Sonntagsöffnung für Nahversorger? „Kaufen ist der Sinn des Lebens!“
Vorbild Vorarlberg: Die steirischen Neos wollen kleinen Nahversorgern flexiblere Öffnungszeiten ermöglichen. Was unsere Leserinnen und Leser davon halten, erfahren Sie hier.
Kleine Nahversorger sollen auch in der Steiermark sonntags öffnen dürfen, wenn dafür kein Personal benötigt wird. Das fordert Neos-Landeschef Niko Swatek nach dem Vorbild Vorarlbergs. Dort wurde die Sonntagsöffnung für kleine Geschäfte in 65 Gemeinden ermöglicht. Unterstützung kommt von der Wirtschaftskammer.
Denn der Druck auf die Nahversorgung wächst: 2023 lebten bereits mehr als 42.000 Steirer in Gemeinden ohne Lebensmittelgeschäft. Auch die Bundesregierung plant, digital betriebene Nahversorger vom Öffnungszeitengesetz auszunehmen.
„Freiwillig sollte jeder arbeiten dürfen“
Im Forum der Kleinen Zeitung wird das Thema durchaus differenziert besprochen. So spricht etwa aus Sicht von „theresiast“ nichts gegen eine Liberalisierung der Öffnungszeiten: „In meiner Kindheit hatte der Dorfladen sonntags auch geöffnet. Freiwillig sollte jeder arbeiten dürfen.“ Zustimmung kommt von „Geom38“ unter einer Bedingung: „Wenn die meist selbstständigen Kaufleute sich dann selbst ins Geschäft stellen, sollte man ihnen das erlauben.“
Geschäfte sollten ruhig bis 22 Uhr bzw. am Sonntag geöffnet sein können. Mit entsprechenden Zulagen und Diensten hauptsächlich auf freiwilliger Basis, versteht sich. Funktioniert in quasi allen Ländern nördlich von uns auch.
— honestabe94
Für „honestabe94“ steht jedenfalls fest, dass es „höchste Zeit“ wäre, „dass Österreich in Sachen Öffnungszeiten, Sonntagsöffnung, SB-Kassen usw. in der Zukunft ankommt“. Um Berufstätigen den Einkauf zu erleichtern, sollten Geschäfte nicht nur am Sonntag, sondern auch bis 22 Uhr geöffnet bleiben dürfen – „mit entsprechenden Zulagen und Diensten hauptsächlich auf freiwilliger Basis“. Ebendies funktioniere „in quasi allen Ländern nördlich von uns auch“.
Unverständnis für die derzeitige Reglementierung äußert auch „SagServus“: „Der Architekt kann am Sonntag ohne Probleme seine Kunden besuchen, um die letzten Änderungen durchzusprechen, aber der Greißler darf keinem persönlich eine Wurstsemmel am Sonntag verkaufen.“
„Die Sonntagsöffnung wird sie nicht retten“
Eine gänzlich andere, deutlich konsumkritische Meinung bringt indes „Summerrain“ zum Ausdruck: „Kaufen – rund um die Uhr – das ist der Sinn des Lebens!“ Ähnlich lesen sich zahlreiche Kommentare zu dem Thema in den sozialen Medien. „Wer es in 6 Tagen nicht schafft, seine Lebensmittel zu kaufen, der braucht Sonntag nicht zu jammern“, schreibt etwa „Bernhard Hohl“ auf der Facebook-Seite der Kleinen Zeitung.
Heutzutage sind die meisten eh die ganze Woche mit dem Auto unterwegs, daher eine Sonntagsöffnung nicht notwendig.
— Ninel
Wieder im Forum bringt auch User „Baldur1981“ seine Zweifel an der Sinnhaftigkeit einer Sonntagsöffnung zum Ausdruck: „Gerade am Land soll es dafür Bedarf geben? Eher nicht.“ Worauf „Ninel“ ergänzt: „Heutzutage sind die meisten eh die ganze Woche mit dem Auto unterwegs, daher ist eine Sonntagsöffnung nicht notwendig.“
Dass eine solche beim Versuch, kleine Nahversorger zu erhalten, nicht der Weisheit letzter Schluss sei, erklärt „pescador“ wie folgt: „Retten kann sie nur das Einkaufsverhalten der Bewohner.“ Geteilt wird diese Ansicht von „jupy“, denn: „In Zeiten der totalen Mobilität fahren die Menschen ohne viel nachzudenken bis zu 100 Kilometer in Einkaufszentren und zu Fachhändlern, wo sie ALLES auf einmal bekommen.“ Daher wäre es „viel wichtiger“, „dass die Neos an die Bevölkerung appellieren, zumindest die täglich gebrauchten Grundnahrungsmittel im Dorfladen zu kaufen.“
