Weizerin unterrichtet Deutsch als Fremdsprache: „Motivation muss da sein“
Silke Nitzlnader lehrt seit mehr als zehn Jahren Deutsch als Fremdsprache. Sie hat Menschen aus fast 60 Nationen unterrichtet. Es ist jedoch nicht der einzige Job der Weizerin.

„Es ist wie Mathematik lernen“, sagt Silke Nitzlnader und überrascht damit im ersten Moment. Denn die 54-jährige Weizerin, die rund 30 Jahre lang in ihrem Familienunternehmen tätig war, der Spielzeugwelt Rieger-Puchebner, beschritt 2015 völlig neue Wege und entschloss sich, Deutsch als Fremdsprache zu unterrichten. Einige ihrer Schülerinnen und Schüler kommen ohne Vorkenntnisse zu ihr. Sie müssen die Grammatik lernen wie Mathematikregeln, erklärt sie.

Angefangen hat alles mit der Flüchtlingskrise 2015. „Da habe ich hauptsächlich Syrer, Afghanen, Iraner und Iraker unterrichtet“, erzählt sie. Im Laufe der Jahre brachte sie Menschen aus fast 60 Nationen Deutsch bei, beispielsweise aus Rumänien, Bosnien-Herzegowina, Serbien, Kroatien, Ungarn, Slowakei, Slowenien, Tschechien oder Polen.
Seit dem Krieg auch viel Ukrainerinnen und Ukrainer. Aber auch aus weiter Ferne kommen ihre Schülerinnen und Schüler. Weiz ist eine Industriestadt. So nahmen etwa auch IT-Spezialisten aus Pakistan oder Mexiko an ihren Kursen teil.

„Sicher 80 Prozent sind Erwachsene“, sagt die Weizerin, die im zweiten Bildungsweg ihr Diplom zur Daf/Daz-Trainerin, also Deutsch als Fremdsprache und Zweitsprache, an der Uni abschloss. Zudem arbeitet sie nebenberuflich als Copywriterin, verfasst dabei unter anderem Werbetexte. 2013 schrieb sie einen Roman, seit 2015 ist sie auch als Doula tätig und begleitet Frauen bei Geburten. auch als Stadtführerin ist sie tätig.

Vielseitigkeit braucht sie auch beim Deutschunterricht, denn ihre Schüler kommen mit ganz unterschiedlichen Niveaus und Vorkenntnissen zu ihr. So gab es beispielsweise eine 50-jährige Afghanin, die niemals zur Schule ging und der Nitzlnader lesen und schreiben beibrachte. Oder ein junger ukraninischer Schüler: „Er spricht in einem halben Jahr sicher sehr gut Deutsch.“

Die Motivation sei das Wichtigste. Der Bildungsgrad ist nicht immer entscheidend, wie leicht jemand die Sprache erlernt. „Ich habe Akademiker, beispielsweise Zahnärzte oder Architekten aus der Ukraine, die sich sehr schwer tun mit Deutsch. Es hat nichts mit der Schulbildung zu tun. Du merkst aber gleich, ob jemand intelligent ist oder nicht.“
Zweimal pro Woche für mindestens eine Stunde sollte man den Deutschunterricht besuchen, so Nitzlnader. Wichtig sei auch, dass sich das Gelernte festigen kann. Wenn in zu kurzer Zeit zu viel Stoff eingetrichtert wird, sei das oft kontraproduktiv.
Investoren gesucht
Finanziert werden die Deutschkurse für Flüchtlinge noch bis Ende des Jahres mit Förderungen vom Land. „Way of Hope“ organisierte die Kurse für die Geflüchteten. Wie es danach weitergeht, ist noch unklar. „Investoren werden gesucht“, sagt die Weizerin, die auf jeden Fall weiter unterrichten wird.
Falls sich keine Lösung findet, nur noch über private Bezahlung. Die Stadt Weiz hebt sie positiv hervor, die auch die Räumlichkeiten am Hauptplatz neben der Taborkirche zur Verfügung stellt. In Weiz seien viele Erfolgsgeschichten zu verzeichnen, was sprachliche Integration anbelangt.
Deutschkurse am Weizer Hauptplatz
Silke Nitzlnader bietet in Weiz am Hauptplatz 1, direkt neben der Taborkirche Deutschunterricht für Erwachsene an, für den Alltag und für den Beruf. Auch Jugendliche begleitet sie durch das Schuljahr.
Bei Interesse: 0664-48 14 765.