Rinderherde wurde durch Hundekot mit gefährlichem Parasiten infiziert
Hundekot hat Futter für Rinder so verschmutzt, dass 14 Rinder der Kraubather Rinderzüchterin Heidrun Ofner mit dem gefährlichen Parasiten Neospora infiziert wurden. Es kam zu mehreren Fehlgeburten.
Die Verzweiflung steht Heidrun Ofner ins Gesicht geschrieben. 14 Milchkühe der Landwirtin und Rinderzüchterin aus Kraubath sind mit dem gefährlichen von Hunden stammenden Parasiten Neospora infiziert, das ist die Hälfte ihrer Herde. Aufgefallen ist es der Bäuerin Anfang Juli. „Eine Kuh hatte eine Fehlgeburt, also verworfen, drei Tage später passierte das auch bei einer weiteren Kuh und 14 Tage danach wieder“, erzählt sie. Ofner rief sofort die Tierärztin Barbara Wolfger. Mittlerweile hatten vier Kühe Fehlgeburten, bei vier weiteren werden solche befürchtet. „Wir haben den Fötus eingeschickt und hatten bald Gewissheit, dass es Neosporose war. Weitere Tests haben das auch bei weiteren Milchkühen von Heidrun Ofner bestätigt. Derzeit sind es insgesamt 14. Das Tragische: Es gibt keine Behandlung, die zur Heilung der Rinder führt.
Nicht nur ein emotionales Drama für die Züchterin der Holstein-Friesen-Rinder. Auch wirtschaftlich ist der Schaden groß. „40.000 Euro schlagen sich da zu Buche, da die infizierten Rinder nicht mehr für die Zucht geeignet sind, und der Wiederaufbau der Herde ein paar Jahre dauern wird“, betont Richard Judmaier, Obmann der Landwirtschaftskammer Leoben.
Ausbreitung durch Hundekot
Verursacht wurde die Ausbreitung des Parasiten durch Hundekot. „Wir haben Futter geschnitten und unseren Rindern verfüttert. Kurz danach ist alles ausgebrochen“, erzählt Ofner. Wolfger konkretisiert den Parasitenbefall. „Die Neosporose ist eine durch einen Einzeller hervorgerufene Infektionskrankheit bei Haus- und Wildtieren. Sie kann über Hundekot auf Rinder übertragen werden.“ Fehlgeburten können die Folge sein. Kommen Kälber dennoch zur Welt, können sie blind sein oder Gehirn- und Herzprobleme haben. Sie tragen aber auch den Parasiten weiter in sich und sind für die Zucht ungeeignet. „Bei der betroffenen Herde wissen wir konkret, dass Hundekot der Auslöser war“, betont Wolfger.
Deshalb appelliert sie, wie auch die Vertreter der Kammer, Hundekot auf Wiesen oder Weiden unbedingt zu entsorgen und nicht liegen zu lassen. Viel zu gefährlich sei das, wenn Rinder, Schafe, Pferde oder Ziegen das verseuchte Futter fressen. „Ich bin seit 2008 Tierärztin, aber so eine Ausbreitung innerhalb einer Herde, wo gleich 14 von insgesamt 33 Rindern infiziert sind, habe ich noch nie erlebt. Es gibt immer wieder Fälle, wo das vereinzelt auftritt, aber nicht in diesem Ausmaß“, sagt Wolfger. Vier der 33 Rinder von Heidrun Ofner sind derzeit noch auf der Alm. „Ich hoffe nur, dass diese nicht auch infiziert sind“, sagt die Bäuerin.
Appell an Hundebesitzer
Ratlos ist auch der Kraubather Bürgermeister Erich Ofner. „Wir hängen an vielen Stellen Hundekotsackerl auf, wir schreiben es regelmäßig in die Gemeindezeitung, aber es gibt immer einige wenige Hundebesitzer, die sich nicht daran halten und die Salatschüssel der Rinder als Hundeklo benutzen“, wundert er sich.
Grundsätzlich gelte ohnehin ein Betretungsverbot für landwirtschaftliche Flächen. „Ich mag Hunde, aber dann sollten die Hundebesitzer darauf achten, dass der Hundekot mitgenommen und nicht liegengelassen wird.“
Regeln für Miteinander von Mensch, Hund und Weidetiere (Quelle: LWK Steiermark)
Hundehalter müssen Hundehäufchen einsammeln und mitnehmen.
Hunde sind an der Leine zu führen und sollen nicht auf landwirtschaftlichen Wiesen und Weiden frei laufen.
Gras auf Wiesen und Weiden ist wichtiges Futter und darf nicht verunreinigt werden.
Hundekot kann für Rinder gefährliche Parasiten beinhalten.
Weidende Rinder, Schafe, Pferde oder Lamas sind keine Spielgefährten für Hunde.
Hundekot verschmutzt die Umwelt.
Hundekotbeutel sind mitzuführen und auch zu verwenden.