Beruf des Pfarrers haben mich von Anfang an die vielfältigen Aufgaben, die von der Feier der Messe bis hin zur Verwaltung reichen, fasziniert.
Zur Person
Vinzenz Schager ist am 24. Dezember 1993 in Leoben geboren und dort im Stadtteil Göss in einer Gastronomenfamilie aufgewachsen. 2015 trat er in die Gemeinschaft der Benediktiner von Admont ein, 2016 legte er die zeitliche, 2019 die ewige Profess ab. 2021 wurde er zum Priester geweiht.
Nach vier Jahren als Kaplan im Liesingtal übernahm er am 1. September 2025 im Alter von 31 Jahren die Leitung der Pfarrgemeinden Gröbming, Kleinsölk, Öblarn und St. Martin am Grimming. Er war damals und ist auch heute noch der jüngste Pfarrer der Steiermark.
Warum der Eintritt in einen Orden und nicht eine Laufbahn als Diözesanpriester?
In Leoben-Göß war mit Pater Clemens ein Admonter Mitbruder Kaplan. Er hat mich immer wieder einmal nach Admont mitgenommen. So habe ich das Kloster dort kennengelernt. An Admont haben mich immer die Gemeinschaft und die Vielseitigkeit fasziniert. Und der innovative Geist, der dort herrscht, dass es dort kein Kennen-wir-nicht, Machen-wir-nicht, Haben-wir-noch-nie-so-gemacht gibt.
Ihr Taufname lautet eigentlich Erwin Thomas. Wie sind Sie zu Ihrem Ordensnamen gekommen?
Man kann drei Namen vorschlagen, der Abt sucht dann einen aus. Meine Vorschläge waren Vinzenz, nach dem heiligen Vinzenz Pallotti, Philipp und Paulus. Der Buschfunk in Admont hat gesagt, dass der Name ganz oben auf der Liste beim Abt sehr hoch im Kurs steht. Deshalb habe ich Vinzenz ganz oben hingeschrieben und Abt Bruno [Hubl, Anm.] hat ihn dann auch tatsächlich ausgewählt. Für meine Familie war es dennoch eine Überraschung, weil ich ihnen nie meinen Dreiervorschlag verraten, sondern immer ganz furchtbare Namen wie Engelram oder Gamelbert genannt habe (lacht).
Vielen Menschen, speziell jungen, fällt es heutzutage schwer, zu glauben. Warum?
Ich weiß nicht, ob man diese Aussage so stehen lassen kann. Dass sich viele Menschen mit der Kirche schwertun, ist vielleicht richtig. Was den Glauben betrifft, hätte ich Ihnen vor zehn Jahren noch recht gegeben. Aber ich glaube, dass sich das gerade dreht. Wir sehen das etwa in Frankreich, wo sich letztes Jahr zu Ostern 15.000 großteils junge Menschen haben taufen lassen. Warum das Interesse wieder zunimmt, darüber kann ich nur Vermutungen anstellen. Vielleicht, weil er eine Konstante darstellt in einer Welt, die immer anonymer, größer, unsicherer wird. Vielleicht, weil er Antworten auf Fragen liefert, die uns bislang weder Wissenschaft noch KI haben geben können.
Sie sind Pfarrer von vier Gemeinden. Bleibt noch genug Zeit für die Menschen, wenn man ständig zwischen den Kirchtürmen pendeln muss?
Nein. Ich bin de facto nie bei Taufessen oder Totenmahlen dabei. Manchmal bin ich zwei, drei, vier, fünf Tage oder auch die ganze Woche nicht in den beiden kleineren Pfarren St. Martin und Kleinsölk. Anlassbezogen, wenn es um eine Taufe, eine Ehe oder einen Trauerfall geht, komme ich zwar schon in viele Haushalte, aber ich hätte gerne viel mehr Zeit für die Menschen.
In Gröbming sind Sie oft im Doppelpack mit Bürgermeister Thomas Reingruber anzutreffen. Sie haben etwa gemeinsam eine Fastenkur gemacht. Da kommt der Gedanke an Don Camillo und Peppone auf.
Ja, aber wir prügeln uns nicht, das ist ein bedeutender Unterschied (lacht). Ich habe gleich an meinem ersten Tag die Bürgermeister meiner Pfarren angerufen. Wir sind ja für dieselben Menschen da, darum ist ein guter Draht wichtig. Die Fastenkur hat sicher dazu beigetragen, dass ich zum Gröbminger Bürgermeister einen besonders guten Draht habe. Ob ein Bürgermeister und ein Pfarrer Freunde sein können? Das hängt davon ab, wie man Freundschaft definiert. Aber es geht sicher in diese Richtung.
Das obere Ennstal ist stark evangelisch geprägt. Wie erleben Sie die Ökumene hier?
Im Alltag spielt sie bei vielen öffentlichen Anlässen, aber auch etwa bei Schulgottesdiensten eine Rolle. Sie zeigt sich beispielsweise auch in den gemischt-konfessionellen Ehen. Zu Pfarrer André Manke (Pfarrer der evangelischen Pfarrgemeinde Gröbming, Anm.) habe ich ein gutes Verhältnis, wir planen im nächsten Jahr zumindest zwei gemeinsame Veranstaltungen. Wir wissen um unsere Unterschiede, versuchen aber, das Gemeinsame zu betonen.