Einsteigen bei der Umsteigerin: Kärntner Akademikerin fährt Bus
Ein ungewöhnlicher Berufswechsel liegt hinter Barbara Kothmiller-Uhl: Die Kärntnerin tauschte die Sozialarbeit gegen ein Lenkrad eines Busses.

Die soziale Ader liegt bei Barbara Kothmiller-Uhl in der Familie. Die Eltern der Kärntnerin, Christa und Gerald Uhl, haben die Hilfseinrichtung B3, ein Netzwerk für Kinder, Jugend und Familien, aufgebaut und später vertrauensvoll in die Hände des Hilfswerks übergeben. Es lag daher nahe, dass auch die Tochter in deren Fußstapfen tritt. Nach dem Studium der Sozialarbeit in Innsbruck kehrte die heute 43-Jährige in ihre Kärntner Heimat zurück und arbeitete unter anderem im Frauenhaus und im Rahmen eines Jugendhilfsprojektes.
„Die Arbeit mit den Jugendlichen hat mir sehr gefallen“, erzählt Kothmiller-Uhl, die selbst drei Kinder im Alter von 16, 14 und elf Jahren hat. Die damit verbunden Rahmenbedingungen gingen ihr aber gegen den Strich: „So wollte ich nicht mehr arbeiten, das System wird den Jugendlichen nicht mehr gerecht.“ Die Maria Saalerin ließ damit die Sozialarbeit hinter sich und schaute sich nach einer neuen Herausforderung um, von einem beruflichen Neuanfang war zu diesem Zeitpunkt noch keine Rede.
Eine von vier Bewerberinnen
Aber es kam anders: Beim AMS wurde die gebürtige Klagenfurterin im Oktober des Vorjahres auf das Förderprojekt „Frauen in die Technik“ aufmerksam, bereits am ersten Informationsabend war es um Kothmiller-Uhl geschehen. Als eine von vier Bewerberinnen wurde sie für die Ausbildung als Busfahrerin ausgewählt. „Bei meiner ersten Fahrstunde war ich durchgeschwitzt“, gibt die dreifache Mutter offen und ehrlich zu. Kurze Zeit später hielt sie den Führerschein der Klasse D in Händen.
Und das Unternehmen Hofstätter mit Firmensitz in Treibach hatte just zu diesem Zeitpunkt eine Stelle als Busfahrerin ausgeschrieben. Firmenchef Thomas Hofstätter – er führt das Familienunternehmen in bereits dritter Generation – gab der Quereinsteigerin eine Chance. Seit März lenkt Kothmiller-Uhl einen 31-Sitzer durch den gesamten Alpe-Adria-Raum. Ihre erste Reise führte die 43-Jährige über ein Wochenende nach Grado, die bislang weiteste in das deutsche Stuttgart. Auch ein Strafzettel flatterte schon ins Haus.
Heute ist Ihr Glückstag, Sie fahren mit einer Frau.
— Barbara Kothmiller-Uhl
Die Familiensituation der Kothmiller-Uhls lässt die Arbeit als Busfahrerin aktuell zu. „Die Kinder sind nicht mehr ganz so klein und es gibt ja noch einen Papa“, freut sich die Dreifachmama jeden Tag auf eine neue Fahrt. „Ich habe jeden Tag mit anderen Menschen und Gruppen zu tun, es ist spannend in ihre Geschichten einzutauchen“, holt sie heute noch ihre eigentliche Berufung, nämlich das Interesse an den Menschen, ein. „Und ich komme viel herum“, ergänzt die ehemalige Sozialarbeiterin, die sich aktuell eine Rückkehr in ihren alten Beruf nicht vorstellen kann.
Der eine oder andere Kommentar sowie verwunderte Blick, zumeist von älteren, männlichen Passagieren, blieb natürlich auch nicht aus. „Ich kontere dann immer mit ,Heute ist Ihr Glückstag, Sie fahren mit einer Frau‘“, erzählt sie. Damit räumt sie mit jedem Vorurteil auf. In ihrem neuen Job schätzt die Quereinsteigerin auch die Kollegialität im Team von Hofstätter. Neben Kothmiller-Uhl fährt noch eine weitere Frau die Busse des Unternehmens. Und mittlerweile sind auch die kritischen Stimmen im Freundes- und Bekanntenkreis verstummt. Die Kinder übrigens haben einen großen Wunsch, nämlich, dass die Mutter den KAC-Bus lenkt, dieser ist nämlich – wie auch jener des WAC – auch in der Hofstätter-Flotte.

